
Durchblick 4+ – Von Fabelwesen und anderen Tieren – Christina Schindler
Von Beate Völcker
Jeder Film besteht aus vielen Einzelbildern. Dass wir dennoch eine Bewegung wahrnehmen, beruht auf zwei physiologischen Effekten: der Nachbildwirkung und dem stroboskopischen Effekt.
Unser Auge ist träge. Ein Lichtreiz, der die Sehzellen erregt, erlischt nicht sofort, sondern klingt langsam ab. Diese Zeit des Abklingens, der Nachwirkung eines Bildeindrucks, beträgt etwa 1/16 Sekunde. Führt man deshalb den Film mit einer Geschwindigkeit von mindestens 16 Bildern pro Sekunde vor – heute werden 24 Bilder pro Sekunde gezeigt -, so verschmelzen die Bilder miteinander in unserer Wahrnehmung.
Doch erst in Verbindung mit dem stroboskopischen Effekt entsteht die Illusion von Bewegung. Die einzelnen Phasenbilder müssen mit einer Unterbrechung am Auge vorbeilaufen, so minimal diese auch ist, so dass eine Folge von Bild – Nichtbild – Bild etc. entsteht. Die Augen nehmen dann die geringfügige Veränderung von einem Bild zu dem nächsten wahr, die im Gehirn zu einem Bewegungsablauf integriert werden.
Bewegungsillusionen wurden schon vor der Erfindung des Films erzeugt: Im 19. Jahrhundert führte die Erforschung der Sinne zu Erfindungen von optischen Geräten, die die Nachbildwirkung und den stroboskopischen Effekt demonstrierten und damit die Bilder zum Laufen brachten.
Zwei dieser optischen „Spielzeuge“ sind als Kopiervorlage auf der ROM-Ebene abgelegt.
Kopiervorlage hierzu: Streifenkino (PDF-Datei zum Ausdrucken)
Das Streifenkino ist die einfachste Form eine Bewegung darzustellen. Bei diesem optischen Spielzeug wird die Bewegungsillusion mit nur zwei Phasenbildern dargestellt.
Die zwei Phasenbilder werden entsprechend der Anzahl der Kinder kopiert.
Die Phasenbilder werden ausgeschnitten und an der eingezeichneten Klebekante wird Bild 1 exakt auf Bild 2 geklebt.
Wenn man nun das obere Blatt um einen Bleistift aufrollt und dann mit dem Bleistift das eingerollte Blatt hin und her bewegt, so dass Bild 1 und Bild 2 im raschen Wechsel zu sehen sind, dann entsteht die Bewegung – das Chamäleon bewegt sich auf und ab.
Kopiervorlage hierzu: „Daumenkino. Vogelvater surft“ (PDF-Datei zum Ausdrucken)
Das Daumenkino gehört zu den bekanntesten optischen Spielzeugen – zu einem Büchlein geheftete Phasenzeichnungen werden hier schnell „abgeblättert“, so dass sie in der Wahrnehmung zu einer Bewegung werden. Die Kopiervorlage wird in entsprechender Anzahl auf mindestens 100 Gramm, besser 120 Gramm, starkes Papier kopiert.
Wollen die Kinder ihr Daumenkino kolorieren, dann am besten, bevor die einzelnen Phasen ausgeschnitten werden.
Die Phasenzeichnungen sauber (!) ausschneiden (bei ungeraden Kanten funktioniert das Abblättern nicht gut).
Die Phasenzeichnungen nach der Nummerierung sortieren und über die Kante, an der abgeblättert wird, gerade klopfen.
Zum Schluss den Stapel an der gegenüberliegenden Seite mit einem Tacker zusammenheften.
Material hierzu: Storyboard „Zugvögel“ (PDF-Datei zum Ausdrucken oder HTML-Version zum Anschauen)
Zuerst sehen sich alle in der „Trickfilmwerkstatt“ die Station „Storyboard“ an.
