
Durchblick 8+ – Stella und der Stern des Orients – E. Schmidt – D 2008 – 83 min
Einsatzmöglichkeiten: siehe „Kurzbeschreibung, Einsatzmöglichkeiten“
Die Methoden sollen dazu anregen, die Eindrücke, die der Film erweckt hat, die Gefühle, Assoziationen und Gedanken, zu artikulieren und miteinander in Verbindung zu bringen. Die Kinder erhalten mittels der dialogischen Zugänge die Möglichkeit, das filmische Geschehen aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und zu verstehen. Die hier vorgeschlagenen Schritte verbinden die Filmgeschichte mit der Lebenswirklichkeit der Kinder – dies geschieht vor allem über die Auseinandersetzung mit den Filmfiguren. Das Gestalten eines Filmplakates setzt den Schwerpunkt auf die ästhetische, kreative Ausdrucksfähigkeit der Kinder.
Einstimmung: Die Kinder überlegen (in Gruppen), wie wohl das Leben in ihrer Familie vor 100 Jahren ausgesehen hat: Wie sah der Alltag ihrer Ururgroßeltern als Söhne und Töchter aus? Was haben sie gespielt? Wie war es damals in der Schule? Welches Abenteuer hätten ihre Ururgroßeltern wohl gerne erlebt? Als Input und zur Strukturierung der Gruppendiskussionen dienen konkrete Fragen, die vorgegeben oder gemeinsam erarbeitet werden. Ein eher atmosphärischer Einstieg gelingt durch den Einsatz von Szenenbildern, die den Alltag um 1900 veranschaulichen (Kleidung, Wohnungseinrichtung, Laterna Magica etc.).
Filmgespräch: Zum Einstieg empfiehlt sich die Auseinandersetzung mit ausgewählten Schlüsselszenen des Films, mit denen die einzelnen Figuren des Films vorgestellt werden können. Die Schüler/innen sollten sich zuerst überlegen, welche Figur sie interessant fanden. Dann wählen sie eine Szene aus dem Film aus und beschreiben den Charakter und das Verhalten der Figur. Wichtig ist, dass die Kinder/Jugendlichen argumentieren und ihre Wahl begründen: „Wie verhält sich die Figur in der Szene? Wie verhält sie sich gegenüber anderen? Warum finde ich die Figur interessant?“
Elemente der Filmgestaltung: Die Kinder arbeiten in Gruppen, die jeweils eine der filmischen Gestaltungselemente untersuchen. Dazu erhalten die Gruppen eine Einführung in die grundlegenden Gestaltungselemente (s. „Tipps für die Filmanalyse“). In den einzelnen Gruppen wird die getroffene Auswahl an Schlüsselszenen nacheinander vorgestellt und die Szenen werden in die zeitliche Abfolge des Films gebracht. Dann werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede des zu untersuchenden Gestaltungselementes (Kamera, Musik, Schnitt) besprochen.
Filmplakate: Das gemeinsame Gestalten eines Filmplakates (Gruppenarbeit) kann für sich allein oder als abschließende Einheit umgesetzt werden. Hier steht die „Botschaft“ des Films, die emotionale wie auch inhaltliche „Message“ im Mittelpunkt. Das Finden eines passenden Motivs kann mittels unterschiedlicher Methoden unterstützt werden („Blitzlicht“, Assoziationsketten, Cluster). Wichtig ist, die unterschiedlichen Gestaltungsebenen zu berücksichtigen (Farbgestaltung, symbolische Verdichtung, Titel). Auch hier sollte den Kindern eine Auswahl von Standbildern zur Verfügung stehen. Mithilfe der DVD-Software (Befehl „Frame speichern“) können die Kinder auch selbst Szenenbilder festhalten und für die Gestaltung verwenden.
