
| Produktion/Regie: | Christian Wagner |
| Musik: | Konstantia Gourzi, Xaver Naudascher |
| Schnitt: | Jens Klüber |
| Kamera: | Thomas Mauch |
| Buch: | Edin Hadzimahovic |
| Co-Autor: | Stefan Dähnert |
| Besetzung | |
| Senada: | Labina Mitevska (Mazedonien) |
| Samir: | Senad Basic (Bosnien-Herzegowina) |
| Adoptiv-Mutter Heinle: | Crescentia Dünsser (Deutschland) |
| Adoptiv-Vater Heinle: | Otto Kukla (Deutschland) |
| Maria: | Miranda Leonhardt (Deutschland) |
| Toni: | Heinrich Schmieder (Deutschland) |
| Jugendamtsmitarbeiterin: | Katrin Sass (Deutschland) |
| Schlepper Dzigera: | Zdenko Jelcic (Kroatien) |
| Munira: | Milena Zupancic |
| Redzic: | Milenko Goranovic |
| Marlies: | Isolde Fischer (Deutschland) |
| Aida/Kristina: | Joelle Ludwig (Deutschland) |
Der Regisseur1959 in Immenstadt/Allgäu geboren. Studium der Neueren Deutschen Literatur, Theaterwissenschaften und Psychologie in München; u.a. Beschäftigung mit Filmphilologie. Gründungsmitglied der unabhängigen Verleihkooperative „Der andere Blick“, München. Workshops für Goethe Institute weltweit, Professor an der Filmakademie Baden Württemberg, Ludwigsburg. Lebt in München. Filmproduzent seit 1982.
| Filmographie: | |
| 1980/81 | DER PROPHETOR (Drehbuch/Regie/Produktion) |
| 1982-84 | EINGESCHLOSSEN FREI ZU SEIN (Drehbuch/Regie/Produktion) |
| 1985-88 | WALLERS LETZTER GANG (Drehbuch/Regie/Produktion) |
| 1989-90 | ZUG (Drehbuch/Regie) |
| 1993/94 | TRANSATLANTIS (Drehbuch/Regie/Produktion) |
| 1997/98 | DIE SIEBEN TODSÜNDEN / ZITA (Regie) |
| 1999/2000 | ZEHN WAHNSINNIGE TAGE (Regie) |
| 2001/2002 | GHETTOKIDS (Regie) |
| 2004/2005 | STILLE SEHNSUCHT – WARCHILD (Regie/Produktion) |
| Video-Installationen: | |
| 2003 | NOTHING BUT NOTHING |
| 1999 | Artist in Residence, VILLA AURORA, LOS ANGELES |
„Mein bosnischer Drehbuchautor Edin Hadzimahovic hat mir damals seine Lieblingsgeschichte von einem bosnischen Enkelkind erzählt, das von seinem Großvater in London gesucht und ausfindig gemacht wurde. Sofort war ich wie elektrisiert: ein vom Schicksal nicht gerade verwöhntes Wesen wie Senada hat eine schier unlösbare Aufgabe: Soll sie ihr Kind, nachdem sie eine lange Odyssee und Suche durchlaufen hat, loslassen oder einfach zurückholen? Ein moderner Konflikt, der in Familien öfter eine Rolle spielen mag als uns bewusst ist. Trennung, Scheidung, Ortswechsel, aber auch das Vernachlässigen, ja das „Verstoßen“ eines Kindes.
