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Stationen des Krieges im ehemaligen Jugoslawien

1. Vorgeschichte des Krieges im „Vielvölkerstaat Jugoslawien“

Quelle: Stiglmayer, Alexandra (Hrsg.), Massenvergewaltigung. Krieg gegen die Frauen, Freiburg i. Br. 1993.

 

6./7. Jahr­hundert

Slawische Völker aus dem ukrainisch-weißrussischen Gebiet erreichen während der Völkerwanderung den Balkan, der von Ostrom (Konstantinopel, Byzanz) beherrscht wurde. Herausbildung von serbischen (im Süden), kroatischen und slowenischen Stämmen (im Norden).

8./9. Jahr­hundert

Slowenen und Kroaten geraten unter Einfluss der Franken (Karl der Große) und der weströmischen Christianisierung (Katholiken; lateinisches Alphabet); später unter Habsburger Herrschaft; Christianisierung der Serben von Ostrom (orthodoxe Christen, kyrillische Schrift).

925

Unabhängiges Königreich Kroatien (mit heutigem Gebiet von Bosnien-Herzegowina).

12. Jahr­hundert

Staatliche Unabhängigkeit der Serben mit dem Zentrum Raska (heute Kosovo).

Im 14. Jahrhundert „großes serbisches Königreich“, das von Belgrad bis an die Grenze Bulgariens und bis Mittelgriechenland reichte.

Unabhängigkeit Bosnien-Herzegowinas, das vorher wechselnd unter weströmi­scher und oströmischer Herrschaft war. In den Jahren 1180 - 1204 Herrschaft von Ban Kulin

Kroatien fällt unter das Königreich Ungarn

28.6.1389

Schlacht auf dem Kosovo Polje (Amselfeld); Serben werden von den Osmanen geschlagen. Beginn der über 500 Jahre andauernden türkischen Herrschaft über die Serben. Bis heute ist der Vidovdan (St. Veits-Tag) wichtigster Nationaler Gedenktag.

Entrechtung der Serben (Christen) unter osmanischer Herrschaft, serbische Kir­che wurde zur „Trägerin und Bewahrerin des nationalen serbischen Kulturgutes“.

Fluchtbewegungen der Serben an die österreichische Militärgrenze in Kroatien „vouna krajina“, hier erhielt die Bevölkerung als „Bollwerk der Christenheit“ Privilegien (Selbstverwaltung). Deckungsgleich mit den heutigen serbischen Siedlungsgebieten in Kroatien.

1463

Bosnien-Herzegowina wird von den Osmanen erobert, im Gegensatz zu Serbien viele Übertritte zum Islam (1624 waren 2/3 der Bevölkerung Moslems, fehlen­de christliche Identität aufgrund der osmanisch-romanischen Wechselherr­schaft); bosnisch-islamischer Adel war den katholischen Serben sozial über­legen.

1526-1918

Kroatien kommt unter Österreich-ungarische Herrschaft. Im Vergleich zu den Serben hatten Kroaten und Slowenen einen freieren Status mit eigener Feudal­schicht; Anteil an der kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung von Gesamt­europa.

1690

Serbischer Aufstand gegen die Türken wird niedergeschlagen. Flucht vieler Serben aus dem Kosovo in die Vojvodina. Besiedlung des Kosovo mit islami­sierten Albanern. Heute machen diese 90% der Bevölkerung im Kosovo aus.

1799

Anerkennung der Autonomie Montenegros durch die Türken. Die Montenegriner waren Serben, die in der unwegsamen Bergwelt Montenegros lebten. Dort konnten die Osmanen ihre Macht nicht etablieren. Heute verstehen sich viele Montenegriner noch als Serben.

1815

Serbischer Aufstand gegen die Türken, Autonomes Gebiet Serbien entstand, allerdings erheblich kleiner als das alte serbische Zarenreich. Das Gebiet stimm­te nicht mit den serbischen Siedlungsgebieten überein. Viele Serben lebten in Bosnien, Makedonien, Kosovo (unter türkischer Herrschaft), in Kroatien, Vojvo­dina (Österreich-Ungarn), in Montenegro, Plan von Ilija Grasanin zur Vereini­gung aller Serben in einem Reich.

