
Diese Geschichte hat Katharina mit der Geschichtenerzählerin Helga erfunden.
Es war einmal eine Schneehöhle. Ganz rund und aus lauter weißem glitzernden Schnee gebaut. In der Schneehöhle wohnte eine Eskimofamilie, eine große Familie, Vater, Mutter, mehrere Kinder, Tanten, Großmutter und Onkel.
Die Höhle war gemütlich mit Fellen eingerichtet und es duftete nach Kamillentee.
Es war nämlich so, dass es in der Höhle, obwohl immer ein Lagerfeuer brannte, doch vom Boden her kalt war und die Eskimos oft Bauchweh hatten.
Außer den Eskimos lebte in der Höhle aber auch ein kleines Haustier, Rowi, eine rot-weiß - gestreifte Maus. Rowi liebte diesen Duft nach Kamillentee über alles, sie liebte auch das leise Klappern der Teetassen und wenn sie genügend Reis zu essen und Kamillentee zu trinken bekam war sie eigentlich glücklich. Nur, so... so auf die Dauer, als Maus allein unter lauter Eskimos. Eines Tages sagte sie zum Eskimovater: »Du, eigentlich könntest du doch noch eine Maus kaufen!«
»Nein, nur das nicht!« sagte der Eskimovater, zwei Mäuse in meiner Höhle, nein, das will ich nicht, das ist mir zu viel!«
»Aber ich« sagte Rowi, »ich brauche einen Freund«.
Und so packte sie Kamillentee und Reis in ihre Reisetasche ein — man konnte ja nie wissen,
was so alles kommt — und verließ die Eishöhle.
Während Rowi noch vor der Eishöhle herumschaute und darüber nachdachte, wohin sie eigentlich gehen wollte, kam doch tatsächlich der Wunder-Reisebus daher. Silbrig blau, mit rosa Punkten. Schnell schlüpfte Rowi hinein, trippelte bis ganz vorne zu dem Busfahrer, stellte sich auf ihre Hinterpfötchen und piepste: »Bitte fahr auf dem schnellsten Weg nach New York. Ich muß dringend an die Sonne und außerdem suche ich einen Freund.«
Der Busfahrer lachte, drehte den Zündschlüssel, um den Motor anzulassen, wollte gerade den Fuß von der Bremse nehmen und losfahren, da stand plötzlich mitten auf dem Weg eine Katze, eine richtige Katze mit buschigem Schwanz, grünen Augen und spitzen Ohren.
Der Busfahrer, der sehr tierlieb war sagte: »Wir haben noch eine Verzögerung. So lange die Katze auf der Straße steht, kann ich nicht los fahren.«
Rowi aber war schon sehr ungeduldig, sie wollte nach New York und wollte endlich einen Mäusefreund haben. Sie zog ihre kleine Mäusestirn in Falten, dachte nach und hatte eine gute Idee. Mit ihrer kleinen Pfote langte sie in ihre Tasche, nahm eine Faust voll Reiskörner heraus und schleuderte sie mit aller Kraft auf die Katze. Die Reiskörner prasselten auf den Asphalt, ein paar trafen die Katze am Ohr, am Auge und auf der Nase.
»Miau, miau!« Mit einem Satz sprang die Katze vom Weg auf einen hohen Schneehaufen und schaute mit großen erschrockenen Augen auf den Bus.
Nun konnte die Reise losgehen. Der Bus fuhr und fuhr und fuhr, und als Rowi schon nicht mehr glaubte jemals ans Ziel zu kommen, da waren sie, so um die Mittagszeit in New York.
»Danke, danke!« sagte Rowi zum Busfahrer und hüpfte aus dem Bus. Draußen mußte sie die Augen zusammen zwicken, so hell schien die Sonne und Rowi fühlte die Strahlen ganz warm auf ihrem rot-weiß gestreiften Fell. Vorsichtig huschte Rowi am Straßenrand entlang, Menschenbeine, Menschenbeine, lange, kurze, große Schuhe, kleine Schuhe, stinkende und quietschende Autos und sogar Hunde, Rowi hatte Angst. Doch da, ein Metallgitter, ein Gulli und da schaute ein kleiner schwarzer Mausekopf heraus. Nur die Ohren und das Schnäuzchen warenrot.
»Oh, bist du schön! Rotweiß gestreift!« sagte die schwarze Maus. »Du gefällst mir!« Sie kroch vollends aus dem Gulli, »darf ich dein Freund sein?« sagte sie, und reichte Rowi das Pfötchen.