Die Auseinandersetzung mit Filmfiguren ist ein wichtiges Element der Filmanalyse, das inhaltliche mit ästhetischen Analyseaspekten verbindet und auf die Identifikationskraft der Protagonisten setzt. Dieser Zugang fördert die narrativen Fähigkeiten der Kinder und vermittelt Kenntnisse, die auch auf literarische Analyseverfahren übertragen werden können (Analyse von Dramaturgie, Handlung und Personen in literarischen Texten). Die Kinder werden dazu angeregt, die Filmfiguren unter verschiedenen Aspekten zu „entschlüsseln“: als audiovisuelle Schöpfungen, als fiktive Wesen mit körperlichen, mentalen und sozialen Eigenschaften, als Vermittler übergreifender Botschaften (Symbole), und als „Handelnde“, deren Taten von Rahmenbedingungen vorgezeichnet sind, die aber auch „Dinge“ in Bewegung bringen.
Geschichten erzählen aus Sicht der Akteure: Auch hierzu kann in Gruppen gearbeitet werden. Es geht um die Dynamik der Geschichte und die handelnden Akteure. Im Film sind die Filmfiguren – und hier vor allem die Kinder – ständig in Bewegung. Dadurch, dass sie viele Schwierigkeiten überwinden und auch Grenzen überschreiten, bringen sie viele Dinge in Bewegung. Schließlich handelt die Geschichte auch von wichtigen Veränderungen: Technische Erfindungen bringen bahnbrechende Neuerungen und die Frauen in der Familie von Stella gewinnen von Generation zu Generation mehr Gleichberechtigung und Selbstbestimmung. Jede Filmfigur übernimmt dabei eine besondere Rolle, die von den Kindern herausgearbeitet werden soll. Jede Gruppe erhält die Powerpoint-Datei „Filmfiguren in Bewegung“: die Kinder beschreiben die „Bewegungen“ von Stella, Clementine und Gustav aus Sicht der Protagonisten. Dazu verfassen sie einen Text, der in „Ich-Form“ – in Form eines beschreibenden, inneren Monologs – die wichtigen Szenen erklärt. Die Texte werden zuerst aufgeschrieben und zu den ausgewählten Bildern angeordnet. Wenn die Bilder mit den Erklärungen aus Sicht der Filmfiguren aneinandergereiht werden, ist eine Bildergeschichte zum Film entstanden. Diese kann auch in Form eines Dia-Features umgesetzt werden. Die Geschichten werden mit Tontechnik aufgenommen und zu der Präsentation der Bilder (evtl. über Beamer und PC) abgespielt.
Filmmontage: Die Auseinandersetzung mit der Filmmontage vermittelt den Kindern eine grundlegende filmische Erzähltechnik. Dank der Montage entsteht auf Grundlage der gedrehten Bilder „etwas Neues“ – die Geschichte des Films. Das vorgeschlagene Arbeitsblatt stellt dabei die Bewegung der Figuren in den Mittelpunkt. Die Kinder sollen nachvollziehen können, in welcher Weise die jeweilige Montagetechnik die Bewegungen der Protagonisten dem Zuschauer vermittelt werden (Vorlage s. Arbeitsblatt „Schnitt/Montage“). Die Kinder können dabei als Ausgangspunkt eines der bereits vorgeschlagenen Szenenbilder wählen und dann mittels der Funktion „Frame speichern“ die einzelnen Schnitte dokumentieren. Das Arbeitsblatt gibt zudem eine Hilfestellung für die Verfassung von Schnitt- bzw. Montageprotokollen.
Die Veranschaulichung des Alltags vor 100 Jahren soll den Kindern ein ihrem Alter gemäßes historisches Verständnis eröffnen: Dass unser heutiges Leben mit Ereignissen, die lange Zeit zurück liegen, in Verbindung stehen, und, dass unser Denken und Handeln von denen vorheriger Generationen beeinflusst ist. Die folgenden methodischen Zugänge konkretisieren dies anhand der Generationenabfolge in der eigenen Familie, wie auch über die Veränderungen des Alltags der Menschen (Wohnung, Kleidung etc.) und der sich verändernden sozialen Rolle von Jungen und Mädchen.