Dann einigen sich die Kinder auf eine Szene im Film – ihre Lieblingsszene. Zuerst wird die Szene nacherzählt, dann schriftlich festgehalten: Wer kommt vor? Was machen die Figuren? Wie lauten die Dialoge? Wie ist der Gesichtsausdruck, die Körperhaltung? Wie sieht der Hintergrund aus? Welche Geräusche und welche Musik sind zu hören?
Jedes Kind (oder Gruppe) erhält nun ein Arbeitsblatt mit folgender Struktur:
| (Bild) | (Beschreibung von Dialog, Hintergrund, Musik, Geräusche, Mimik etc.) |
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| (Bild) | (Beschreibung von Dialog, Hintergrund, Musik, Geräusche, Mimik etc.) |
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Anschließend sehen sich alle die betreffende Szene gemeinsam an und achten genau darauf, wann sich die Kameraeinstellungen ändern. Jedes Bild steht für eine Kameraeinstellung. Danach wird ein Storyboard für die betreffende Szene erstellt. Am Ende können die Kinder versuchen, auf der Grundlage des Storyboards die Szene nachzuspielen und mit der Videokamera aufzunehmen. Der Regisseur und der Kameramann müssen darauf achten, dass jedes Bild für eine Kameraeinstellung steht.
Kopiervorlage hierzu: „Ausmalfilm Vogelvater surft“ (PDF-Datei zum Ausdrucken)
Der Zeichentrickfilm wird auf der Grundlage des Ausmalfilms „Vogelvater surft“ erstellt. Die einzelnen Seiten werden auf DIN A4 Format ausgedruckt und anschließend ausgemalt. Hier muss genau darauf geachtet werden, dass sich die Farben nicht verändern. Es können aber auch Schatteneffekte nachempfunden werden. Mit einem Klebeband werden die Bilder nacheinander an der Wand festgemacht und 2x drei Sekunden lang mit der Videokamera aufgenommen (Stop and go Verfahren). Bei den Aufnahmen soll jedes Kind mindestens einmal an die Reihe kommen. Vorher wird natürlich die Funktionsweise der Kamera erklärt. Man kann den Film auch „abändern“, mit Hilfe von Zoom und Einstellungswechsel. Wichtig ist, die Bilder immer an die selbe Stelle an der Wand zu pinnen und die Kamera nicht zu bewegen.
Bei der Totalen liegt die Bedeutung in der Regel auf der Vermittlung eines Überblicks über den Ort der Handlung und das Handlungsgeschehen. Entsprechend dieser Funktion gibt die Länge ausreichend Zeit zur Aufnahme der Situation.
Die Halbtotale zeigt die agierende Person in voller Größe und legt damit den Bedeutungsakzent auf die Aktion, also die ganze Figur.
Ist die Aktion reduziert auf den gestischen (und mimischen) Ausdruck, so eignet sich hierfür insbesondere beim Bildschirmformat von Video die Größe Halbnah (oder Amerikanisch) besser, bei der die Figur etwa bis zum Knie abgeschnitten wird. Der Bezeichnung ‚Amerikanisch’ kommt von den typischen Einstellungen, die im Western gewählt wurden, bspw. bei der Darstellung des klassischen Duells zwischen Sheriff und Outlaw.
Zur Verdeutlichung seelischer Regungen und des am Gesicht ablesbaren Ausdrucks innerer Regungen eignen sich Nah- und Großeinstellung besser, bei denen die Gestikulation der Hände weitgehend abgeschnitten wird (Brustbild- Kopfbild). Was in den Personen vorgeht, übermittelt sich durch eine Bewegung der Augen, das Zucken eines Muskels. Im Gegensatz zum Theater liegen hier die Stärken von Film und Fernsehen
Detaileinstellungen greifen Einzelheiten groß heraus. Auf die menschliche Figur bezogen, wäre ein Auge, ein Ausschnitt der Hand, ein Kleidungsdetail das formatfüllende Objekt dieser Einstellungsgröße. Für sich allein schneidet das Detail den Betrachter ab von der Aktion des dargestellten Subjekts. Es weckt im Betrachter die Empfindung, eine Schwelle der persönlichen Intimität überschritten zu haben, und liefert die dargestellte Person den Blicken des Betrachters schonungslos aus. In der Regel wird bei erzählender Kamera das Detail die kürzeste Einstellung bleiben.
