zum Anfang des Inhalts
Bundesverband Jugend und Film e.V. - DVD-Edition - Durchblick Filme - www.durchblick-filme.de

Bundesverband Jugend und Film e.V.   –   Durchblick 6+   –   Thema Märchen

4.3 Einsatz von Märchenverfilmungen in Senioreneinrichtungen

Märchen gab und gibt es in allen Ländern und Kulturen und vor allem in allen Altersklassen. Entgegen dem allgemeinen Volksglauben wurden Märchen ursprünglich gar nicht für Kinder, sondern für Erwachsene geschrieben. Es sind Weggeschichten, die bildhaft Lebensläufe nachzeichnen. Das ist der Grund, warum Senioren sich gerne mit Märchen beschäftigen, denn sie mögen es, auf Lebenswege zurückzuschauen. Märchen benutzen die Bilder- und Symbolsprache. Für die Erwachsenen ist gerade diese symbolhafte Sprache von Bedeutung, während die Kinder von den Inhalten fasziniert sind. Märchen sind lebendige Geschichten, die auf wunderbare Art und Weise die Fantasie anregen. Mit einer Aktion zum Thema Märchen, einem Märchentag oder Märchenkino haben die SeniorInnen die Möglichkeit, die Märchenwelt mit allen Sinnen zu erleben.

Mit der Erlebnisaktion besteht die Möglichkeit, alle SeniorInnen, die MitarbeiterInnen der Einrichtungen (Pflege, Küche und Leitung) und, wenn möglich, auch die Angehörigen mit einzubeziehen.

Der Einsatz von Märchen ermöglicht:

Beispiele:

Märchen verbinden Generationen

Kinder lieben es, Märchen zu hören. Großeltern erzählen diese gern. Dieses Potenzial kann genutzt werden, um generationsübergreifend mit Märchen zu arbeiten.
In einer Oma-Opa-Enkel-Freizeit zum Thema „Märchenzeit“, die beispielsweise im Rahmen einer Ferienfreizeit organisiert werden könnte, können beide Altersgruppen miteinander Märchen erleben und kreativ mit ihnen umgehen. So könnten Enkelkinder und Großeltern zum Beispiel gemeinsam ihre Lieblingsmärchen gestalten und in der großen Gruppe vorzeigen, wobei gemalt, gestaltet und auch Theater gespielt wird. Gegenseitig können Märchenrätsel entwickelt werden, die die anderen lösen müssen. In Erzähl- oder Vorlesestunden können sich Kinder und Großeltern Märchen erzählen und vorlesen. Anschließend kann sich über die Themen und Inhalte der Märchen ausgetauscht werden. Wie sehen das die Großeltern? Wie denken die Kinder darüber? Am Abend könnte zum Abschluss des Tages in einem märchenhaft gestalteten Raum gemeinsam ein Märchenfilm angeschaut werden. Dazu gibt es märchenhafte Eintrittskarten und Snacks.

Märchenarbeit mit Demenzkranken

Märchen haben eine große Bedeutung für Menschen. Sie dienen nicht nur zur Unterhaltung, in ihnen wurde auch das Wissen der Menschen von Generation zu Generation weitergegeben. In einfachen Bildern, ohne vielschichtige Differenzierungen, treffen Gut und Böse im Märchen aufeinander, Opfer und Täter handeln, wie es die Rolle vorschreibt, die Protagonisten haben keine Zweifel an ihrem Tun, sie agieren gradlinig, es gibt einen versöhnlichen Ausgang und der schlichte Erzählstrang ermöglicht die Identifikation mit den Rollenfiguren. In der Arbeit mit demenziell erkrankten Menschen können Märchen einen Zugang zu der Welt abseits der kognitiven Defizite finden. Oft ist das Leben eines demenziell erkrankten Menschen durch den Verlust der Alltagsbeziehungen und Alltagssprache gekennzeichnet. Mit zunehmender Orientierungslosigkeit und geistigem Abbau nehmen die Bedürfnisse nach verlässlicher Nähe und vertrauten Bezugspersonen zu. Mit den Märchen sind positive Beziehungseindrücke verbunden, meistens wird mit ihnen die beschützte, geborgene Umgebung bei den Eltern oder den Großeltern gleichgesetzt. Eine Atmosphäre, die durch Wohlfühlen gekennzeichnet ist. In dieser Wohlfühlatmosphäre werden manche Dinge möglich, die vorher nicht möglich erschienen. Rapunzel, Dornröschen, Sterntaler und Co. werden wieder zum Leben erweckt. Mit dem freien Erzählen, Requisiten und Instrumenten erleben die Zuhörer die Welt der Märchen. So gibt es beim Märchen vom schönen Dornröschen eine duftende Rose zum riechen und fühlen. Und dann beginnen sie zu erzählen, die Frauen und Männer, die schon so viel erlebt haben und nun oft nicht mehr die Worte wieder finden können.

Märchen erreichen demenziell erkrankte Menschen anders als unsere Alltagssprache. Sie leben in ihnen weiter.

Häufig erinnern sich alte Menschen an die Märchen ihrer Kindheit. Deshalb sind Volksmärchen, Geschichten und Reime besonders für die Begleitung von Menschen mit Demenz geeignet. Nach dem Märchen können Fragen an die Erinnerungen alter Menschen anknüpfen. Mit einfachen Rätseln, Redensartenrätseln und Wortsammlungen lassen sich im Gespräch Kompetenzen, Selbstbewusstsein und soziale Kontakte fördern. So sind Märchen ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit Demenz.

 

Quelle:
Erzähltheater Osnabrück
www.curado.de/Alzheimer/Es-war-einmal----mit-Maerchen-Erinnerungen-wecken-11833/

 

Zum Ausdrucken:

Download dieser Seite im PDF-Format - Rechte Maustaste: Ziel speichern ... PDF-Dokument