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Bundesverband Jugend und Film e.V. - DVD-Edition - Durchblick Filme - www.durchblick-filme.de

Durchblick 8+ – 7 oder Warum ich auf der Welt bin – Starost, Grotjahn – D 2010

1.7 Einsatzmöglichkeiten und Unterrichtsbezüge

Jahrgangsstufen: Primarstufe, Sek 1 (5./6. Klasse)

Weitere Zielgruppen: Kindertagesstätten (Hort), Lehrer- bzw. Erzieherausbildung/Fortbildung, Kinder- und Jugendkulturarbeit; Umweltpädagogik

Fächerzuordnung: Deutsch, Religion/Philosophie, Sozialkunde bzw. entsprechende Fächerverbünde wie „Mensch, Natur, Kultur“, Kunst

Themen: Kinder/Kindheit, Identität, Philosophie, existentielle Lebensthemen (Tod, Sterben, Sinn des Lebens), Coming of Age, Dokumentarfilm, Bild- und Filmanalyse

Beispiele für konkrete Lehrplanbezüge

Bildungsstandards Baden Württemberg; fächerspezifische Kompetenzen (2004)/ Grundschule:

Deutsch: Sprechen, Sprachbewusstsein entwickeln; Umgang mit Medien; (ebenso auch bei den Bildungsstandards für die 6. Klassen HS und Gy)

Kath./evang. Religion: Mensch sein und Mensch werden; Welt und Verantwortung

Fächerverbund: Mensch/Natur/Kultur: Menschliches Leben, Kulturphänomene und Umwelt, Außerschulische Partner (Kinoveranstaltung), Umweltverbände

Lehrpläne Thüringen; fächerspezifische Kompetenzen (2010/11), Grundschule:

Deutsch: Hör-/Hör-Sehverstehen; Sprechen; Sprachverwendung und Sprachenlernen reflektieren. (ebenso bei 5./6. Klasse Regelschule, Gymnasium)

Heimat- und Sachkunde: Lebewesen und Lebensräume; Raum und Zeit, Individuum und Gesellschaft

Kath./evang. Religion: Miteinander leben. In Gottes Welt zu Hause sein/Die Frage der Kinder nach dem Ich und dem Wir

Bayerischer Erziehungs- und Bildungsplan für Tageseinrichtungen für Kinder 2005

Lernen im Kindesalter (2.6)

Soziale Kompetenzen, z.B. Sensibilität für und Achtung vor der Andersartigkeit von anderen (5.5)

Entwicklung von Werten und Orientierungskompetenz (5.6)

Werteorientierung und Religiosität (7.1)

Emotionalität, soziale Beziehungen und Konflikte (7.2)

Sprache und Literacy (7.3)

Erziehungs- und Bildungsplan für Tageseinrichtungen für Kinder, Baden-Württemberg (Pilotphase 2006)

Bildungs- und Entwicklungsfelder des Kindergartens, insb. 2.2. - 2.4.: Die Welt entdecken und verstehen; sich ausdrücken, mit anderen leben.

Methodische Tipps

Die für den Einsatz des Films aufbereiteten Themen und Materialien drehen sich alle um das grundlegende Anliegen des Films „Geschichten erzählen und verstehen“. Der Film ermöglicht es den sieben Kindern, sich mit ihren eigenen Worten und Bildern anderen Kindern und Erwachsenen mitzuteilen. Obwohl sie alle aus sehr unterschiedlichen Lebensbereichen kommen, werden die Kinder den kleinen (und großen) Zuschauern schnell vertraut. Der Film regt dazu an, über die Grundfragen des Lebens weiter nachzudenken und mit anderen darüber zu sprechen: Wer bin ich – was kann ich? Wie verändern wir uns? Warum sind wir auf dieser Welt? Wie lebe ich mit den anderen zusammen?

Die folgenden methodischen Vorschläge sind als beispielhaft zu verstehen und beleuchten die Aspekte: Erzählweise des Films / die Erzähler: 7 Kinder und 8 Sprachen / Kinder erzählen über ihren Alltag und die wichtigen Fragen des Lebens / Geschichten-Bilder: eigene Geschichten erzählen und sich mitteilen.

Erzählweise des Films – ein Dokumentarfilm erzählt wahre Geschichten

Dokumentarfilme für Kinder, die zudem die Sicht der Kinder einnehmen, um deren Erlebnis-Welten zu verstehen und zu vermitteln, sind leider selten. Allein in diesem Film sind keine Erwachsene zu sehen oder werden befragt. Auch die beiden Regisseure, Antje Starost und Hans Helmut Grotjahn, kommen mit ihren Fragen nur indirekt vor.

Antje Starost und Hans Helmut Grotjahn haben für Sie Informationen zusammengestellt, um auf die besondere Machart eines Dokumentarfilms für Kinder einzustimmen. Sie finden Sie unter Kapitel 1.1 „Wichtige Fragestellungen“. Die Arbeitsblätter 1 und 3 geben mögliche Fragen vor, die zu Machart und Themen hinführen. In den Hintergrundinformationen 1.2 bis 1.6 finden Sie erläuternde Hintergründe über die Entwicklung des Films von der Idee bis zum fertigen Ergebnis.

