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Bundesverband Jugend und Film e.V. - DVD-Edition - Durchblick Filme - www.durchblick-filme.de

Durchblick 8+ – Übergeschnappt – Knetter – M. Koolhoven – NL 2005 – 81 min.

2. Zum Film

Übergeschnappt
(Alternativtitel: Bipolar – Meine Mama ist anders)

Niederlande 2005

Originaltitel Knetter
Regie Martin Koolhoven
Drehbuch Mieke de Jong
Kamera Menno Westendorp
Schnitt Job ter Burg
Musik Dirk Brossé
Kostüme Maartie Wevers
Maske Trudy Buren
Tiertrainer Lutz Freiwald
Produktion Lemming Film, A Private View, VPRO-TV
Produzenten Joost de Vries, Mieke de Wulf, Leontine Petit, Jean-Claude van Rijckeghem
FSK-Freigabe ab 6 Jahren
BJF-Empfehlung ab 8 Jahren
Länge 81 Minuten

 

Darsteller
Jesse Rinsma (Bonnie), Tom van Kessel (Koos), Carice van Houten (Bonnies Mutter Lis), Frieda Pittoors (Nachbarin Puch), Daan Schuurmanns (Cees), Leny Breederveld (Großmutter), Edo Brunner (Lehrer)

 

Festivals/Preise

CINEKID Niederlande 2005 – Publikumspreis

Zlín International Film Festival for Children and Youth, Tschechien, 2006
– Hauptpreis der Kinderjury,
– „Goldener Schuh“ als Bester Spielfilm für Kinder,
– Lobende Erwähnung der Ökumenischen Jury

Cairo International Film Festival for Children 2006 – Silber Cairo

Niederländisches Filmfestival 2006 – Publikumspreis
Nominierung für das Goldene Kalb – Beste männliche Nebenrolle: Edo Brunner

Leeds Young People’s Film Festival, Großbritannien 2006 – Publikumspreis

Montevideo Film Festival for Children and Young People 2006 – Bester Spielfilm und Großer Preis der Jury

18. Internationales Kinderfilmfestival Wien 2006 – Lobende Erwähnung

Cinepänz, Kinderfilmfest Köln 2007 – Erster Preis

 

Inhalt

Was tut man, wenn die Mutter sich verrückter benimmt als man selbst? Bonnie ist neun Jahre alt und lebt mit ihrer manisch-depressiven Mutter Liz und ihrer Großmutter in einer kleinen niederländischen Stadt. Nach dem tödlichen Unfall der Großmutter, die die Familie bis dahin bestens versorgt hat, wird es für Bonnie schwierig. Nicht nur, weil ihre Mutter nicht mehr aufstehen mag, auch die Mitarbeiterin vom Jugendamt, die plötzlich vor der Tür steht, macht Bonnie Angst. Leider hat sie nicht so viele Geschwister wie ihr Freund Koos, aber vielleicht ließe sich da Abhilfe schaffen. Ein Baby im Haus – das wäre toll.

Liz gibt sich leider weder Mühe, ihre Krankheit in den Griff zu bekommen, noch ist sie für ein Baby zu begeistern. Als sie Bonnie auch noch vor der ganzen Klasse blamiert, klettert diese verzweifelt aufs Hausdach und kommt erst wieder herunter als ihr die Mutter Besserung gelobt. Und tatsächlich geht es Liz bald wieder gut. Sie lernt Cees kennen, einen eingebildeten, allerdings recht hübschen Schuhverkäufer, und Bonnies Idee, einen Bruder zu bekommen, erhält neue Nahrung. Doch die Frau vom Jugendamt, die wieder einmal nach dem Rechten sehen will, zieht Bonnie diesen Zahn. Ein Baby würde bei einer psychisch kranken Mutter sofort in ein Kinderheim gegeben. Plötzlich gilt es, das Baby zu verhindern. Bonnie verbringt eine lange Nacht damit, die Nähe zwischen Liz und Cees zu stören. Mit Erfolg – und da Cees von Liz verlangt, dass sie Bonnie dafür bestraft, trennt sich Bonnies Mutter kurzerhand wieder von ihm.