Die Zahl der Waisen in Ex-Jugoslawien ist nicht genau festzustellen. Offiziell sind es allein in Bosnien über 2.500 Kinder. Aber sie ist höher als vermutet und von diesen Kindern, die keine Eltern mehr haben, spricht man fast nie. In Sarajevo beim Drehen, da hatte jeder Taxifahrer, Rezeptionist oder Fußballtrainer, den ich sprechen konnte, von „seinen Vermissten“ zu berichten und sofort Tränen in den Augen. Wenn man enge Verwandte, gar Eltern oder Kinder im Krieg verloren hat, vermisst man diese auf verzweifelte Weise. Noch heute gibt es Eltern in Ex-Jugoslawien, die Ihre Kinder bei Adoptiveltern im Ausland wissen, aber keine Chance haben, ihre Tochter oder ihren Sohn zurückzubekommen... Internationales Adoptionsrecht steht dagegen. Wenn das mal nicht eine sehr verständliche, universelle und zutiefst menschliche Härte par excellence darstellt...“
„Der Begriff der Familie hat sich enorm gewandelt. Viele Jugendliche sind Scheidungskinder. Für Kinder stellt sich die Frage: wo ist für mich mein zu Hause? Bei Mutter, bei Vater, bei beiden? Die Frage nach einer Entscheidung, wo ein Kind denn nun hingehört, wird oft genug vom Familiengericht geklärt! Mir wurde von Scheidungs-Kindern berichtet, welch ein Alptraum so eine Verhandlung für sie war, schließlich liebt man Vater und Mutter. Genau so eine Spannung erlebt auch Senada, nachdem sie ihr Kind aufgespürt hat, das völlig unwissend in einer recht „glücklichen Konstellation“ bei Adoptiveltern aufwächst. Für den Elternteil, der ein Kind „zurücklässt“, ist es immer eine schmerzliche, unlösbare Aufgabe. Wenn die im Film „gestohlene“ Tochter Aida/Kristina später genaueres wissen wollte über ihre Herkunft, so würde sie die Adoptiveltern ins Gebet nehmen.“
„Wir waren schon seit Jahren am überlegen, wer die Hauptrolle spielen sollte. Dabei gab es den Glücksfall Labina Mitevska, die in der Balkan-Region ein bekannter Filmstar ist. Mit Dialog-Coach hat sie dann erst Deutsch für den Film gelernt. Ich habe aber nicht nur Labina Mitevska, sondern auch die anderen ausländischen Schauspieler, gerade Senad Basic (Samir) oder Zdenko Jelcic, der spielt Dzigera, das ist ein Spitzname für „Leber“, bei den Dreharbeiten als sehr disziplinierte und engagierte Arbeitspartner erlebt. Immerhin sind sie alle Stars in ihren Ländern. Die Sprache war nie ein Hindernis, auch wenn es nicht leicht ist, sich in einer anderen Sprache auszudrücken. Die Darsteller in Ex-Jugoslawien waren zumeist offen für die Geschichte, kein Wunder, ist STILLE SEHNSUCHT – WARCHILD doch ein Drama, in dem das Kind unsichtbar die geheime Hauptrolle spielt.“
„In der Co-Produktion hatten wir erfahrene Aufnahmeleiter und ausführende Co-Produzenten, die das für uns sehr toll organisierten. Ich war sehr oft unten, jede Motivsuche bedeutete 2.500 km Rundreise, da Fliegen nicht sinnvoll war wegen der verstreuten Locations. Wir mussten ja sehr effizient drehen wegen des knappen Budgets. Bei uns sind es knapp über 30 Drehtage gewesen, in drei Ländern, an sieben Orten. Das ist schon ein Druck, der auf einem lastet, allein das Pensum zu bewältigen – noch dazu in einem fremden Land. Als wir den brennenden Bus drehen wollten, kollabierte der Tiefladerkran und es war fraglich, inwieweit wir im Zeitplan bleiben konnten.“
Über das Ende haben wir lange nachgedacht. Trotz der Zuspitzung, bei aller Spannung und Dramatik handelt es sich um ein „offenes Ende“. Die Frage wird für jeden Einzelnen sein: Sollte das Kind zur leiblichen Mutter zurückkehren, wäre es am besten, doch bei den Adoptiv-Eltern zu bleiben oder sollte man gar die 12-Jährige entscheiden lassen?
Kameramann Thomas Mauch (Mitte) dreht „Stille Sehnsucht – Warchild)
Thomas Mauch ist einer der renommiertesten Kameramänner in Deutschland. Er wurde 1937 in Heidenheim geboren. Zuerst arbeitete er als Kameramann für Dokumentar- und Industriefilme. Durch die Zusammenarbeit mit dem Regisseur Edgar Reitz begann er auch Spielfilme zu drehen. Seine präzise, fast dokumentarisch wirkende Kameraführung gab dem „Neuen Deutschen Film“ Realitätscharakter. Thomas Mauch arbeitet auch für das Fernsehen, u.a. für die Serie „Ein Fall für zwei“.
