
Bundesverband Jugend und Film e.V. – Durchblick 6+ – Thema Märchen
Bildungsplanbezug
Das Hauptthema des Films ist das Märchen der Brüder Grimm. Weitere thematische Schlüsselbegriffe sind: Märchen, Literaturverfilmung, eigene Identität, Erwachsenwerden, Abenteuer, Beruf, Wünsche, Träume.
Diese Schlüsselbegriffe sind auch in den Bildungsstandards der Länder zu finden. Am Beispiel der Baden-Württembergischen Bildungsstandards und des bayrischen Lehrplans für Grund- und Förderschulen soll dies exemplarisch aufgezeigt werden. Die übergreifenden Kompetenzen und Inhalte in den jeweiligen Fächern sowie die curricularen Lernziele lassen sich aber auch auf die anderen länderspezifischen Bildungsstandards und Curricula übertragen.
Einsatzbereiche des Films:
Grundschule Klasse 1 bis 4, Förderschule 1. bis 6. Klasse
Fächerzuordnung:
Deutsch, Heimat- und Sachkunde, Religion, Ethik, Kunst, Musik
Der Märchenfilm spricht folgende Kompetenzen und Inhalte aus den Baden-Württembergischen Bildungsstandards an:
Deutsch, 1. – 4. Klasse:
Leitgedanken zum Kompetenzerwerb: Lesen/Umgang mit Texten und Medien
Verlässliche Vorlese- und Lesezeiten, Kooperationen mit außerschulischen Kulturträgern wie Bibliotheken …, Kinos, Hochschulen, Autorinnen/Autoren, Märchenerzählern, … sind unterstützende Elemente des Deutschunterrichts.
Kompetenzen und Inhalte:
Fähigkeit über ein Thema zu sprechen und eine eigene Meinung äußern
verschiedene Medien nutzen und daraus Anreize zum Schreiben, zum Lesen und zum Gestalten eigener Medienbeiträge gewinnen
Mensch/Natur/Kultur, 1. – 4. Klasse:
entdecken und erkennen der eigenen Sprache, Körpersprache, Bildsprache und Musik als Mittel des Selbstausdrucks
Medien herstellen, gestalten und Informationen aus ihnen entnehmen
Zum Lehrplan für die Grundschulen in Bayern aus dem Jahr 2000 lassen sich durch den Film folgende fächerübergreifende Bildungs- und Erziehungsfragen in Bezug setzen:
Interkulturelle Erziehung – Miteinander und voneinander lernen
Soziales Lernen
Medienerziehung
Der Einsatz des Filmes im Unterricht eignet sich für folgende Themenkreise und Lernziele:
Katholische Religionslehre:
1. Klasse:
1.4.3 Kinder einer Erde werden: Märchen aus anderen Ländern; interkultureller Märchentag
Deutsch:
2. Klasse:
1./2.3 Für sich und andere schreiben / Texte ergänzen und Texte nachahmen:
Einen Anfang oder einen Schluss finden; ein Märchen, ein Gedicht, einen Kindervers nach einem Textvorbild schreiben.
1./2.5.4 Unterschiedliche Textsorten kennen lernen und mit ihnen umgehen:
Ausgewählte Stücke über audiovisuelle Medien kennen lernen und gestaltend mit ihnen umgehen.
3 Klasse:
3.2: Für sich und andere schreiben:
Erlebte oder erfundene Geschichten unterhaltsam aufschreiben z. B. Märchen interessant und lebendig darstellen.
3.4.4 Literarische Texte lesen und gestalten:
Charakteristische Merkmale z. B. eines Märchens herausstellen, Texte szenisch darstellen.
4. Klasse:
1./2.5.4 Literarische Texte lesen und gestalten:
Ausgewählte Stücke über audiovisuelle Medien kennen lernen und gestaltend mit ihnen umgehen, z. B. Besonderheiten der verschiedenen Medien erkennen, eigene Texte medial gestalten.
4.1 Sprechen und Gespräche führen:
Ein Märchen aus der Sicht einer Nebenrolle erzählen, Geschichten gemeinsam erfinden.
Ethik:
3. Klasse:
3.2 Zueinander finden:
Freundschaft als etwas Besonderes schätzen; Entdecken, dass Träume und Visionen das Leben begleiten und es bereichern.
