zum Anfang des Inhalts
Bundesverband Jugend und Film e.V. - DVD-Edition - Durchblick Filme - www.durchblick-filme.de

Durchblick 6+  –  Tischlein deck dich  –  Ulrich König  –  D 2008  –  57 min.

2. Tischlein deck dich

2.1 Informationen zum Film

Deutschland 2008

Länge: 57 Minuten

Regie: Ulrich König

Drehbuch: David Ungureit

Dramaturgie: Rainer Mihan

Kamera: Ludwig Franz (BVK)

Musik: Andreas Weidinger, Christoph Zirngibl

Produzent: Martin Hofmann

Produktion: Askania Media Filmproduktion GmbH im Auftrag des WDR / ARD

Darsteller:
Max – Remo Schulze
Lotte – Linn Sara Reusse
Jockel – Christian Polito
Emil – Franz-Xaver Brückner
Erster Räuber – Ingo Naujoks
Schneider – Winfried Glatzeder
Frau des Schneiders – Ursula Karusseit
betuchte Bürger Hagen – Dietmar Bär
gierige Wirtin – Christine Neubauer
gieriger Wirt – Michael Brandner

BJF-Empfehlung: ab 6 Jahren

 

Kurzinhalt

Der ungeschickte Max Klopstock will seinem Vater und seiner geliebten Lotte beweisen, dass er zu etwas nütze ist. Auf den Spuren seiner beiden älteren Brüder zieht er in die Welt hinaus, um ein Handwerk zu erlernen. Nachdem Max von einer Räuberbande überfallen wurde, findet er bei einem bettelarmen Schneiderehepaar Unterschlupf, das den jungen Burschen nur widerwillig als Lehrling aufnimmt. Als durch Max’ Einfallsreichtum der beleibte und betuchte Bürger Hagen endlich passende Beinkleider bekommt, wendet sich das Blatt: Die neuartigen Hosen mit Latz kommen groß in Mode und die Schneiderleute werden reich. Am Ende der Lehrzeit schenkt ihm der dankbare Schneider einen Zauberknüppel. Wie Max verlassen auch seine Brüder großzügig beschenkt ihre Lehrmeister: Jockel besitzt nun einen Tisch, der sich selbst mit wunderbaren Köstlichkeiten deckt, und Emil einen Goldesel. Zufällig treffen sich die Brüder in einem Wirtshaus, dessen Besitzer es auf Esel und Tisch abgesehen haben. Doch die gierige Wirtin und ihr Mann übersehen glatt den schlagkräftigen „Knüppel aus dem Sack“.

 

Der Drehort

Der Märchenfilm wurde in historischer Umgebung im Freilichtmuseum Detmold in Nordrhein-Westfalen gedreht.

Das Museumsdorf in Detmold ist das größte Freilichtmuseum Deutschlands. Auf dem 90 Hektar großen Gelände befinden sich über 100 historische Gebäude mit Gärten, Feldern und Wiesen. Besucher bekommen einen Einblick in den westfälischen Alltag im Laufe der Jahrhunderte und können beispielhaft die landschaftlichen, zeitlichen, sozialen und bauhistorischen Unterschiede im Bauen, Wohnen und Wirtschaften erleben.

(www.lwl.org/LWL/Kultur/LWL-Freilichtmuseum-Detmold/)

 

Interview mit Dramaturg Rainer Mihan

„Tischlein deck dich“ musste aus seiner Sicht neu verfilmt werden. Was ist für Rainer Mihan die zeitlose Bedeutung dieses Märchens?

Warum widmet man sich als erwachsener Mensch den Märchen?
Märchen sind lange gewachsene, urtümliche Vorstellungen der Menschen von Glück und Unglück, von Tüchtigkeit und Faulheit, von Schönheit und Hässlichkeit und enthalten einfache, oft unter großen Entbehrungen errungene Volksweisheiten.
Außerdem vermitteln Märchen ihre Botschaften sehr direkt. Dazwischen gibt es dann sehr viel Raum für Phantasie, für Interpretationen, denn warum eine Märchenfigur so und nicht anders handelt, wird in den Überlieferungen oft wenig motiviert. Einen kompakten Stoff macht aber erst diese Mischung aus „action“ und Charakter aus.

Warum gerade dieses?
„Tischlein deck dich“ ist ein Schwankmärchen und bietet damit gute Voraussetzungen für einen Film für die ganze Familie. Es gibt zwar auch hier seelische Grausamkeiten (der Vater jagt wegen einer boshaften Ziege immerhin seine Söhne aus dem Haus), aber der Grundton der Geschichte ist nicht dramatisch, sondern heiter.

Welches ist ihr Lieblingsmärchen?
Mein Lieblingsmärchen ist „Gevatter Tod“ von den Grimms. Erstens gibt es eine sehr poetische Verfilmung dieses Stoffes des Fernsehens der DDR (1980). Zweitens bündeln sich gerade in der Diskussion um dieses Märchen die unterschiedlichen Auffassungen über die Grenzen der Darstellung von Gewalt, Boshaftigkeit und Tod in der Kunst, vor allem natürlich für die jüngsten Leser bzw. Zuschauer.

Was ist die Moral von der Geschicht'?
Ideale sind in unserer Zeit recht rar geworden. Für manchen ist nur noch erstrebenswert, dass die Steuererklärung mit einer saftigen Rückzahlung endet. Aber bei jeder neuen Nachricht über Kindesmisshandlungen oder Übergriffe rechtsgerichteter Jugendlicher auf Andersdenkende werden die Diskussionen über gesellschaftliche Ideale wieder besonders laut. Märchen können und wollen zumeist nicht sonderlich differenzieren, aber sie vermitteln solche Moral- und Wertvorstellungen sinnlich und einprägsam.

Haben Sie eine eigene Interpretation?
Die Märchen erzählen vor allem das Wie, eine Geschichte in groben Umrissen. Das Warum bietet sehr viel Raum für Interpretationen, denn Märchen haben viele weiße Flecken, was die Motivation der Figuren für ihre Handlungen betrifft. Das trifft ganz besonders auf das „Tischlein deck dich“ zu.

Welche Unterschiede gibt es zwischen der Vorlage und dem Film?
Die Vorlage stellte für alle Beteiligten eine besondere Herausforderung dar. Denn der Stoff selbst besteht aus Aneinanderreihungen, lebt von der Wiederholung immer der gleichen Vorgänge. Außerdem gibt es gleich drei gleichberechtigte "Helden".
Deshalb war es notwendig, eine einzige Hauptfigur zu exponieren, die das Herz der Zuschauer gewinnen kann und mit der zusammen die Zuschauer in die Welt hinaus ziehen, um Lebenserfahrungen zu sammeln. So zumindest soll die Figur des Max nach unserer Vorstellung wirken.
Was die „Moral“ betrifft, soll Max erlebbar machen, dass auch Menschen, denen die Mitmenschen außer Einfalt und Trotteligkeit nicht sehr viel zutrauen, über sich hinauswachsen können.

 

Quelle:
www.rbb-online.de/maerchenfilm/6_auf_einen_streich/tischlein/sechs_fragen_sechs.html

 

Zum Ausdrucken:

Download dieser Seite im PDF-Format - Rechte Maustaste: Ziel speichern ... PDF-Dokument