Rowi nickte nur ganz schüchtern, aber ihr neuer Freund packte sie, »Komm mit, ich weiß einen sehr schönen Spielplatz!« sagte er und bog mit Rowi um die nächste Häuserecke. Zu zweit huschten sie an einem langen hohen Haus entlang, erreichten einen Park und mitten drin einen großen sandigen Spielplatz.
Rowi fing gleich an, zu buddeln und zu graben, ihre Pfötchen waren von der langen Busfahrt ganz steif geworden. Aber dann fragte sie: »Wo sollen wir denn wohnen?«
»Komm nur mit! Ich zeigs dir!« sagte die schwarze Maus und brachte Rowi zu einem kleinen Gartenhaus. Rowi schaute herum, in der einen Ecke standen zwei kleine rote Betten, in der anderen zwei weiche Sessel, es war gemütlich.
Schnell packte Rowi ihren Reis und den Kamillentee aus und bald war das Häuschen erfüllt von feinem Kamillenduft.
Rowi und ihr Freund waren glücklich und wenn es ihnen zu still war, dann sangen sie zweistimmig: »Apfelmus, Apfelmuuuus, Apfelmus!«
Wundere dich also nicht, dass du sie, wenn du mal nach New York kommst, so singen hörst.
von Johannes
Anfang Dezember 99 wurde ich krank. Ich bekam eine Erkältung mit Fieber und Nasenbluten. Auch durch Veröden der Nase konnte es nicht gestillt werden. Bei einer Blutuntersuchung stellte man fest, dass meine Werte ganz schlecht waren.
Ich wurde ins Krankenhaus nach Bad Hersfeld und dann nach Gießen auf die Station Peiper, eine hämatologisch-onkologische Station, verlegt. Mir wurde Blut und Knochenmark entnommen und in 6 verschiedene Kliniken in Deutschland geschickt.
Weihnachten verbrachte ich in Gießen. Meinen Eltern und meiner Schwester wurde auch Blut entnommen um festzustellen ob jemand aus meiner Familie als Knochenmarkspender zur Verfügung steht. Über Silvester durfte ich zwei Nächte nach Hause, musste dann aber wieder in die Klinik, weil sich meine Blutwerte immer wieder verschlechterten und ich in regelmäßigen Abständen Thrombozythen und Erytrozythenkonzentrat benötigte.
Anfang Januar kam dann endlich das Ergebnis der Blutuntersuchung. Ich hatte eine aplastische Anämie. Diese Krankheit kann man nur durch eine Knochenmarktransplantation heilen. Meine Schwester hatte dasgleiche Knochenmark wie ich und kam als Spenderin in Frage.
Die Kinderpoliklinik der Ludwig Maximilian Universität in München erklärte sich bereit, mich zu übernehmen, und so hatten wir Ende Januar einen Termin zum Vorstellen. Diese Station war sehr klein und ich konnte mir die Zimmer und »Zelte«, so heißt der Raum in dem eine Transplantation durchgeführt wird, ansehen. Bis zur Aufnahme am 15. Februar 2000 war ich in der Klinik in Gießen. Hier wurde mir ein Hickmankatheter gelegt. Diesen Katheter benötigt man um einen direkten Zugang zum Herzen zu haben. Hierüber wurde mir jetzt immer Blut entnommen und Medikamente zugeführt.
Am ersten Tag in München wurden einige Untersuchungen und Tests durchgeführt. Danach konnte ich mit meiner Mutter in die Elternwohnung gehen und dort übernachten.
Am 16. Februar bekam ich morgens ein Medikament gespritzt und am Nachmittag wurde ich eingeschleust. Hierfür musste ich ein Desinfektionsbad machen und bin dann mit einem Schutzkittel und extra Schuhen ins Zelt gegangen. Hier lagen schon alle meine Sachen, wie Kleidung, mitgebrachte Spiele, Kassetten und Schreibzeug frisch desinfiziert bereit. Sofort wurde ich an eine Infusion angeschlossen. Jetzt verbrachte ich die erste Nacht im Zelt. Ich musste mich erst an das Rauschen des Gebläses gewönnen. Jeder der jetzt zu mir ins Zelt kam musste Schutzkittel, Mundschutz und extra desinfizierte Schuhe tragen.
Am 17., 18., 19. und 20. Februar bekam ich vormittags ein Pferdeserum ATG und am Nachmittag Endoxan, um mein restliches Knochenmark zu zerstören.
Anfangs hatte ich Schüttelfrost, hohes Fieber und Kopfschmerzen. Ab dem zweiten Tag hatte ich leichtes Fieber, Durchfall und Übelkeit.
