
Quelle: The World Factbook (CIA)
Einwohner: 4.140.000 = 81 je km2 (Stand 2003, Weltrang: 120)
Hauptstadt: Sarajevo (Sarajewo); Amtssprachen: Bosnisch, Kroatisch, Serbisch
Nationalfeiertag: 1.3. (Unabhängigkeitsreferendum 1992)
Verwaltungsgliederung: 2 Gebietseinheiten, Distrikt Brcko und gemeinsam verwaltete Hauptstadt
Staats- und Regierungsform: Verfassung von 1995, geändert 2002; Republik seit 1992; Parlament: Abgeordnetenhaus mit 42 direkt gewählten Mitgliedern (28 aus der Bosniakisch-Kroatischen Föderation/BKF und 14 aus der Serbischen Republik/RS, Wahl alle 4 Jahre) und Kammer der Völker mit 15 für 4 Jahre gewählten Mitgliedern (je 5 Bosniaken, Kroaten, Serben); direkt gewähltes 3-köpfiges Präsidium (je 1 Bosniake, Kroate, Serbe), rotierender Vorsitz alle 8 Monate, Wahl alle 2 Jahre.; Wahlrecht ab 18 Jahren.
Bevölkerung: Stand 2003: 4.140.000 Einwohner; Bevölkerungswachstum: 0,7%; letzte Zählung 2001: 4.377.033 Einw.; Stand 2000: 48% Bosniaken, 37% Serben, 14% Kroaten
Religionen (Stand 2003): 40% Muslime, 31% Serbisch-Orthodoxe, 15% Katholiken
Sprachen: Bosnisch, Kroatisch, Serbisch
Wichtigste Wirtschaftszweige (Anteil am BIP in %): Landwirtschaftt 4,8% (2001)
Arbeitslosigkeit (in % aller Erwerbspersonen): Ø 2001: 40%
Inflationsrate (in %): Ø 2004: 1,1% (S)
Quelle: Wikipedia
Politische Situation:
Zehn Jahre nach dem Dayton-Abkommen von 1995 erweist sich die damals dekretierte Konstruktion des Dreivölkerstaates trotz befriedeter Lage und Fortschritten im Zusammenleben der drei Volksgruppen (muslimische Bosniaken, katholische Kroaten, orthodoxe Serben) als noch immer kaum funktionsfähig. Die autokratische Rolle des Hohen Repräsentanten der Internationalen Gemeinschaft (HR) geriet zunehmend in die Kritik, weil sie die Eigenverantwortung der Institutionen und Politiker Bosnien und Herzegowinas im Zuge der Normalisierung der Lage in dem geteilten Land untergrabe.
Die Verfolgung von Kriegsverbrechen geschieht u.a. auf massiven Druck des HR, der EU und der USA. Am 10.11.2004 bat die Regierung der RS die Hinterbliebenen des Massakers von Srebrenica im Juli 1995, bei dem mehr als 7800 Muslime ermordet wurden, um Entschuldigung. Der ausbleibende Erfolg bei der Fahndung nach den mutmaßlichen Hauptkriegsverbrechern des Bosnien-Krieges hatte ein härteres Durchgreifen gegen verdächtige Helfer und Sympathisanten zur Folge. Anfang Juli 2004 dekretierte der HR die Amtsenthebung von 59 kooperationsunwilligen Politikern und Beamten der RS. Die Entlassung von neun weiteren hohen Funktionären folgte Mitte Dezember 2004. Anlass im zweiten Fall war, dass der nach dem Serbenführer Radovan Karadzic ranghöchste mutmaßliche Kriegsverbrecher, der ehemalige Befehlshaber der bosnischen Serbenarmee Ratko Mladic, Ende Juni 2004 auf dem Stützpunkt Han Pijesak an Festlichkeiten hatte teilnehmen können. Am 11.10.2004 wurde der ehemalige Sicherheitschef der Armee der bosnischen Serben, Ljubisa Beara, nach Den Haag überstellt. Als direkter Untergebener von Mladic gilt er als einer der Hauptorganisatoren des Völkermords von Srebrenica. Am 23.12. nahm die Polizei der RS in Banja Luka erstmals einen mutmaßlichen Kriegsverbrecher fest, den früheren Vizepräsidenten des Parlaments der RS, Miroslav Vjestica.
Im Frühjahr 2005 stellten sich – wie auch in Serbien – mehrere als Kriegsverbrecher gesuchte ehemalige bosnisch-serbische Generäle. Auch der frühere Armeechef der bosnischen Muslime, Rasim Delic, stellte sich dem Tribunal. Wegen des Verdachts der Teilnahme an dem Massaker von Srebrenica wird nach 892 mutmaßlichen Tätern gefahndet. Am 9.3.2005 wurde am Obersten Gericht in Sarajevo eine neue Kammer eröffnet, die sich ausschließlich mit Kriegsverbrechen in weniger schweren Fällen befasst, um den ICTY in Den Haag zu entlasten. Auf das Gericht warteten bereits rund 1.000 Verfahren, die insgesamt etwa 10.000 Verdächtige betreffen.
Quelle: Der Fischer Weltalmanach. © Fischer Taschenbuch Verlag in der S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2005, zitiert nach: www.bpb.de/wissen/... (Stand 30.9.2006)