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Bundesverband Jugend und Film e.V. - DVD-Edition - Durchblick Filme - www.durchblick-filme.de

Durchblick 8+ – 7 oder Warum ich auf der Welt bin – Starost, Grotjahn – D 2010

1.1 Vor dem Film – Nach dem Film

Vor dem Film

Wir freuen uns, dass Sie sich entschieden haben, den Film in ihrer Gruppe zu zeigen.

Sie zeigen einen Dokumentarfilm. Was einen Dokumentarfilm von einem Spielfilm unterscheidet, das ist, gerade auch für Kinder, ein eigenes, interessantes Thema. Manchmal trifft man auf das Vorurteil, dass Kinder mit Dokumentarfilmen Schwierigkeiten haben, weil sie zu anstrengend, zu schwierig, zu langweilig sind… Oft ist es aber eher die Einstellung der Erwachsenen, die Kindern bestimmte Dinge nicht zutrauen, weil sie von den üblichen Sehgewohnheiten abweichen. Natürlich hängt es immer von dem konkreten Dokumentarfilm ab, ob Kinder ihn mögen, wie beim Spielfilm auch.

Eine gute Auseinandersetzung am Beispiel unseres Films finden Sie im „Medienpädagogischen Arbeitsblatt“ der Stuttgarter Kinderfilmtage (PDF auf dieser DVD).

Bisher haben wir in über 50 Kino-Vorstellungen, die wir begleitet haben, den Film „getestet“. Allein bei der Schulfilmtournee in Brandenburg gab es zehn Vorstellungen mit mehr als 900 Kindern und fast nur positive bis begeisterte Reaktionen, die dokumentiert sind.

Und noch ein Wort vorweg zum Film. Es geht es um die Frage, wie ernst Kinder in unserer Gesellschaft wirklich genommen werden. Kinder sind unsere Zukunft, wird gerne gesagt. Früher gab es eine sehr erfolgreiche Sendung im Fernsehen: Dingsda. Da haben die Kinder pfiffige, drollige Antworten gegeben, das war o.k. Aber mal ganz ehrlich: sie sollen erst mal erwachsen werden, dann nehmen wir sie wirklich ernst. Allerdings sind sie dann keine Kinder mehr.

Woher kommen diese Vorbehalte, diese Angst vor Kindern? Vielleicht weil Kinder, gerade weil ihnen Erfahrung fehlt, spontaner, freier, unbelasteter fragen und antworten können. Und sie dadurch möglicherweise die besseren Philosophen sind.

Erich Kästner hat in seiner Lebensphilosophie und seinen Büchern eine Antwort versucht:
„Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist ein Mensch.“

Zum Vergrößern bitte anklicken!

Nach dem Film

Was kann man nach diesem Film mit den Kindern, die ihn gerade gesehen haben, machen?

Eine einfache Antwort: Die Anregungen der Filmkinder aufnehmen und dort weitermachen, wo der Film aufhört: die schwierigen Fragen des Lebens weiterspinnen, weiter philosophieren.

Was uns zu dieser Anregung den Mut gibt: Zum einen die Erfahrung, die wir bei den Dreharbeiten mit den Kindern gemacht haben. Wir haben nicht nur mit den 7 Kindern, die jetzt im Film sind, gesprochen. Mit mehr als 200 haben wir mindestens ein Gespräch gedreht. Und das auch für uns Überraschende war, fast jedes Kind hatte Lust zu reden und sich auf die Suche nach Antworten auf die kleinen und großen Fragen des Lebens zu begeben.

Jedes Kind hat seine eigene, individuelle Sicht der Welt und von seiner persönlichen Rolle darin. Der Horizont von Kindern ist vielfältig, weit und noch offen. Uns interessiert der ganze Kosmos eines Kindes, um sein persönliches Thema und seine besondere Antwort zu finden. Uns interessiert der Alltag mit seinen Geschichten genauso wie die Phantasien, Wünsche und Hoffnungen der Kinder. Die Bedeutung von Lügen ebenso wie Ängste, Zweifel und Fragen. Denn in allen Äußerungen sind für uns Mosaiksteinchen versteckt, die als Antwort zu verstehen sind auf die Frage: Warum bin ich auf der Welt?

Zum Vergrößern bitte anklicken! Als wir die siebenjährige Chrysanthi kennengelernt und sie gefragt haben, wie sie unsere Fragen empfindet, war ihre spontane Antwort: „Ich liebe schwierige Fragen, ich mag Fragen, wo man denken kann. Bei einfachen Fragen weiß man es gleich. Ich mag schwierige Fragen.“

Und wenn die Kinder bei der Vorführung des Films unruhig werden, reden und kommentieren, kichern, die Vorstellung laut wird? Nicht die Ruhe verlieren. Jeder hat das Recht, mal abzuschweifen, sich mit seinem Nachbarn auszutauschen.

Einmal ist ein Junge, 11 Jahre alt, nach dem Film aufgesprungen und wollte unbedingt etwas sagen: „Der Film war langweilig!!!“ Und dann erzählte er viele Beispiele aus dem Film, die deutlich machten, wie aufmerksam er den Film wahrgenommen hatte. Am Ende sagte er: „Ich meine ja nicht langweilig, der ist anders…“

Das stimmt, der Film ist ungewöhnlich. Denn er zeigt nur Kinder, kommt ohne Erwachsene aus, hat keinen Kommentar und lässt den Kindern das letzte Wort.

 

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