1848

Kroatischer Aufstand gegen Ungarn schlug fehl, dann föderale Bestrebungen, allerdings konkurrierende politische Forderungen: Föderalisierung der Donau­monarchie oder Vereinigung mit den „serbischen Brüdern“ oder nationalistische Forderung nach einem unabhängigen kroatischen Staat, der Bosnien-Herzego­wina einschließen sollte.

1878

Bosnien-Herzegowina wird unter österreichische Verwaltung gestellt (Berliner Kongress). Auslöser war der Aufstand bosnischer Serben gegen die Türken mit Hilfe Russlands, dessen Einfluss im Balkan anstieg.

1908

Annexion Bosnien-Herzegowinas durch Österreich; Kriegsgefahr zwischen Russland (Bündnispartner Frankreich, England, Serbien, Montenegro) und Österreich-Ungarn (Bündnispartner Deutschland, Reichsteile Kroatien und Slowenien).

1912/13

Balkankriege; Serben erobern Kosovo und Nordmakedonien.

28.6.1914

Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand in Sarajevo (525. Jahrestag der Kosovo-Schlacht) war Auslöser des 1. Weltkriegs.

1918/19

Kriegsende, Gründung des „Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen“, dem sich auch Montenegro anschloss; Konflikte im neuen Staat wegen der Vor­herrschaft Serbiens; Kroaten und Slowenen wollen föderales, gleichberechtigtes System durchsetzen.

18.6.1921

Verabschiedung der neuen Verfassung, die konstitutionelle Monarchie und zent­ralistische Staatsform vorsah; Boykott seitens der kroatischen und slowenischen Abgeordneten. Konflikte zwischen Serben und Kroaten führen zu instabilen Re­gierungen: Bis zum Jahr 1928 regierten 24 Kabinette. Wirtschaftliches Gefälle: reicher Norden und armer Süden. Serbische Vorherrschaft schürte ethnische Konflikte in Makedonien (Gründung der Inneren Makedonischen Revolutionären Organisation IMRO) im Kosovo (Unterdrückung der Albaner) und in Bosnien Herzegowina (moslemische Bosnier).

20.6.1928

Ermordung des populären Kroatenführers Stjepan Radíc (Kroatische Bauernpartei) durch serbischen Abgeordneten.

6.1.1929

Auflösung des jugoslawischen Parlaments durch den jugoslawischen König Aleksandar Karadjordjevic; Beginn seiner Diktatur; Verbot aller Parteien und Aufhebung der Meinungs- und Pressefreiheit; Umbenennung in „Königreich Jugoslawien“.

9.10.1934

Ermordung des Diktators durch die kroatische Terrororganisation Ustascha und IMRO in Marseille. Rückkehr zur Demokratie.

(Quelle: Chiari, Bernhard, Kesselring, Agilolf (Hrsg.), Wegweiser zur Geschichte. Kosovo, Paderborn/München/Wien/Zürich 2006, S. 189)

25.3.1941

Beitritt der jugoslawischen Regierung zum Dreimächtepakt (Deutschland, Italien, Japan), dem sich Ungarn, Rumänien und die Slowakei angeschlossen hatten. Daraufhin kam es in Belgrad zum Militärputsch. Hitler befahl, Jugoslawien „mili­tärisch und als Staatsgebilde zu zerschlagen“. Jugoslawische Armee brach unter dem Ansturm der deutschen, italienischen und ungarischen Truppen zusammen.