Am 21. Februar 2000 war eine Pause. Ich hatte noch leichten Ausschlag und mein ganzer Kopf war leicht gerötet. Das Essen schmeckte fürchterlich und so wurde ich über meinen Katheter ernährt.
Am 22. 2. 2000 war meine Knochenmarktransplantation. Ich hatte noch Bauchschmerzen aber kein Fieber mehr. Ab 14:45 Uhr bekam ich das Knochenmark meiner Schwester über den Katheter. Es waren 652 ml und lief bis um 4:15 am nächsten morgen ein. Der 22. Februar 2000 war mein Tag NULL. Von diesem Tag an wurde jeder Tag gezählt. In regelmäßigen Abständen benötigte ich Thrombozytenkonzentrat und Erythrozytenkonzentrat. Ab dem 11. Tag konnte man an den Leukozyten eine Veränderung erkennen, Bis dahin hatte ich Übelkeit und leichte Knochenschmerzen. Meine Bauchschmerzen waren mit warmen Umschlägen zu ertragen. Jetzt ging es mir aber besser und mit jedem Tag stiegen die Leukos ein bisschen an. Das war ein Zeichen, dass das neue Knochenmark anwächst. Die Ärzte und Schwestern freutensich mit mir!
Am 22. März habe ich das letzte Mal Erythrozyten bekommen und von da an hat mein neues Knochenmark ausreichend gearbeitet. Jetzt durfte ich den geschlossenen Raum (Zelt) verlassen. Anfangs bin ich abends, wenn alle Kinder in ihren Zimmern waren, auf den Flur und in den Aufenthaltsraum sowie in die Küche gegangen. Dann durfte ich mit meiner Mutter Spaziergänge in München unternehmen. Ich musste Menschenmengen umgehen, um mich nicht anzustecken und mir eine Krankheit einzufangen, denn mein Immunsystem war noch sehr geschwächt.
Am 29. März bin ich mit in die Elternwohnung gezogen und an jedem 2. Tag in die Klinik spaziert, um dort mein Blut untersuchen zu lassen, der Katheter wurde gespült und ich hatte Unterricht. Während der ganzen Zeit in der Klinik hatte ich Unterricht in Deutsch, Mathematik und Englisch.
Am 43. Tag nach der Transplantation waren die Blutwerte und der Medikamentenspiegel gut, so dass ich nach Hause entlassen werden konnte. Wöchentlich musste ich jetzt einmal in die Klinik nach Gießen um mein Blut untersuchen zu lassen, außerdem musste mein Katheter gespült und frisch verbunden werden. Da ich noch nicht in die Schule gehen durfte, bekam ich Hausunterricht.
Am Tag 100 musste ich wieder zu einer größeren Kontrolluntersuchung nach München.
mannschaftsprojekt von Sebastian eisi und ritter sigi Schriftführer winkler, Station 24d
wecken waschen
blutabnehmen
tabletten schlucken
glatze kämmen
wiegen messen
viel zu dünn
noch mehr essen
geht nix rinn
ärzte kommen
ernstes g'sicht
reden g'scheit
versteht man nicht
im nebenbett
der nachbar bricht
neue chemo infusion
ständig klingelt's telefon
nabic, bilanz, colistin
radio hören
femseh schaun
teletubbies
nachts albtraum
mittagessen
kinder spucken
frau stritzl läuft
kann gar nicht kucken
oma, opa,
onkel, tante
mama, papa
viel verwandte
kommen streicheln
lieben dich
dich nervt's langsam
gehen nicht
abends dunkel
ganz allein
mag nicht dableiben
ich will heim
http://www.krebs-bei-kindern.de/aktuell/index.php
„Nelly, wir müssen dir etwas sagen.“
Als meine Eltern ins Zimmer kamen, war ich mit meinen Hausaufgaben beschäftigt, aber nichts gelang mir. Wenn ich etwas schreiben wollte, waren meine Gedanken plötzlich wie weggeflogen – ich hatte alles vergessen und saß mit dem Stift in der Hand versteinert da. Dann schaute ich auf die Buchstaben vor mir und sie ergaben keinen Sinn, obwohl ich sie doch eigentlich lesen konnte. Es wargut, dass Papa und Mama hereingekommen waren.
Nun erfuhr ich, warum es so merkwürdig und so anders als sonst bei uns war. Mama war krank. Die Krankheit hieß Krebs.