Eigenen Träumen nachspüren.
Kunst:
1. Klasse
1.5 Träume und Zaubereien:
Sich hineinversetzen in unwirkliche Figuren, Szenerien und Stimmungen, märchenhafte Wesen, wundersame Begebenheiten, zauberhafte Verwandlungen.
4. Klasse
4.4 Bewegte Bilder und ihre Helden:
Beschreiben von gestalterischen Mitteln wie Blickwinkel der Kamera, Farb- und Lichteffekte, Musikauswahl, Feststellen von Aussehen, Eigenschaften und typischem Verhalten einzelner „Helden“ oder „Antihelden“, Ausdenken und Gestalten bewegter Bilder oder Bilderfolgen.
Heimat- und Sachkunde:
4. Klasse
4.3 Wünsche und Bedürfnisse
Werken und Textiles Gestalten:
1./2. Klasse
1.4.2 Gestalten mit textilem Material:
Eine Gestaltungsvorstellung anhand von Erzählungen, Märchen, Fantasiereisen usw. gewinnen.
Musik:
Klasse 1-4
1.4.2 Szenen spielen:
Musikalische Spielszene (Thema, Bilderbuch, Märchen): Ablauf festlegen, Text verfassen, Vor-, Zwischen-, Nachspiel erfinden, Lieder auswählen, mit Instrumenten begleiten, sich verkleiden, Kulissen herstellen.
Kunst:
3.2 Filmarbeit:
Darstellendes Spiel und Filmarbeit fördern die Fähigkeit, persönliche Ausdrucksformen zu finden und tragen zu sozialem Lernen bei.
Experimente mit und ohne Requisiten
Tricks
Planung und Durchführung eines Filmprojekts
Bildungsbereich Leben in der Gesellschaft
Medienkompetenz:
Die Schülerinnen und Schüler können digitale Medien und andere Medien spielerisch, zielgerichtet und lernorientiert benutzen.
Bildungsbereich Identität und Selbstbild
Selbstständigkeit und Selbstbestimmung:
Die Schülerinnen und Schüler können eigene Interessen vertreten
Die Schülerinnen und Schüler können sich mit Autoritäten auseinandersetzen.
Die Schülerinnen und Schüler können eigene Themen finden und bearbeiten.
Deutsch Grundstufe
Die Schülerinnen und Schüler können in Form und Inhalt zunehmend nonverbal und verbal kommunizieren.
Die Schülerinnen und Schüler können sich mit sprachlichen Beiträgen aus ihren Herkunftsländern einbringen: erzählen Märchen aus unterschiedlichen Kulturkreisen.
Die Schülerinnen und Schüler gestalten Texte.
Bewegung/Spiel/Sport Grundstufe
Darstellendes Spiel:
Die Schülerinnen und Schüler nutzen ihren Körper als Darstellungs- und Ausdrucksmittel.
Musik/Sport/Gestalten Hauptstufe
Die Schülerinnen und Schüler können mit den Neuen Medien spielerisch-experimentell eigene Kunstwerke entwerfen.
1. Der Märchenfilm ist nicht der Gegner des Märchentextes.
Er ist ein eigenständiges, gleichberechtigtes ästhetisches Produkt. Daher ist es im Grunde unerheblich, ob er vor oder nach dem Lesen des Textes rezipiert wird. Allerdings ist es für das Verständnis des Märchenfilms meist besser, den Film nach dem Lesen des Textes zu zeigen. Wird der Film zu Beginn gezeigt, kann dieser als Einstieg in das Thema, als Ausgangspunkt oder Problemfindung genutzt werden. Hier kann der Film ganz oder in Ausschnitten gezeigt werden. Wird der Film nach der Lektüre gezeigt, kann er als Zusammenfassung oder Vertiefung dienen oder eine Übertragung auf ein anderes Medium aufzeigen. Hier sollte der Film in voller Länge gezeigt werden.
2. Klärung der didaktischen Absichten
Bildet der Film einen selbstständigen medialen Ineben anderen?
Soll er als weitere Vergleichsmöglichkeit nach der eigenen Interpretation betrachtet werden?
Dient er als interessanter Einstieg in ein Thema oder Problemfeld?
Sollen die Schüler lernen und üben, Filmkritiken und Drehbücher zu erarbeiten?
