
Durchblick 14+ – Tommys Inferno – Ove Raymond Gyldenås – N 2005 – 91 min
Norwegen 2005
Buch und Regie: Ove Raymond Gyldenås
Kamera: Jon Gaute Espevold
Schnitt: Sophie Hesselberg
Musik: Ginge Anvik
Szenenbild: Astrid Sætren
Kostüm: Kjell Nordström
Produzenten: Christian Fredrik Martin, Asle Vatn
Produktion: Friland AS
Darsteller/innen
Eirik Evjen (Tommy), Anine Eckhoff (Maria), Mehran Iqbal (Ahmed), Linn Skåber (Tommys Mutter), Anh Vu (Mai), Anne Lene Heiberg (Vivian), Carl Christian F. Grimstad (Daniel), Yassmine Johansen (Rubina), Atle Antonsen (Vogelverkäufer) u.a.
Laufzeit: 91 Min.
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Internationales Festival für Kinder und Jugendliche Zlin 2005 (Preis für den besten Jugendfilm)
Nordische Filmtage Lübeck 2005
Internationales Filmwochenende Würzburg 2006
Seit drei Jahren sind Tommy und Maria nun zusammen. Sie sind ein glückliches Paar. Für Maria ist es eindeutig an der Zeit, dass sie endlich miteinander schlafen. Ganz im Gegensatz zu Tommy. Tommy ist stark geprägt durch die christliche Religion seines verstorbenen Vaters, einem Geistlichen, den er nur von einem alten Foto kennt. Und so ist für ihn selbstverständlich, dass er mit dem ersten Sex bis nach der Hochzeit warten will. So sehr sich Tommy und Maria auch lieben, so sehr wird dieses Prinzip für ihre Beziehung zu einem großen Problem.
Als Maria nach einem weiteren erfolglosen Verführungsversuch um eine Beziehungspause bittet, sucht Tommy bei seinem Kumpel Ahmed Trost. Ahmed ist das exakte Gegenteil von Tommy. Die einzigen Regeln, die er befolgt, sind solche, die er sich selbst gesetzt hat – und diese drehen sich nur um eines: Du bist dir selbst der Nächste! So schert er sich weder sonderlich viel um das Rauchverbot der Eltern noch um die Einhaltung des islamischen Fastenmonats Ramadan. Und auch mit Sex pflegt er einen weitaus freieren Umgang. Zwar hat er selbst keine Freundin, doch Tommys Beziehung gibt seiner schmutzigen Fantasie genug Impulse, um daraus detaillierte pornografische Kurzgeschichten zu entwickeln. Ahmed weiß, wie Tommy seine Maria wiedergewinnen kann: Er muss sich rar machen, exotischer werden. Eine Schönheitskur und ein Klamottenwechsel sollen ihn wieder auf Kurs bringen.
Tatsächlich beginnt Maria, wieder Augen für Tommy zu haben. Ihre neue Freundin Vivian allerdings bringt sie auch in einen Zwiespalt, denn Vivian ist weitaus cooler als Maria, und was Sex angeht hat sie schon eine Menge Erfahrung.
Nachdem auch Maria Ahmeds neue Episode von „Tommys Sexodyssee“ in einer Zeitschrift gelesen hat und die offenherzigen Darstellungen fälschlicherweise für Tommys Fantasie hält, will sie ihm eine neue Chance geben. Tommy freut sich zunächst, doch am Ende geht der Abend wie immer aus. Tommy bekommt Panik und bricht ab. Frustriert macht Maria mit ihm Schluss.
Als Maria mit dem sportlichen Daniel, zugleich Regisseur und Hauptdarsteller des Theaterstücks „King Lear“, das gerade an der Schule einstudiert wird, anbandelt, wächst in Tommy grenzenlose Eifersucht. Er versucht, mit anderen Mädchen zu flirten, um Maria eifersüchtig zu machen, doch er kann einfach nicht aufhören, an sie zu denken. Noch schlimmer wird die Situation, als Tommy zufällig mitbekommt, dass Daniel vorhat, mit Maria zu schlafen. Auf der Schulparty spricht Tommy Maria nochmals an – doch diese will nicht mehr viel mit ihm zu tun haben. Tommy verliert das Bewusstsein. Als er wieder zu sich kommt, sind Maria und Daniel fort. So schnell er auch zu Marias Haus rennt, er kann es nicht mehr verhindern, dass die beiden miteinander schlafen.
Wut wächst in Tommy auf seinen Glauben. Noch größere Wut jedoch empfindet er für seine Mutter, als diese ihn trösten will und ihm dabei gesteht, dass der Mann auf dem Foto nicht sein Vater ist. Um diesem Trugbild gerecht zu werden, hatte Tommy seine Beziehung zu Maria aufgegeben.
Als er Maria und Daniel heimlich beim Sex auf der Bühne des Schultheaters beobachtet, verliert er die Kontrolle und bringt Daniel durch einen herabstürzenden Scheinwerfer in eine lebensgefährliche Situation. Ahmed wird darauf aufmerksam und weiß, dass er seinem Freund helfen muss. Er inszeniert für ihn ein Schauspiel, in dem Tommy Daniel exekutieren darf, um dadurch seinen Frust auszuleben. Im Glauben, dies sei eine Übung in method acting, spielt Daniel willig mit. Doch die Farce fliegt auf und für Tommy gibt es nur noch eine Möglichkeit, mit Ahmed zu streiten: mit den Fäusten. Während die Jungen in dieser Nacht ihre Konflikte mit Gewalt lösen, gehen Vivian und Maria einen anderen Weg. Sie erzählen sich von ihren enttäuschenden sexuellen Erfahrungen mit Jungen – und schlafen miteinander. Doch während die scheinbar so forsche Vivian sich am nächsten Tag dafür schämt, hat sich in Marias Leben etwas verändert.
Als der nächste Morgen anbricht, hat Tommy ein neues Ziel. Er will seinen richtigen Vater besuchen, dessen Adresse er von seiner Mutter bekommen hat. Auf dem Bahnhof trifft er auf Mai, eine Mitschülerin, die schon lange Augen auf ihn geworfen hat. Bislang war sie Tommy nur lästig. Doch an diesem Tag ist etwas anders. Sie gefällt ihm. Und sie begleitet ihn auf der Fahrt zu seinem Vater.
Ove Raymond Gyldenås studierte Regie an der Norwegischen Filmschule Den Norske Filmskolen in Lillehammer. Sein Abschlusskurzfilm „Sinnssyk i Gjerningsøyeblikket“ aus dem Jahr 2001 wurde mit großem Erfolg auf mehreren Festivals gezeigt. Im Anschluss drehte er Werbefilme. „Tommys Inferno“ ist sein erster abendfüllender Spielfilm.