Aber die Lage spitzt sich weiter zu. Liz benimmt sich immer verrückter und die Mitarbeiterin vom Jugendamt steht auch wieder vor der Tür. Bonnie muss sich schnell etwas einfallen lassen, um nicht von der Mutter getrennt zu werden. Wie gut, wenn man da eine Nachbarin hat, von der man dachte, dass sie nur zum „Ärgern“ taugt ...

Eine ausführliche Inhaltsangabe finden Sie im Menüpunkt „Der Film in elf Kapiteln“.

 

Filmfestivals – Auszeichnungen – Jurybegründungen

1.Platz: „Übergeschnappt“
Begründung der Kinder von CINEPÄNZ, Kinderfilmfest Köln 2007

In dem Film „Übergeschnappt“ geht es um Bonnie und ihre Mutter, die eine „ganz-oder-gar-nicht-Mutter“ ist: Weil die Mutter manisch-depressiv ist, liegt sie entweder lustlos im Bett und kümmert sich um nichts, oder sie ist ganz aufgedreht und übergeschnappt, könnte Bäume ausreißen und albert mit Bonnie rum. Das Fürsorgeamt macht sich Sorgen um Bonnie und will sie in ein Heim geben, also muss Bonnie sich ganz schnell was einfallen lassen, um ihre verrückte Familie zusammen zu halten.

Wir haben den Film „Übergeschnappt“ auf den ersten Platz gesetzt, weil das schwierige Thema „Depression“ gut rübergebracht wurde. Es wurde auf eine sehr humorvolle Weise von der Familie erzählt, ohne das Problem zu verharmlosen. Man erlebt mit, wie die Familie trotz der Krankheit der Mutter zusammenhält. Wir fanden es schön, dass die Geschichte aus Bonnies Sicht erzählt worden ist. Dabei hat uns außerdem gefallen, dass Bonnie so eigenständig war und man auch Szenen aus ihrem Alltag gesehen hat, z.B. in der Schule oder Spiele mit ihrem Freund Koos.

Der Film hat viele unterschiedliche Gefühle in uns ausgelöst. Es gab Stellen, die sehr traurig waren, aber man konnte auch immer wieder lachen. Diese Mischung hat uns gut gefallen. Der Film war sehr liebevoll gemacht und es gab sehr viele Details, wie z.B. die Elefanten, die es überall im Film gibt. Die Charaktere haben sich gut ergänzt, auch der Lehrer ist toll, weil er sich als eine so große Hilfe für Bonnie erweist. Wir fanden auch gut, dass das Ende offen gestaltet wurde und dass eine ungewöhnliche Lösung für das Problem mit Bonnies Mutter gefunden wurde, die für ganz viele Figuren ein Happy End mit sich brachte.

 

Knetter – Durchgeknallt
Lobende Erwähnung der Kinderjury, 18. Internationales Kinderfilmfestival Wien

Diesen Film finden wir besonders "kinomäßig". Trotz der ernsten Themen, der psychisch kranken Mutter und dem Tod der Großmutter und seinen Folgen, ist der Film fröhlich, bunt, temporeich und lebensbejahend. Neben den hervorragenden SchauspielerInnen-Leistungen haben uns auch die Kamera, der Einsatz von Zeitraffer und Zeitlupe und die Musik sehr gut gefallen.

 

Kritik der Kinderjury, 18. Internationales Kinderfilmfestival Wien

Diesen Film finden wir besonders „kinomäßig“! Trotz der ernsten Themen, der psychisch kranken Mutter und dem Tod der Großmutter und seinen Folgen, ist der Film fröhlich, bunt, temporeich und lebensbejahend.