Geht es darum, filmspezifische Mittel zu erkennen und diese hinsichtlich ihrer Wirkung zu untersuchen?
Soll das Filmerlebnis Anlass für eine produktive und kreative Weiterarbeit werden?
3. Methodische Abfolge
Alternativ zum traditionellen und stark lehrerzentrierten Vorgehen wird hier ein eher schülerorientiertes und offenes Verfahren vorgestellt, dass auf drei Schritten basiert.
Rezeptionsphase: Sehen des Films und spontane Meinungsäußerung
Verarbeitungsphase: Sprechen über inhaltliche und formale Aspekte, je nach bestimmten Schwerpunkten des Unterrichts.
Produktionsphase: kreatives Arbeiten mit dem Film
4. Die Vorführung
Die Filmvorführung sollte zu einem eindrucksvollen Gemeinschaftserlebnis werden. Wenn sich die Möglichkeit bietet, für die Vorführung der Filme in ein Kino zu gehen, sollte man dies tun. Die Größe des Filmbildes und die gute Tonanlage verstärken die Wirkung der Produktion. Im Schulalltag wird man mit den vorhandenen Räumlichkeiten bei der Projektion auskommen. Wenn man die Möglichkeit findet (z.B. bei Projektwochen), könnten Klassenzimmer in einen Kinosaal verwandelt werden. Die Tische sollten dafür zur Seite gestellt werden. Wenn keine Rollläden und dunkle Vorhänge vorhanden sind, kann man auch gemeinsam mit den Kindern die Fenster mit Kartons oder schwarzer Folie abhängen. Projiziert wird auf eine Leinwand oder eine große weiße Wandfläche. Somit kann eine kinoähnliche Situation geschaffen werden, die die Konzentration und die Wahrnehmung fördert und das Filmerleben eindrücklicher werden lässt.
Der Vorführung folgt dann ein freier ungelenkter Meinungsaustausch. Die Lehrerinnen und Lehrer sollte sich an dieser Stelle mit konkreten Fragen noch zurückhalten. Als günstig erweist sich, vorher festzulegen, wie lange nach dem Film geschwiegen wird. Nach ein- oder zwei Minuten können sich die Kinder dann melden. Bei dieser ersten spontanen und offenen Aussprache müssen die unterschiedlichen Meinungen zum Film respektiert werden, da sich sonst die Kinder abgewöhnen, ihre ersten Eindrücke zu äußern. Die Beiträge der Kinder sollten von den Lehrerinnen und Lehrern genau registriert und evtl. später wieder aufgegriffen und als Anregung zur Weiterarbeit verstanden werden.
5. Das Filmgespräch
Nach dieser ersten Filmvorführung und einem spontanen Meinungsaustausch folgt nun ein intensiveres Filmgespräch. Ausgangspunkte für ein Filmgesprächen können sein:
Fragen zum Inhalt: Worin unterscheidet sich der Film vom Märchentext?
Fragen zum Gehalt: War es richtig, wie sich die Märchenfigur verhalten hat?
Fragen zur Form: Welchen Einstellungsgrößen oder Perspektiven hast du entdeckt? Wie findest du die Schauspieler, die Geräusche und die Musik?
Fragen zur Wirkung: Welche Szene hat dich besonders beeindruckt?
Fragen zur Bewertung: Welche Note gibst du dem Film? Begründe deine Entscheidung. Die Noten können in Form von Punkten, Sternchen oder einer Daumenabstimmung gegeben werden.
Auch in der Grundschule sollten vertiefende Gespräche zum Film stattfinden, auch wenn diese sicherlich kürzer und in einer anderen Qualität ausfallen als bei älteren Schülern.
6. Produktive und kreative Arbeit
Zum Abschluss können die Schüler nun aktiv werden und den Film musisch-spielerisch verarbeiten. Hierzu gehören alle Formen des bildnerischen Umgangs (z. B. Malen, Collagieren oder Drucken), des Spielens (z. B. Szenen nachspielen, verändern oder neu erfinden) oder der Verarbeitung mit Hilfe von anderen Medien (z. B. eigene Märchenbuch- Ton- oder Videoproduktion).
Quelle:
Michael Sahr: Zeit für Märchen – Kreativer und medienorientierter Umgang mit einer epischen Kurzform, Schneider Verlag, Hohengehren, 2007