Der DrehbuchautorEdin Hadzimahovic wurde in Brcko (Bosnien-Herzegowina) geboren. Nach dem Abitur studierte er in Osijek. Es folgen erste eigene Kurzgeschichten und Filmkritiken. Im Jahr 1992 emigrierte er nach Deutschland. Dort schlug er sich mit verschiedenen Arbeiten durch als Pizzabäcker, Filmvorführer oder Bademeister. Von 1997 bis 2002 studierte er an der Filmakademie Baden-Württemberg (Studienrichtung „Drehbuch“). Nach Abschluss seines Studiums war „Stille Sehnsucht – Warchild“ sein zweites Drehbuchprojekt.
Kino Kino besuchte das Set von „Stille Sehnsucht – Warchild“:
„Schlotternd schlägt eine junge Frau ihre Arme um den Oberkörper. Ihre braune Lederjacke und ein hellblauer Schal schützen sie nicht vor Wind und Kälte auf der Schwäbischen Alb. Es ist Mitte Januar. Drum herum stehen, in wetterfeste Kleidung gemummelt, etwa ein dutzend Menschen. Die Dreharbeiten zu ‚Warchild’, dem neuen Kinofilm von Christian Wagner, gestalten sich schwierig an diesem grauen Tag. Das Wetter wechselt ständig. Der zwischenzeitlich einsetzende Regen verhindert korrekte Anschlussbilder. Ein Dialog muss gedreht werden. Die junge Frau auf der Straße spricht mit einem Mann im Auto. Wenn die Regentropfen auf das Dach prasseln, kann nicht gedreht werden, weil das im Ton zu hören ist. Bei den vorhergehenden Szenen gab es keinen Regen. Im Team sitzt jeder Handgriff. Trotzdem ist die Anspannung zu spüren. Die Mittagspause hätte schon vor einer Stunde stattfinden sollen. Aber die Zeit drängt. Man befürchtet einen Wetterwechsel. Ab morgen soll es schneien. Regisseur Christian Wagner gibt seiner Schauspielerin Labina Mitevska – im Film heißt sie Senada – kurze Regieanweisungen auf Englisch. Die Szenen wurden geprobt. Christian Wagner lobt die Präzision seiner Schauspieler. Man merke halt in solchen Situationen, so Wagner, dass es sich um gute Schauspieler handele. Er freut sich über seine gelungene Besetzung. ‚Warchild’ ist ein ambitionierter Filmstoff. Eine junge Bosnierin stößt nach knapp zehn Jahren durch einen Artikel in einer Zeitschrift auf eine mögliche Spur zu ihrer verschollenen Tochter. Im Krieg ist sie verschwunden, alle bisherigen Suchen waren vergeblich. Auf eigene Faust begibt sich Senada nach Deutschland. Tatsächlich findet sie Hinweise auf den Verbleib ihres Kindes bei einem Jugendamt in Ulm. Allerdings wird sie gleich wieder abgewimmelt. Doch nun ist Senada nicht mehr zu bremsen. Sie findet ihre Tochter, die von einer deutschen Familie adoptiert wurde, und ist bereit, für sie zu kämpfen. Wagners Film basiert auf einer wahren Begebenheit. Tatsächlich gibt es viele Fälle von Familien, die ihre Kinder im Krieg verloren haben und inzwischen in anderen Ländern als Adoptivkinder leben. Eine Handhabe für die leiblichen Eltern gibt es nicht, wenn es sich um eine legale Adoption handelt. Christian Wagner faszinierte an dem Stoff der aktuelle Bezug. Anderthalb Monate später. Inzwischen sitzt Christian Wagner schon mit ‚Warchild’ im Schnitt. Nicht viel Geld gab es für die aufwendige Produktion. Die Bilder, soviel kann mit Sicherheit verraten werden, sind verstörend, schön und kalt zugleich. Die Story geht ans Herz. Man darf gespannt sein auf diese aufregende Produktion aus Deutschland.“
„Work in progress“– ein Drehbericht von Antje Harries aus:
www.br-online.de/kultur-szene/film/kino/0502/04484/ (Stand 30.09.06)