Gleich der Beginn mit den Comics-Elefanten (Anfangs-Credits mit SchauspielerInnen usw.) ist sehr gelungen. Danach folgt der Einstieg, bei dem Bonnie erzählt, wie unterschiedlich Familien sein können. Auf der sehr witzig gemachten Bild-Ebene sieht man dabei die rothaarige Familie von Bonnies Freund Koos, alle kugelrunden Menschen in der Familie von Bonnies Lehrer und einen langhaarigen Mann mit seinem langhaarigen Hund im Auto nebeneinander sitzend.

Bonnies Familie ist eine wirklich „ver-rückte“ und anders als andere Familien. Bonnie, ihre Mutter und ihre Großmutter übernachten z.B. manchmal im Zelt, oder die Mutter bringt schon einmal einen Elefanten als Geschenk für Bonnie mit nach Hause. Die Mutter, deren Stimmungsschwankungen bestimmt sehr schwer zu spielen waren, holt Bonnie einmal im Pyjama von der Schule ab und Bonnie schämt sich sehr dafür.

Ganz besonders lustig ist Bonnies Baby-Plan. Als erstes fasst sie ihren netten Lehrer als zukünftigen Vater für das gewünschte Brüderchen ins Auge, aber das klappt nicht. Auch als sie sich Koos’ kleinstes Geschwisterchen „ausborgen“ will, geht das schief. Der Schuh-Verkäufer Cees wäre dann als nächstes als Vater sehr willkommen, doch das Jugendamt kommt dazwischen und Bonnie überlegt sich die Sache mit dem Baby anders. Cees und ihre Mutter verstehen Bonnies Meinungsschwenk natürlich überhaupt nicht und es kommt zu einigen sehr lustigen Komplikationen.

Besonders gelungen ist auch, wie sich Bonnie nach und nach mit der Nachbarin Puch anfreundet. Zunächst vermuten Bonnie und Koos durch ihre gemeinsamen Beobachtungen ja sogar, dass Puch eine „Mörderin“ ist und sie „Blut“ an ihren Händen hat. Am Ende ist Puch aber als Tante in die Familie integriert und nimmt am Foto den Platz von Bonnies Oma ein (das gleiche Foto mit Oma in der Mitte war am Beginn des Films zu sehen).

Vieles im Film wird gut vorbereitet und ist daher vorhersehbar, was aber z.B. beim Unfall der Großmutter sehr hilfreich ist. Wenn der Unfall ganz plötzlich gekommen wäre, hätten wir daran vielleicht sehr schwer zu schlucken gehabt.

Neben den hervorragenden SchauspielerInnen-Leistungen haben uns auch die Kamera-Perspektiven (mal Vogel-, mal Frosch-Perspektiven), der Einsatz von Zeitraffer und Zeitlupe (z.B. Bonnie beim Eis essen ist langsam, ihre Mutter mit dem Kellner tanzend im Hintergrund ist schnell) sowie die besonders genutzten Vorder- und Hintergründe (z.B. als die Mutter den Ticket-Verkäufer beim Zirkus mit ihrer Handtasche schlägt) sehr gut gefallen.

Dieser Film ist deshalb so außergewöhnlich, weil er aus dem schwierigen Thema „Psychische Krankheit“ eine für uns völlig neue und unerwartet humorvolle Geschichte macht. Unbedingt hingehen und anschauen!

 

Bundesweites Filmfestival
Ausnahme|Zustand – Verrückt nach Leben

Der niederländische Regisseur Martin Koolhoven greift in dieser wunderbaren Tragikkomödie auf heitere und unkonventionelle Weise ein schwieriges Thema auf. Wie leben Kinder mit Eltern, die psychisch krank sind? Ein Film voller verrückter, manchmal fast märchenhafter Ideen und Wendungen, der die Probleme für Kinder ebenso wie für Erwachsene verständlich aufbereitet. Auf beeindruckende Weise gelingt dem Film damit die Balance zwischen Lachen und Weinen, Leichtigkeit und Betroffenheit, um die seine Hauptfiguren täglich aufs Neue ringen.

 

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