„Aber Mama, du siehst doch ganz gesund aus! Tut dir denn etwas weh?“
Ich konnte mir nicht vorstellen, dass Mama krank sein sollte. Dann hatte man doch Husten oder Halsschmerzen oder Ohrenschmerzen, man hatte Fieber und musste im Bett liegen!
„Mir tut nichts weh, Nelly, und ich fühle mich ganz wohl. Aber ich habe einen Knoten in der Brust, der heißt Krebs, Nelly, und der muss unbedingt wieder weg. Denn Krebs ist eine schwere Krankheit, viel schlimmer als Schnupfen oder Bauchweh, auch wenn man erst mal gar nichts davon merkt.“ (...)
Zum Glück würde Mama von der ganzen Operation nichts mitbekommen. Sie würde die ganze Zeit tief und fest schlafen und gar nichts spüren. Am Tag darauf würde ich Mama schon im Krankenhaus besuchen können, und nach ein paar Tagen wäre Mama wieder zu hause.
„Aber danach, Nelly, muss ich ein halbes Jahr lang ganz starke Medikamente einnehmen, damit der Krebs nicht wiederkommt. Das nennt man Chemotherapie, und davon werde ich manchmal sehr müde sein. Und stell dir vor: Meine Haare werden davon alle ausfallen.“
Jetzt verstand ich, warum Mama geweint hatte: ihr Busen! Und ihre schönen Haare! Vielleicht wäre beides bald nicht mehr da! (...)
Ein paar Tage später war Mama wieder zu Hause. Sie sah nicht mehr so schrecklich blass aus und musste nicht mehr im Bett liegen. Ihren Busen hatte sie behalten. Sie zeigte mir die Narbe, die nun darüber lief. (...)
„Ach, Mama“, sagte ich, „eine Narbe ist doch nichts Schlimmes Die zeigt doch nur, dass man etwas erlebt hat!“ Mama schaute mich erstaunt an und lachte. „da hast du aber wirklich Recht, Nelly. Das ist ein kluger Gedanke, finde ich.“
Jetzt traute ich mich endlich, Mama zu frage, was mir immerzu im Kopf herumging: „Mama, wenn man Krebs hat, muss man dann sterben?“
Mama hörte auf, ihre Sachen aus der Krankenhaustasche in die Schränke zu räumen, und setzte sich neben mich auf das Bett.
Ich dachte: „Bitte sag, dass es nicht wahr ist!“, und mein Herz klopfte. Mama nahm meine Hände. „Man kann Krebs auch heilen, Nelly.... Es könnte aber auch sein, dass das alles nichts nützt. Dann macht der Krebs viele neue Knoten, nicht nur in der Brust, sondern auch anderswo im Körper. Die kann man dann nicht mehr herausoperieren. Damit kann man eine Zeit lang leben. Manche Menschen leben viele Jahre damit. Aber irgendwann stirbt man.“ (...)
Heute bekomme ich die erste Chemo“, sagte Mama am Frühstückstisch. „Vielleicht bin ich noch nicht zu Hause, wenn du aus der Schule kommst.“ (...)
Nach der Schule war Mama nicht da und ich ging zu Kay. (...) Da hatte Kay einen Vorschlag: „Weißt du, was deine Mutter am nötigsten braucht? Einen Schutzengel! Wir könnten ihr doch einen Schutzengel machen!“. Kay und ich gingen mit Beba in unsere Wohnung, dann da habe ich Tapetenrollen zum Malen. (...) Wir holten unsere Stifte und fingen an. Bald hatten wir einen schönen Engel gemalt. (...)
Wir bestrichen die Flügel mit Kleber und drückten vorsichtig die Federn darauf. (...)
Da kam Mama herein. „Was ist denn hier los?“, sagte sie. „Was habt ihr hier angerichtet?“
Es sah wirklich nicht aufgeräumt aus. (...)
„Wie konntet ihr das tun? Nelly, du weißt doch, dass ich heute Chemo bekommen habe, wie kannst du nur so rücksichtslos sein?“ (...)
Ich saß wie betäubt auf dem Boden und starrte den Schutzengel an. Mama war so gemein zu mir gewesen, so ungerecht! Wenn Mama böse zu mir war, dann wollte ich gar nicht, dass sie wieder gesund würde. Dann wäre ich lieber bei Kays Mama.“
Aus: Hermelink, Kerstin, Mein wunderschöner Schutzengel. Als Nellys Mama Krebs bekam. Eine Erzählung für Mütter und Kinder, hrsg. v. Deutsche Krebshilfe e.V., Würzburg 2005
Download: