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Bundesverband Jugend und Film e.V. - DVD-Edition - Durchblick Filme - www.durchblick-filme.de

Durchblick 8+ – Übergeschnappt – Knetter – M. Koolhoven – NL 2005 – 81 min.

5. Methodische Vorschläge für den Unterricht

5.3 Medienkompetenz / Medienpädagogik

„Übergeschnappt“ ist ein klassisch erzählter Kinderfilm mit emotionalen Höhen und Tiefen und dem geschickten Wechsel von humorvollen und traurigen oder aufregenden Passagen, der den Sehbedürfnissen des kindlichen Zuschauers entspricht. Innerhalb dieser klassischen Erzählstruktur nutzt der Film spezifische Elemente, die dem Thema und seiner Verständnis vermittelnden Absicht auf besondere Weise gerecht werden. Dazu gehören

Deshalb eignet sich „Übergeschnappt“ sehr gut für den fächerübergreifenden medienpädagogischen Unterricht. In diesem Kontext können die oben genannten Gestaltungsmittel am Beispiel des Films nacheinander behandelt werden, so dass drei sehr wichtige Mittel der Filmsprache mit Hilfe des Filmes erklärt und verstanden werden können.

 

Die Arbeit mit der Video-Ebene der DVD

Auf der Video-Ebene befinden sich neben der Aufteilung des Filmes in einzelne Kapitel (die in Gruppenarbeit oder im Klassenverband wiederholt angesehen und analysiert werden können) Sequenzen und andere Ausschnitte, die für bestimmte Erzählphasen typisch sind. Diese Kapitel und Sequenzen eignen sich zur Illustration bestimmter filmsprachlicher Muster, die der Film verwendet um seine Geschichte zu erzählen.

Außerdem können hier – wie in einer Diashow – bestimmte Bilder aus dem Film nacheinander gezeigt und betrachtet werden. Zu diesen Bildern erzählen die Schülerinnen und Schüler etwas über die Situationen, die dort zu sehen sind – oder sie assoziieren ihre Empfindungen beim Sehen und denken über die Wirkung nach, die das Bild auf sie hatte. Je nach zeitlicher und räumlicher Möglichkeit kann mit der Video-Ebene im Klassenverband oder in Gruppen- oder Einzelbetrachtung im Unterricht gearbeitet werden.

 

Die Arbeit mit den Arbeitsblättern zur Medienkompetenz

Die Arbeitsblätter 3 bis 10 eignen sich für die filmsprachliche und medienpädagogische Arbeit. Zum einen geben sie Anhaltspunkte, wie der Film seine Geschichte erzählt, anhand derer die Schülerinnen und Schüler den Aufbau erkennen, ergänzen oder selbst erklären können, zum anderen greifen sie filmsprachliche Regeln auf (wie den Schnitt oder die Kameraarbeit), die über die Bilder aus dem Film besser verstanden werden bzw. von den Kindern in einen Ablauf des Filmemachens gebracht werden können.

In Verbindung mit Unterrichtseinheiten zum Inhalt des Filmes werden die Gesetzmäßigkeiten der Filmgestaltung verständlich und die Möglichkeiten, über die Gestaltung bestimmte Wirkungen zu erzielen, deutlich.

Der Spannungsbogen des Films besteht aus fünf großen Abschnitten, die durch kleine, oft humorvolle Ergänzungen miteinander verbunden sind:

  1. Bonnies Familie wird vorgestellt – die Krankheit der Mutter auch (dieser Abschnitt ist mit kleinen lustigen Episoden in der manischen Phase der Krankheit durchsetzt und zeigt eine fröhliche Gemeinschaft).
  2. Die Großmutter verunglückt und stirbt (die Zerstörung der Gemeinschaft bedroht die beiden Hauptpersonen).
  3. Die Mutter ist depressiv und kümmert sich um nichts / Bonnie entwickelt die Idee, dass ein Baby die entstandene Lücke füllen könnte (die Bedrohung wächst und erreicht mit der Rückkehr vom Schulausflug ihren Höhepunkt. Bonnie greift zu immer drastischeren Maßnahmen und erreicht, dass die Mutter sich schließlich zusammenreißt und Mühe gibt).
  4. Aufbruch und Hoffnung mit Vorahnungen – die Mutter in ihrer manischen Phase / Jorien vom Jugendamt auf dem Vormarsch (die Stimmungsauflockerung nimmt der Bedrohung einen Teil des Schreckens, doch die Ahnung, dass es so auch nicht funktioniert und die Bedrohung noch im Raum steht, bleibt).
  5. Zerstörung der Hoffnung, Katastrophe und Happy End (durch die endgültige Zerstörung der Hoffnung entsteht eine solche Verzweiflung, dass daraus eine Lösungsidee erwächst).