Bei einem Puppentrickfilm nimmt man am besten Knetmasse. Die Kinder denken sich eine einfache Geschichte aus, die in einzelne Bewegungen unterteilt werden. Am besten fertigt man vorher ein Storyboard an (s. Storyboard). Dann werden auch hier die Aufnahmen nach dem Stop and go Verfahren gemacht. Hier können auch viele Kinder für die Gestaltung des „Drehortes“ eingesetzt werden (Landschaft, Häuser etc.)
Von Beate Völcker
„Anders-Artig“ setzt Farbe bewusst ein, um Inhalte der Geschichte zu unterstützen und dramaturgische Akzente zu setzen.
Übung 1: Farben schaffen Beziehungen und StimmungenKopiervorlage hierzu: Farbkreis (PDF-Datei zum Ausdrucken)
Diese Übung sollte vor der Filmansicht eingesetzt werden und dient somit zugleich der Einstimmung. Die Schülerinnen und Schüler erfahren über den Film nur, dass es ein Animationsfilm ist. Auch der Titel wird noch nicht verraten.
Ziele
Erkennen, dass Farbe hier bewusst eingesetzt wurde, um den Konflikt zwischen den Chamäleons auch auf der gestalterischen Ebene auszudrücken. Erkennen, dass Komplementärfarben, hier Rot und Grün, den stärkst möglichen farblichen Kontrast erzeugen. Dazu wird auch der Farbkreis im Extra zur Ansicht angeboten.
Bildanalyse unter farblichen Aspekten, Ausdruck von Emotionen im Animationsfilm, Einstimmung auf das Filmthema.
Das Bild wird im Original betrachtet (Hintergrund und „normale“ Chamäleons sind grün, das „anders-artige“ ist rot). Die Auseinandersetzung mit diesem Bild unter den o.g. Zielsetzungen erfolgt durch Fragen. Nach den Fragen sollte immer genügend Raum sein für die Antworten, Ideen, manchmal auch Mutmaßungen oder Assoziationsketten der Schülerinnen und Schüler:
>> Einschub:
An dieser Stelle kann ein Spiel eingeschoben werden. Die Kinder werden aufgefordert, die genannten Zustände körperlich darzustellen, z.B. in Standbildern. Wie sieht Wut, Ärger, Liebe usw. aus?
Mit älteren Schüler(inne)n können diese Zustände als Comiczeichnungen dargestellt werden. Wichtiger Hinweis: keine ausgefeilten Zeichnungen, sondern nur schnelle Skizzen.
Nun werden die grünen Chamäleons genauer betrachtet:
>> Einschub:
Das oben beschriebene Spiel kann hier wieder aufgegriffen werden.
Weitere Fragen:
(Die Schüler(innen) sollen in ihrer Diskussion der Frage auf den Begriff „Konflikt“ kommen.)
Der Farbkreis wird dazu ausgeteilt und erklärt (Bild- oder PDF-Datei, kann auch ausgedruckt werden). Der Farbkreis stellt die Beziehungen der Farben dar: Aus der Mischung der Primärfarben Gelb, Rot Blau ergeben sich die Sekundärfarben Orange, Violett und Grün. Die Farben, die sich im Farbkreis gegenüberliegen, werden Komplementärfarben genannt. Sie stellen den größten Farbkontrast her. Rot und Grün sind Komplementärfarben, wie sich am Farbkreis erkennen lässt. Durch den Einsatz von Komplementärfarben wird die Bildaussage von einem Konflikt auch auf der farblichen Ebene unterstrichen:
Zum Abschluss: Der Film „Anders-Artig“ wird gemeinsam angeschaut.
Die Übung ist zum Einsatz nach der Filmansicht und der Auseinandersetzung mit dem Filmerleben konzipiert. Sie konzentriert sich ganz auf Farbwirkungen. Deshalb muss der inhaltliche Konflikt, den der Film bearbeitet, besprochen sein, damit die Schüler(innen) sich auf das Thema „Farbe“ einlassen können. Diese Übung kann mit der Demonstration der betreffenden Station der Trickfilmwerkstatt ausprobiert werden.
