
Durchblick 4+ – Von Fabelwesen und anderen Tieren – Christina Schindler
von Natascha Noack
Angelehnt an die Methode der Jeux Dramatiques entstehen aus Kisten, Pappkartons, Tüchern, Federn, Steinen, Nester/Häuser für jedes Kind. Ihr Nest ist ihr Zuhause. Von dort aus besuchen sie andere Nestbewohner, begrüßen sie; einige verlassen ihre Nester, um in Urlaub zu fahren (Was kann man da nicht alles erleben?!) oder treffen sich auf dem Bahnhof, der sich in der Nähe befindet. Ein Spiel, das die Kinder schon beim Bauen fasziniert und in Spielfreude mit ihrem geschaffenen „Bühnenbild“ umschlägt. Der/Die Spielleiter/in hat lediglich die Aufgabe, interessante Impulse hinein zugeben und spielerisch geschickt ein Ende zu finden, z.B. der Urlaub ist zu Ende!, alle Nestbewohner müssen weiterziehen und ihre Nester aufräumen. Das ist das Zeichen, dass Pappe, Kiste etc. wieder ihren anfänglichen Platz einnehmen - bis zum nächsten Mal. Danach setzt sich die Gruppe noch einmal in einen Kreis und spricht über die Erfahrungen mit dem Film im Spiel. Der/Die Sprechende hat ein „Sprechzeichen“ in der Hand, vielleicht eine Feder.
Ein „Klangorchester“ spielt auf: Dazu wird das Orffsche Instrumentarium benötigt. Jedes Kind soll ein Instrument seiner Wahl spielen können. Es soll ein Stimmungsklangbild zum Film „Zugvögel“ entstehen. Dazu wird den Kindern „Zugvögel“ ohne Ton vorgeführt. In Vorbereitung auf das Klangbild werden erst einmal die Instrumente ausprobiert, ungestüm durch die Musiker/innen, um den Charakter des Instruments zu erfahren. Auch Ungewöhnliches wird getestet, z.B. die Klanghölzer aneinander reiben, am Triangel mit dem Stab entlang gleiten, eine Rassel kullern lassen ...
Ein/e Spieler/in versteckt sich mit dem Instrument. Die anderen Kinder schließen die Augen und müssen „erhören“, woher im Raum die Klänge kommen. Ein Partnerspiel: Die Partner stehen sich mit dem Instrument gegenüber. Sie laufen mit dem Rhythmus ihres Instrumentes aufeinander zu, begegnen sich, gehen aneinander vorbei, verabschieden sich.
Das „Klangorchester“ übt unter Anleitung „laut“ und „leise“ (Sensibilisierung füreinander). Dazu werden gemeinsame Handzeichen verabredet: für Beginn, laut, leiser, Lautstärke halten, fine (entsprechende Handzeichen). Fühlt sich das „Klangorchester“ zum Aufspielen bereit, kann es losgehen: Der Film wird ohne Ton gezeigt. Dazu finden sich die Musiker/innen spontan mit ihren Klängen ein. Der/Die „Orchesterleiter“ dirigiert lediglich die Lautstärke, ermuntert etc. Ein Aha-Erlebnis wäre es natürlich, wenn das „Klangbild“ auf Kassette/digitalen Träger aufgenommen werden würde.
HÖHEPUNKT nach Entstehen des Klangbildes ist die in Bild und Ton vollständige Vorführung der „Zugvögel“: Hat die Musik zum Film gepasst? An welchen Stellen besonders? Wann erzählt die Musik etwas zusätzlich zu den Bildern? Unser „Klangbild“ haben wir zu den Filmbildern synchron noch einmal gehört (bei Tonaufnahmen möglich). Haben wir die Stimmung vom Film getroffen?
Literatur: Ausdrucksspiel aus dem Erleben, Lit.: Heidi Frei, Jeux Dramatiques mit Kindern 1 und 2, Zytglogge Werkbuch, Zytglogge Verlag, 1984/ 3. Auflage 1990.
Die kleine Welt der Zugvögel-Familie ist so lustvoll lebendig erlebbar, dass Kinder auch andere Parallelen zum realen Familien- oder Zusammenleben entwickeln werden. Im Zusammensein und in den kleinen Abenteuern des gefiederten Familienverbands sind gefühlvolle Zufriedenheit, Glücksmomente und Zärtlichkeit sehr wichtig - sicher ein interessanter Ausgangspunkt für Rollenspiel und Malen nach dem Film.
Diese Grenzgänge zwischen Fantasie und Wirklichkeit knüpfen sowohl an die Erlebniswelt und die Erfahrungen, als auch an die emotionalen Bedürfnisse von Kindern an. Der offene, fantastisch inszenierte Abschluss des Films ist auch als Symbol dafür zu verstehen, dass die Fantasie von Kindern ihre Eigendynamik hat. Sie lassen ihre Vorstellungskräfte walten und sich dabei zum Glück nicht durch die Wirklichkeitssicht Erwachsener trüben. Die „Zugvögel“ sind eine mögliche Vision kindlicher Vorstellungskraft. Die Kinder selbst aber werden noch viele andere und einfallsreiche Fantasien schaffen, wenn wir ihnen die Möglichkeit zum Weiterspielen und -spinnen einräumen.