Die Schülerinnen und Schüler können in Gruppenarbeit Anfang und Ende des jeweiligen Abschnittes der Handlung herausarbeiten und die Verflechtung mit dem vorhergehenden bzw. nachfolgenden Abschnitt entdecken.

Der Ablauf der Handlung wirkt durch die Dramaturgie in der Konsequenz unausweichlich. Als Zuschauer denkt man häufiger: „Das kann doch nicht gut gehen“ und erwartet Bonnies Enttäuschung oder Wut. Auch der Aspekt der Zuschauererwartung kann in diesem Zusammenhang durch Fragen an die Schülerinnen und Schüler herausgearbeitet werden:

Der Spannungsbogen wird in diesem Film an mehreren Stellen durch die erzählerische Vorwegnahme dramatischer Ereignisse unterbrochen. Beispielsweise lenkt der „Innere Monolog“ in der Sequenz, in der die Großmutter verunglückt, bereits darauf hin, dass etwas Schlimmes geschehen wird. Ähnlich ist es in der Sequenz, in der Jorien vor der Tür steht und die Idee, ein Baby würde die familiäre Situation verbessern, zunichte macht. Bonnies Gedanken über diese Ereignisse und die Gefühle, die sie dabei begleiten, werden im Inneren Monolog dabei oft mit der Frage verbunden, was ein Elefant in dieser Situation tun würde. Der Gedanke an das starke Tier hat etwas Tröstliches, Standhaftes und hilft – ebenso wie die Vorbereitung auf das Ereignis –, den Schrecken für den Zuschauer abzumildern.

Die Schülerinnen und Schüler können solche Situationen im Film heraussuchen, sie noch einmal anhören / ansehen und die Gegensätze zwischen Bild und „Innerem Monolog“ mit der Fragestellung herausarbeiten „Warum ist der Film an dieser Stelle so gestaltet?“. Für die Analyse der „Unfallsequenz“ eignet sich auch Arbeitsblatt 4.

Die ungewöhnliche Kombination von Bild und Ton in Phasen des „Inneren Monologes“ kann außerdem anhand der Sequenz-Beispiele auf der Video-Ebene sehr gut herausgearbeitet werden. Hilfestellung bietet hier auch Arbeitsblatt 8, das diese Verknüpfungen der Wahrnehmungsebenen aufgreift und Fragestellungen dazu enthält.

Im Zusammenhang mit dem Spannungsbogen können auch die Kameraperspektiven und Bildausschnitte analysiert werden. Fachbegriffe zur Filmsprache sind im Menüpunkt „Filmsprache“ im Überblick zusammengestellt. Arbeitsblatt 4, Arbeitsblatt 6 und Arbeitsblatt 10 bieten weitere Anregungen und Hilfestellungen.

Filme erzählen ihre Geschichten in Sequenzen, die wiederum in Szenen unterteilt sind. Die kleinste audiovisuelle Einheit ist dabei die Einstellung, die – kombiniert mit anderen Einstellungen – Stil und Erzählweise bestimmt. Vergleichbar vielleicht mit dem Satz, der in Verbindung mit anderen Sätzen einen Abschnitt ergibt aus dem sich, kombiniert mit weiteren Abschnitten ein Buchkapitel mit einem Teil der Handlung zusammenfügt. Die Übergänge zwischen Einstellungen, Szenen und Sequenzen werden durch die Art des Filmschnittes bestimmt. Beispiele für den Filmschnitt von „Übergeschnappt“ lassen sich von den Schülerinnen und Schülern anhand von Beispielen auf der Video-Ebene selbst erarbeiten. Sie können jedoch auch mit Hilfe von Arbeitsblatt 7 und Arbeitsblatt 9 näher betrachtet und beschrieben werden.

 

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