
Von Beate Völcker
Die filmische Erzählung von „Winky will ein Pferd“ konzentriert sich ganz auf ihre sechsjährige Hauptfigur Winky, die in einem anderen Land und einer fremden Kultur ein neues Zuhause finden muss. Der Film beginnt mit Winkys Reise in die Niederlande. Ihre Erzählerstimme aus dem Off berichtet, dass sie sich noch sehr genau an ihre Ankunft erinnert. Alles war ganz anders als in China. Am Ende ihrer Geschichte, nachdem Winky von ihren Eltern die Erlaubnis erhalten hat, für das Pferd des Nikolaus’ zu sorgen, greift ihre Erzählerstimme ihre Erfahrungen vom Anfang wieder auf: Damals wusste sie nichts über die Niederlande, aber ihre Mutter und ihr Vater auch nicht. Sie kannten nicht einmal den Nikolaus. Das tun sie jetzt – glücklicherweise. Dazwischen liegen einige Monate, in denen sich für Winky viel verändert hat. Humorvoll und unterhaltsam erzählt, greift „Winky will ein Pferd“ ein im Grunde ernsthaftes Thema auf, das von den Schwierigkeiten und dem Gelingen einer kulturellen und sozialen Integration handelt. Dabei spielt Winkys Begegnung mit den Gebräuchen um den St. Nikolaus eine gleichsam wundersame und entscheidende Rolle.
Winkys Charakterzeichnung zeigt sie als offenes, intelligentes und willensstarkes Mädchen, das sich den Herausforderungen in ihrer neuen Heimat mit viel Mut und Einfallsreichtum stellt. Damit wird sie zu einer starken Identifikationsfigur. Zugleich ist sie hilfsbereit und zeigt ein waches Gespür für die Situationen anderer, etwa wenn sie ihren Vater ganz selbstverständlich im Restaurant unterstützen will. Der Anfang des Films schildert all’ das Neue, mit dem sich Winky konfrontiert sieht und das sie begreifen muss. Winkys Erzählerstimme kommentiert dabei immer wieder die Geschehnisse und gibt dem Publikum so einen direkten Zugang zu ihren Gedanken. Noch sind Ferien und ihr Aktionsradius beschränkt sich auf das Elternhaus, in dem sich auch das Restaurant befindet, und dessen unmittelbare Umgebung. Winky lernt die Menschen in diesem Umfeld kennen, den Nachbarn, seine nette Tochter Sofie und Samir, der im Restaurant hilft. Von ihrem Vater hat sie gleichsam als Willkommensgeschenk ihr erstes Fahrrad bekommen. Seine rote Farbe und der chinesische Drache, der den Fahrradkorb schmückt, verweisen auf Winkys eigenen kulturellen Hintergrund. Zugleich wird das Rad ihr Vehikel, um bald eigenständig ihre Umgebung zu erkunden. Im Restaurant, wo das Tischdecken zu Winkys Aufgaben gehört, lernt sie, dass in den Niederlanden mit Besteck gegessen wird, wobei das Messer rechts und die Gabel links neben den Teller kommen. Die Sprache ist ein weiterer zentraler Bestandteil ihrer neuen Heimat. Während ihre Mutter sich damit schwer tut, greift Winky wissbegierig alle Sätze auf, die sie hört. Wie ihr Vater ist sie der Meinung, dass es wichtig ist, die neue Sprache schnell und gut zu lernen.
Neben dem Elternhaus wird die Schule zu einem weiteren zentralen Lebens- und Erfahrungsbereich. Winky freut sich darauf, muss dann aber schnell feststellen, dass es dort nicht einfach für sie ist. Das Problem liegt darin, dass es niemanden gibt, der Winky wirklich bei der Hand nimmt und ihr bei den ersten Schritten die notwendigen Hilfestellungen gibt. Ihre Mutter kann das nicht leisten, weil sie sich selbst nicht mit holländischen Gepflogenheiten auskennt. Ihr Rat an die Tochter besteht darin, auf die Lehrerin zu hören. Gleich die erste Szene in der Schule zeichnet ein treffendes Bild von Winkys dortiger Ausgangssituation. Die Schüler erhalten zum Unterrichtsbeginn je ein Heft und die Aufgabe, ihren Namen darauf zu schreiben. Die Lehrerin hat Winky zwar freundlich begrüßt und der Klasse vorgestellt, aber mit der Aufgabe lässt sie sie allein. Winky tut ihr Bestes und schreibt ihren Namen in chinesischen Zeichen. Darüber macht sich ihr Banknachbar lustig. Er entreißt ihr das Heft und behauptet, Winky könne nicht schreiben. Alle Kinder lachen. Die Lehrerin lobt Winky zwar für ihre Lösung und findet die chinesischen Zeichen schön. Doch dann zeigt sie ihr einfach nur, wie sie ihren Namen auf Holländisch schreibt. Sie nimmt die Situation nicht etwa zum Anlass, in ihrer Klasse ein besonderes Verständnis für die neue Mitschülerin zu schaffen. Auch im Folgenden gibt sie sich keine besondere Mühe, Winky dort abzuholen, wo sie steht, und sie gut in die Klasse zu integrieren. Sie empfiehlt ihr lediglich, es den anderen Kindern gleichzutun. Das führt für Winky zu einem beschämenden Missverständnis, als sie wie das Geburtstagskind der Klasse ebenfalls auf den Stuhl steigt und deshalb von allen Kindern ausgelacht wird.