Bildbeschreibung: Die Kinder suchen sich Szenenbilder heraus, in denen das Alltagsleben vor 100 Jahren sehr anschaulich dargestellt wird, und beschreiben die Unterschiede zu heute, was die Gegenstände betrifft (Möbel, Kleidung), aber auch, was die Unterschiede im Familienleben betrifft (Sprache, Verhalten der Kinder und der Eltern). Die Kinder nehmen dabei die Sichtweise von Stella, die die Rollenverteilung innerhalb der Familie von Clementine mit den Augen der heutigen Zeit beobachtet. Die Bildbeschreibungen, ausgehend von den Unterschieden „Damals – Heute“, können schriftlich oder auch als „Unterschieds-Bilder“ dokumentiert werden. Hierzu können den Szenenbildern entsprechende Darstellungen über Wohnungseinrichtung, Kleidung, Mädchen- oder Jungenbilder aus Zeitschriften, dem Internet oder Fotos gegenübergestellt werden. Als Anregung dient hier das Arbeitsblatt „Familie damals und heute“.
Trickboxx – Was macht der Szenenbildner? Eine andere mögliche Herangehensweise bietet dieser Kurzfilm (s. DVD Video Ebene), in dem die Arbeit des Szenenbildners vorgestellt wird, der für die Ausstattung des Filmes „Stella und der Stern des Orients“ verantwortlich war. Der Szenenbildner erklärt, wie er die Inneneinrichtung eines Hauses für Zuschauer glaubhaft in die Zeit vor 100 Jahren zurückversetzt. Die Kinder bekommen die Aufgabe, sich den Kurzfilm genau anzusehen und dann selbst Szenenbildner/in zu sein. Sie sollen (in Gruppen) genau, wie der Szenenbildner im Film dies beschrieben hat, eine Farbskizze erstellen, nach der dann die Inneneinrichtung gestaltet werden muss. Auf folgende Aspekte sollten sie dabei achten: Der Szenenbildner erklärt, dass nur diejenigen Räume umgestaltet werden, die auch im Drehbuch vorgesehen sind. Die Inneneinrichtung soll zudem auch die Charaktere ihrer Bewohner veranschaulichen: So wurde das Arbeitszimmer des Vaters so eingerichtet, dass seine altmodischen Ansichten auch atmosphärisch spürbar werden. Der Einrichtung des Mädchenzimmers sollte man dagegen ansehen, dass dort eine neugierige und abenteuerlustige Tochter lebt, die gerne studieren möchte. Am Ende können die Szenen des Films auch danach beurteilt werden, ob es dem Szenenbildner gelungen ist, sowohl die damalige Zeit als auch die Charaktere der Protagonisten lebendig werden zu lassen.
Rechercheauftrag: Im Film geht es um viele Neuerungen, um den wachsenden gesellschaftlichen Einfluss der Frauen wie auch um den Aufbruch von Technik und Naturwissenschaften. Die Kinder können sich über konkrete Erfindungen informieren, die dank des Forscherdranges von Frauen zustande kamen, und die auch unser heutiges Leben noch positiv beeinflussen. Dazu soll eigenständig im Internet oder Büchern (Stadt oder Schulbibliothek) „nachgeforscht“ werden. Anregungen dazu finden sich im Arbeitsblatt „Erfindungen und Erfinderinnen“.
Im Film übernimmt der Stern bzw. das Sternenbild der Kassiopeia eine wichtige symbolische Bedeutung: er steht für die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart und er symbolisiert die Tradition der Frauen in der Familie: dass sie ihren Träumen nachgehen und auf ihre Stärken vertrauen sollen. In der christlichen Kultur symbolisieren die Sterne die Verbindung zwischen dem Himmlischen und dem Irdischen, wie etwa der Stern von Bethlehem, der die Geburt Jesu ankündigt. Im Film stehen die Sterne symbolisch für Träume aber auch für Traditionen im Leben.
Rechercheauftrag und Gespräch: Der Arbeitsvorschlag „Stella und die Sterne“ regt an, sich mit der astronomischen und symbolischen Bedeutung der Sterne auseinanderzusetzen. Auch hier erhalten die Kinder den Auftrag (in Gruppen) über Internet oder Bücher/Zeitschriften weitere Informationen entweder zum Sternenbild der Kassiopeia oder über den Weihnachtsstern zu sammeln. Die Ergebnisse der Recherche können mittels verschiedener Formen/Medien präsentiert werden (Reportage, Powerpoint-Präsentation, Diavortrag etc.). In der abschließenden Diskussion sollen die Kinder auch überlegen, welche Bedeutung die Sterne in ihrem Alltag spielen (s. Arbeitsblatt „Stella und die Sterne“).