Ziele
Die Schüler(innen) sollen selbst ein Bild malen, dessen frei gewähltes Thema allein durch den Einsatz von Farben ausgedrückt wird.
In Vorbereitung erfahren sie die unterschiedlichen Wirkungen von Farben und Farbkontrasten.
Das Originalbild ist Ausgangspunkt und wird zuerst gemeinsam betrachtet:
Nun wird die Farbe des roten Chamäleons verändert. Als erstes wird es grün, dann blau, schließlich gelb eingefärbt. Bei jeder Farbveränderungen werden die folgenden Fragen besprochen:
>> Anmerkungen
Wird das Chamäleon grün, dann geht der Farbkontrast verloren. Der Konflikt, den das Bild ausdrückt, wird auf der Farbebene nivelliert, das Bild wird etwas „langweilig“. Wir wirkt das vormals rote Chamäleon nun?
Wird das Chamäleon blau, wird sich sein Ausdruck ebenfalls verändern. Denn Blau ist wesentlich kühler als Rot. Der Kontrast ist noch da, aber schwächer ausgeprägt. Wie verändert sich die Aussage über die Beziehung der Chamäleons dadurch?
Wird das Chamäleon gelb, so bleibt bei dieser warmen Farbe sicherlich sein fröhlicher Ausdruck stark erhalten. Aber auch hier wird der Kontrast zu den anderen Chamäleons abgeschwächt. Wie verändert sich die Aussage über die Beziehung der Chamäleons dadurch?
Der erste Teil der Übung wird beendet, indem das Chamäleon wieder in seiner Ausgangsfarbe Rot eingefärbt wird. Nun wird der Bildhintergrund und mit ihm die grünen Chamäleons in der Farbe verändert, das rote Chamäleon bleibt rot. Der Farbwechsel geht von Rot zu Blau und schließlich zu Gelb.
Zu jeder Farbe werden die folgenden Fragen besprochen und spielerische Methoden eingesetzt, um die Wirkung einer jeden Farbe intensiv zu erfahren. Dabei sollte bei jeder Farbe genügend Zeit eingeräumt werden.
Wenn alle ihr Wort geäußert haben, wird die Übung langsam beendet. Nach jedem Durchgang zu einer der Farben wird eine Reflexionsphase eingeschoben:
>> Anmerkungen
Rot: Rot wird die abwartende bzw. ablehnende Haltung der „normalen“ Chamäleons sicherlich verstärken und aggressiver erscheinen lassen.
Die Gesamtwirkung des Bildes wird aggressiver bzw. bedrohlich. Assoziationen von Feuer, Wut, explosive Emotionen werden geweckt.
Blau: Blau erzeugt einen kühlen, surrealen Bildeindruck. Wie wirken die „normalen“ Chamäleons? Assoziationen von Wasser, Unterwasserwelt, Traumwelten etc. werden geweckt.
Gelb: Möglicherweise wird die warme Farbe den Ausdruck der „normalen“ Chamäleons in der Wahrnehmung der Schüler(innen) entschärfen. Assoziationen von Sonne, Wärme etc. können auftauchen.
Kopiervorlage hierzu: Hintergrund und Folie (PDF-Datei zum Ausdrucken)
Beim „traditionellen" Trickfilm ist - im Gegensatz zur Computeranimation - noch vieles Handarbeit. Während der Hintergrund der Handlung (Kulisse) u. U. während einer gesamten Einstellung „statisch" bleibt, müssen alle sich bewegenden Personen und Objekte als Phasenzeichnung hergestellt und auf Folie übertragen werden. Die Umrisse der Figuren werden mit Tusche auf der Vorderseite aufgetragen und mit Acrylfarben auf der Rückseite koloriert. Bei der Aufnahme mit der Trickkamera werden Hintergrund und Folie kombiniert. Für den Film „Zugvögel“ wurden insgesamt 3.800 Folien und 40 Hintergründe hergestellt.
Zur Veranschaulichung eine HTML-Version, in der die „Vordergrundfolie“ mit der Maus bewegt werden kann.