Die Erzähler – 7 Kinder und 8 Sprachen

Der Film schafft Begegnung mit sieben Kindern, die an verschiedenen Orten und in sehr unterschiedlichen Ländern wohnen. Sie sprechen in ihrer jeweiligen Sprache zu uns. Nicht nur in Deutsch, auch in Französisch oder Spanisch. Der Film lässt den Kindern ihre Sprache. Mittels Untertitel und „Voice Over“ werden die Erzählungen der Kinder ins Deutsche übersetzt. Aber auch die Kinder übersetzen im Film aus dem Bulgarischen oder dem Griechischen. Sie sind mehrsprachig aufgewachsen, da ihre Eltern in Deutschland beheimatet waren oder sind. Hier kommt zum Ausdruck, dass die Kinder die Sprache ihrer Umgebung übernehmen und mit der Zweisprachigkeit ihre eigene Sprache entdecken. Gleichzeitig wirkt der Film als wichtiger Übersetzer über die Sprache hinaus: trotz der unterschiedlichen Lebensbedingungen wirken die Geschichten der Kinder nicht „fremd“. Ihre Gedanken und Gefühle werden den Zuschauern nahe gebracht. Die Kinder werden ihnen vertraut. Die Arbeitsblätter 2, 4 und 5 geben Anregung, sich mit den 7 Erzähler/innen des Films, ihrer Sprache und ihren Umgebungen näher zu beschäftigen. Näher Informationen finden Sie in den Kapiteln „2. Die sieben Kinder“, „3.1. Sprache“ und „3.2. Stadt und Land“.

Kinder erzählen über ihren Alltag und die wichtigen Fragen des Lebens

Das Besondere des Films besteht darin, dass uns die Kinder nicht nur ihre unmittelbare Lebensumgebung nahebringen. Sie geben uns wertvolle Einblicke in ihre Gedankenwelt. Der Film gibt uns die Möglichkeit, von der Vorstellungskraft der Kinder zu lernen, gerade auch bei Themen und Problemen, die der Erwachsenenwelt zugeschrieben werden: Die Frage nach dem „Sinn des Lebens“ ebenso, wie die nach den Problemen, die sich aus dem Verhältnis des Menschen zur Natur ergeben. Die Erzählungen von Vanessa über ihre Erfahrungen von Ausgrenzung und Missachtung in der Schule oder auf dem Markt zeigen zudem, wie oft Kinder missbraucht werden, um rassistische Vorurteile der Erwachsenen zu festigen und weiter zu tradieren.

Die Arbeitsblätter 6, 7, 8, 9 und 10 geben Möglichkeiten vor, sich ausgehend von der eigenen Situation der Kinder (Publikum) mit den Erzählungen der 7 Kinder über ihren Alltag und die Grundfragen des Lebens zu beschäftigen. In den Hintergrundinformationen 3.3 bis 3.10 sind die wichtigsten Themen skizziert und Zitate der Kinder dazu aufbereitet.

Alle Arbeitsblätter und Hinweise sind als Anregungen zu verstehen, die Sie auf Ihre Lernsituationen und an Ihre methodischen Herangehensweise anpassen können. In allen Vorschlägen finden sich Hinweise, wie die Besonderheit des Films – Erzählung als Verbindung von Sprach- und Bilderwelt und deren gegenseitige Wirkungsweisen – in methodische Herangehensweisen übersetzt werden kann.

Ein Beispiel dazu: ein Bild aus dem Film dient als Einstieg, über die Geschichten im Film oder die Situation der Kinder zu sprechen. Ein Bild aus dem Film kann auch Anregung sein, die Bilder, die beim Zuschauen und Zuhören im eigenen Kopf der Kinder entstanden sind, festzuhalten (malen etc.). Die von den Kindern gemalten Bilder können dann Vorlage für eigene Geschichten sein. Die Arbeitsvorschläge sind anwendbar in Gruppen- oder Einzelarbeit. Wichtig ist, dass die Kinder die Möglichkeit erhalten, eigene Ergebnisse vorzustellen.

Geschichten-Bilder: Eigene Geschichten erzählen und sich mitteilen

Die Kinder zeigen uns, wie man eine eigene Sprache für das finden kann, was einem so selbstverständlich erscheint, aber nicht so einfach ausdrücken lässt. Sie fassen in Worte, was sie täglich erlebten und welche Gedanken sie sich dabei machen. Wenn man die Geschichten der Kinder hört, entstehen neue Bilder, die die Bilder des Filmes ergänzen. Diese Bilder entstehen in der Vorstellungswelt der Zuschauer: Man stellt sich vor, wie Basile seinen toten Hund unter dem Tisch gesehen hat, obwohl er schon gestorben war. Wir sehen, wie Vivi und Vici mit ihren Eltern aus dem Auto Blumen und Bonbons werfen, um Bobby, ihrem verstorbenen Bruder, eine Freude zu machen.

Die Geschichten, die die sieben Kinder erzählen, regen dazu an, auch selbst zu erzählen. Dazu ist es hilfreich, dass es jemanden gibt, der Fragen stellt und neugierig ist – wie es die beiden Filmemacher gemacht haben. Die Hintergrundinformationen in Kapitel 4 „Der Film im praktischen Einsatz“, Kapitel 5 „Fotogeschichte“ und das Arbeitsblatt 11 geben methodische Anregungen dafür, die Geschichten des Films in „Geschichten-Bilder“ oder eigene Geschichten ausgehend von den Eindrücken des Films zu erzählen.

 

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