17.4.1941

Bedingungslose Kapitulation Jugoslawiens; Aufteilung des Landes unter den Siegern:

In Kroatien mit Bosnien-Herzegowina wurde ein faschistischer Marionettenstaat unter der Führung der Ustascha errichtet. Verfolgung und Pogrome gegen die serbische Bevölkerung; Serbien wurde unter deutsche Militärverwaltung gestellt, es kam zur Gründung von serbischen Widerstandsbewegungen der Tschetniks und später Titos Partisanenarmee. Während des Krieges ethnisch-motivierte Racheakte gegen die kroatische und moslemische Zivilbevölkerung (durch Tschetniks) und nach dem Sieg von Titos Armee 1945.

30.1.1946

Verfassung der Föderativen Volksrepublik wurde verabschiedet. Teilung in sechs Teilrepubliken (Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Make­donien und Serbien mit den angeschlossenen autonomen Gebieten Vojvodina und Kosovo. Gebietsverluste von Serbien. Kommunistische Partei Jugoslawiens (KPJ) als Zentralgewalt.

1948

Bruch der KPJ mit Stalin; Blockfreiheit Jugoslawiens und Entwicklung undog­matischer Formen des Sozialismus; Verbot nationalistischer und patriotischer Aktivitäten; ethnische Massaker des Zweiten Weltkrieges wurden verschwiegen; unterschwellige national-ethnische Konflikte, bspw. durch serbische Mehrheit im Beamten- und Polizeiapparat.

1966

Sturz des Innenministers und Serben Aleksandar Rankovic (einer der Urheber der serbischen Vorrangstellung); lauter werdende Forderungen nach nationaler Selbstbestimmung und Dezentralisierung.

1971

Niederschlagung des ‚kroatischen Frühlings’ durch Tito.

1974

Neue Verfassung, die Stärkung der wirtschaftlichen und politischen Rechte der Republiken und Autonomen Provinzen vorsah, paritätische Besetzung aller Führungsgremien.

4.5.1980

Tod von Tito. Wirtschaftliche und politische Krise.

2. Chronik des Krieges

 

1981

Niederschlagung des Aufstandes der Kosovo-Albaner für mehr Autonomie (damals 75% der Bevölkerung); anti-albanische Kampagnen in Serbien.

1986/87

Aufstieg von Slobodan Milosevic zum Parteichef und Präsident Serbiens; Beginn der proserbisch-ethnischen Hass-Propaganda.

1988

Gleichschaltung der Presse und des Fernsehens in Serbien.


Austausch der politischen Führung in den autonomen Provinzen Kosovo und Vojvodina sowie der Republik Montenegro. Serbien sicherte sich somit vier Stimmen im Staatspräsidium (höchstes politisches Organ in Jugoslawien).


Besetzung des Kosovo durch serbischen Militärapparat; Entlassung der Albaner aus dem öffentlichen Dienst, Schließung albanisch sprachiger Schulen und Universitäten.


Politik Milosevics gegen die Proteste aus Slowenien und Kroatien.

Ab 1990

Abdankung der Kommunisten in Kroatien und Slowenien; freie Wahlen.

Hass-Kampagne Milosevics gegen Kroatien, die er mit den Verbrechen der kroatischen Ustascha an den Serben schürte.

Sieg der rechtsnationalen HDZ-Partei in Kroatien, die die Serben von einem Staatsvolk zu einer nationalen Minderheit herunterstufte. Aufstand der serbi­schen Minderheit in Kroatien, der von Serbien geschürt und unterstützt wurde. Initiative Sloweniens und Kroatiens für die Durchsetzung einer Konföderation scheiterte an Serbiens Einspruch.

Neue Verfassung Serbiens hebt die Autonomie der Provinzen Kosovo und Vojvodinas auf: Albanische Abgeordnete des aufgelösten Parlamentes verabschieden die Verfassung der „Republik Kosova“.

25.6.

1991

Kroatien und Slowenien erklären nach Volksabstimmungen ihre staatliche Unabhängigkeit, im September folgt Makedonien.


Einmarsch paramilitärischer serbischer Truppen und der Jugoslawischen Volks­armee in Kroatien und Slowenien; Abzug aus Slowenien, aber Besetzung von 1/3 des kroatischen Gebietes.

