zum Anfang des Inhalts
Bundesverband Jugend und Film e.V. - DVD-Edition - Durchblick Filme - www.durchblick-filme.de

Durchblick 8+ – 7 oder Warum ich auf der Welt bin – Starost, Grotjahn – D 2010

1.5 Festivals und Preise

Festivals:

 

FBW Prädikat besonders wertvoll

Jurybegründung

„Warum bin ich auf der Welt?“ Eine ungewöhnliche Frage, die sieben Kinder im Alter von sieben bis elf Jahren aus verschiedenen Ländern und mit unterschiedlichem familiären Hintergrund zum Philosophieren über das Leben einlädt. Ohne Bezüge zur Erwachsenenwelt widmet sich dieser außergewöhnliche Dokumentarfilm ausschließlich seinen jungen Protagonisten aus Berlin, Paris, Kreta, Bulgarien und Ecuador, beobachtet sie in ihrem Alltag und bei ihren Freizeitbeschäftigungen: beim Klettern, Musizieren oder Angeln, bei den Hausarbeiten, Streifzügen durch die Stadt oder in den Ferien am Meer. Nicht die Lebenssituation der Kinder oder ihre jeweiligen Probleme stehen im Mittelpunkt, sondern die großen weltumspannenden Fragen der menschlichen Existenz. Fragen, mit denen sich die Menschheit von jeher beschäftigt hat, ohne allgemein gültige Antworten zu finden, erörtern die Kinder humorvoll, nachdenklich, frech und engagiert, und es stellt sich heraus, dass ihre Erklärungen beileibe nicht „dümmer“ oder naiver sind als die von Erwachsenen. Im Gegenteil: die Kinder nehmen die intellektuelle Herausforderung an, durchdringen die Materie und ziehen erstaunliche Schlüsse. „Man hat eigentlich immer was zum Nachdenken. Und darüber kannst Du dann nachdenken“, meint der zehnjährige Jonathan aus Berlin, der begeisterter Angler ist und später einmal Butler werden will. Die neunjährige Chrysanthi aus Kreta sieht das Herz als Batterie, aber „ohne eine Seele gibt es keine Welt und kein Leben“.

Beeindruckend und auch erschreckend ist, wie früh Kinder die Zerstörung der Umwelt wahrnehmen und dafür plädieren, die Natur und alle Lebewesen zu schützen, denn „die Natur ist die einzige Sache auf der Welt, die nicht von Menschen gemacht worden ist“. Auch der Tod hat einen festen Platz in ihrem Leben und Denken. Die Schwestern Vici und Vivi aus Bulgarien geben eine fast tiefenpsychologische Erklärung: Ihre Mutter habe sie geboren, weil ein Bruder zuvor im Alter von drei Jahren gestorben ist. Und der kleine Basile aus Paris, der selbst schon beinahe dem Tod begegnet ist, glaubt an Reinkarnation. Wenn er den Tod wieder treffen würde, würde er ihn fragen, wie es ihm ginge und ihm einen Kaffee anbieten. Während die anderen Kinder deutsch sprechen, werden Basiles Äußerungen im Film untertitelt, wie die der elfjährigen Vanessa aus El Quinche in Ecuador. Für das Indio-Mädchen vom Stamm der Otavaleños gehört die traditionelle Tracht ebenso zum Alltag wie die Sportkleidung und der Computer. Sie möchte einmal Ärztin oder Apothekerin werden und träumt vom Fliegen und davon, die Welt zu sehen. Aber Zukunft und Vergangenheit ihres Volkes sind für sie immer präsent und sie macht sich tief greifende, auch literarisch fundierte Gedanken über den Ursprung des alltäglichen Rassismus. Die Schwestern Vivi und Vici reflektieren ihre Beziehung zueinander - sie sind beste Freundinnen, aber dennoch gibt es ganz spezifische Dinge, die sie an der anderen nicht leiden können - und Geschlechterrollen - Vivi wäre lieber ein Junge, wird aber „schon bald irgendwann noch ein Mädchen“. Aber trotz aller ernster Gedanken kommen Spaß und Lebensfreude nicht zu kurz.

Die Geschichten der Jungen und Mädchen werden thematisch miteinander verwoben und der Film zieht mit ihren Gedanken um den Erdball. Ein verbindendes Element ist das Motiv des Fliegens und einer durch die verschiedenen Szenen schwebenden Feder. So verbindet ein roter Faden diese unterschiedlichen Schauplätze und Charaktere. Dieser Wechsel ist für den Zuschauer interessant und abwechslungsreich. Auch Kamera und Musik passen sich der jeweiligen Szene und Stimmung gut an, wechseln zwischen schnell und bewegt bei den Sportsequenzen und ruhigen, reflexiven Momente. Das Verhalten der Kinder vor der Kamera wirkt spontan und ungekünstelt und zeugt von großem Vertrauen im Verhältnis zwischen den Filmemachern und ihren jungen Protagonisten.

Die Kinder sind gut ausgewählt und überzeugen durch ihre Individualität und Offenheit. Sie sind großartige Selbstdarsteller und beweisen: Neugier ist der Ausgangspunkt aller Philosophie.

„7 oder Warum ich auf der Welt bin“ ist ein ebenso unterhaltsamer wie anregender Film für junge und erwachsene Zuschauer.

Prädikat: besonders wertvoll

 

32. Biberacher Filmfestspiele 2010, Preis für den besten Dokumentarfilm – Doku Biber

Ein Film, dem es gelungen ist, das Denken von Kindern zu visualisieren. Ein Film, in dem sieben Kinder im Spiel und mit tiefer Ernsthaftigkeit verblüffende Antworten auf die existenziellen Fragen des Lebens geben. Ein Film, der durch die Behutsamkeit und den Respekt der Filmemacher eine große Nähe zu diesen Kindern aus verschiedenen Ländern ermöglicht. Sie zeigen uns den Reichtum und die Zerbrechlichkeit ihrer Welt, die auch die unsere ist. Die Sensibilität im Umgang mit den Kindern entspricht der stilistischen Finesse von Kamera, Ton und Schnitt.

 

Zum Ausdrucken:

Download dieser Seite im PDF-Format - Rechte Maustaste: Ziel speichern ... PDF-Dokument