Septem-ber 1991

In einem Referendum spricht sich die kosova-albanische Bevölkerung für die Unabhängigkeit der „Republik Kosova“ aus.

Novem-ber 1991

Autonomieerklärung der bosnischen Serben in Bosnien-Herzegowina. Forderung des bosnischen Serbenführers Radovan Karadžic, dass 62% des bosnisch-herzegowinischen Territoriums zu einem neu zu gründenden serbischen Staat gehören sollen.

Februar 1992

Scheitern der von der EG vermittelten Verhandlungen über eine Kantonalisierung Bosnien-Herzegowinas.

März 1992

Stationierung von UN-Friedenstruppen in Kroatien. Kämpfe gehen aber weiter (auch sog. „ethnische Säuberungen“).


Volksabstimmung in Bosnien-Herzegowina votiert mit 62,7% für staatliche Unabhängigkeit (Moslems und Kroaten); Proklamation der Unabhängigkeit; Angriff Serbien-Montenegros (Jugoslawische Volksarmee).

Mai 1992

Ibrahim Rugova wird in Untergrundwahlen von der kosova-albanischen Bevölke­rung zum Präsidenten gewählt. Seine Partei, die Demokratische Liga Kosova (LDK), wird zur wichtigsten politischen Kraft des Widerstandes.

1992-1995

Bosnien-Krieg, „ethnische Säuberungen“ und Pogrome auf beiden Seiten. Nach der Flucht von 200.000 Serben aus Bosnien werden Zehntausende von ihnen im Kosovo angesiedelt.

14.12.

1995

Ratifizierung des Daytoner Friedensabkommens; Unterstellung Bosnien-

Herzegowinas unter ein inoffizielles Protektorat der internationalen Gemein­schaft (Föderation Bosnien-Herzegowinas, Distrikt Brcko und Republik Srpska).

1996

UÇK (Befreiungsarmee in Kosova) bekennt sich erstmals öffentlich zu ihren Anschlägen gegen die Serben.

Februar/März 1998

Massaker der serbischen Sonderpolizeieinheiten gegen die Zivilbevölkerung; Ausweitung der Kämpfe der UÇK gegen die serbischen Truppen. Vertreibung von ca. 350.000 Menschen.

Septem-ber

Verabschiedung der Resolution 1199 des UNO Sicherheitsrates, die der Belgra­der Regierung „weitere Maßnahmen“ androht, wenn sie dem Blutvergießen kein Ende setzt.


Beschluss der ersten Mobilisierungsstufe von Luftstreitkräften der NATO zum Einsatz gegen die Bundesrepublik Jugoslawien.

26.10.

1998

Rückzug der jugoslawischen Truppen aus dem Kosovo aufgrund des Ultimatums der NATO. Entsendung von OSZE-Beobachtern.

Dezem-ber 1998

Zusammenbruch des Waffenstillstandes.

Februar/März

Kosova-Friedenskonferenz in Rambouillet und in Paris; Rückzug der OSZE-Berichterstatter aus dem Kosovo.


Beginn der Nato-Bombardements in Jugoslawien (79 Tage).

Vertreibung der kosova-albanischen Bevölkerung durch die Serben; gewaltsame Übergriffe und Massaker.

27.5.

1999

UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag klagt Milosevic der Kriegsverbrechen an.

9.6.1999

Ende des Krieges im Kosovo durch das Abkommen von Kumanovo;

Danach Entsendung internationaler Sicherheitskräfte (Kfor). Zivile internationale Präsenz, die UNO-Mission im Kosovo (UNMIK). Rückkehr der Vertriebenen.


Gewaltsame Racheakte durch Kosova-Albaner gegen serbische und Roma-Bevölkerung.

Septem-ber 1999

Entwaffnung der UÇK; Schaffung der zivilen Schutztruppe TMK.

28.10.

2000

Durchführung der ersten Lokalwahlen; Demokratische Liga Kosova (LDK) erhält die meisten Sitze in den Gemeinderäten.

 

Quelle: Wikipedia

 


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