Winky muss also zu Beginn alleine sehen, wie sie sich in der neuen Kultur zurechtfindet, und das gelingt ihr eigentlich sehr gut. Wie nebenbei greift der Film diesen Entwicklungsprozess immer wieder auf und erzählt von Winkys Fortschritten. In der Schule kann sie bald flüssig Holländisch lesen. Trotzdem macht sie die Erfahrung, dass sie immer wieder unterschätzt wird. Einmal sollen die Kinder von ihren Haustieren erzählen. Winky berichtet, dass sie ein Pferd besäße. Das glauben ihr weder die anderen Kinder noch die Lehrerin. Letztere vermutet, dass Winky einfach die Wörter noch nicht kennt und eigentlich die Fische im Restaurant meint. Aber Winky verfügt über ein gesundes Selbstbewusstsein. Ihre Erzählerstimme kommentiert, auch wenn die Lehrerin denke, dass sie die Sprache noch nicht kann, so habe sie doch sehr wohl verstanden. Und wenn es auch noch vieles gäbe, was sie nicht wisse, so habe sie doch schon einiges gelernt. Das macht Winky stolz und froh und sie fühlt sich auch deshalb immer mehr in den Niederlanden daheim.
Migration beinhaltet oft die Erfahrung von Einsamkeit. Diesen Aspekt greift Winkys Geschichte ebenfalls sehr einfühlsam auf. Winky fehlen gleichaltrige Freunde, mit denen sie spielen und ihre Erfahrungen auf gleicher Ebene teilen kann. So sehen wir sie am Anfang immer alleine auf dem Schulhof stehen, die anderen Kinder kümmern sich nicht um sie. Aus diesem Gefühl der Einsamkeit heraus gewinnt das Pony Saartje für sie eine ganz besondere Bedeutung.
Die Beziehung zwischen Kindern und Tieren ist von jeher eine besondere. Kinder lieben Tiere. Sie bedeuten Nähe und Wärme, verlässliche Freundschaft, Zuneigung und Vertrauen. Ein Tier ist ein lebendiges Wesen, das ganz für einen da ist, mit dem man spielen und für das man sorgen kann. All diese Funktionen übernimmt das Pony Saartje für Winky. Weil Winky sonst keine Freunde hat und ihre Eltern, die ganz von ihrer Arbeit beansprucht sind, so wenig Zeit für sie erübrigen können, wird Saartje noch wichtiger für sie. Winky selbst erweist sich als treue Freundin. Immer wenn sie ihre Pflichten im Restaurant erledigt hat, eilt sie auf ihrem Fahrrad zur Weide. Sie bringt Saartje Karotten mit oder flicht ihr Zöpfe in die Mähne. Bei Saartje findet Winky auch Trost, als ihre Großmutter erkrankt und ihre Mutter nach China fliegen muss.
Über das Pony findet Winky auch neue Freunde. Zuerst lernt sie die Besitzer kennen, Tante Cor und Onkel Siem. Die geteilte Liebe zu Pferden führt schließlich auch zur Freundschaft mit Maaike. Diese Mitschülerin lacht als einzige nicht, wenn Winky in der Klasse „ihr“ Pferd erwähnt, sondern horcht interessiert auf. Sie fragt Winky, ob sie das Pferd einmal sehen kann. Ausgerechnet an dem Tag, an dem Winky Maaike mit zur Weide nimmt, ist Saartje nicht da. In Maaike keimen kurz Zweifel auf. Vielleicht hat Winky doch gelogen? Doch Winky weiß, wo sie suchen muss. Mit Maaike auf dem Gepäckträger radelt sie zum Hof von Tante Cor und Onkel Siem.
Die dramaturgischen und emotionalen Stärken des Films zeigen sich ganz besonders darin, wie er die Beziehung Winkys zu Saartje mit der zu Maaike verknüpft. Maaike erlebt mit Winky den Tod des Ponys mit, das eingeschläfert werden muss. Dieses schmerzliche und bewegende Erlebnis verbindet die beiden Mädchen und zugleich ist der Verlust nicht ganz so schrecklich für Winky, weil sie in Maaike eine neue Freundin findet. Das vermittelt der Film ohne Worte, nur über die Bildsprache, wenn auf dem Nachhauseweg nun Maaike in die Pedale tritt, Winky traurig auf dem Gepäckträger zuerst aufrecht sitzt und sich dann Trost suchend an Maaike anlehnt.
Erste Erfahrungen mit dem Tod als Bestandteil des Lebens machen Kinder oftmals, wenn Haustiere sterben. Das einschneidende Erlebnis beschäftigt Winky in ihren Gedanken und Gefühlen natürlich weiter. Der Film greift es im Off-Kommentar oder in Dialogen, etwa mit Tante Cor, an einigen Stellen immer wieder auf. Winky belastet es auch, dass sie ihren Eltern, die ihr den Umgang mit dem Pferd verboten hatten, nichts von ihrem Kummer erzählen kann. Das Thema Tod schiebt sich noch in einem anderen Zusammenhang in Winkys Gedankenwelt. Als Winkys Mutter gegen Ende des Films von ihrem Krankenbesuch aus China zurückkommt, fragt Winky, ob die Großmutter wieder gesund sei und niemals sterben werde. Ihr Vater erklärt ihr, dass alle Menschen einmal sterben werden. Dieses Thema spielt insgesamt sicherlich eine untergeordnete Rolle in „Winky will ein Pferd“, aber auch im Umgang mit diesem Aspekt zeigt sich die sensible Machart des Films, der die Gefühlswelt seiner kindlichen Protagonistin sehr ernst nimmt und sie nie verrät. Auch wenn Winky in der zweiten Hälfte des Films neue, aufregende und schließlich turbulente Erfahrungen mit dem Nikolaus macht, so drängen diese das zuvor Erlebte nie vollständig in den Hintergrund. Denn letztendlich erzählt „ Winky will ein Pferd“ ja davon, wie Winky aus all ihren gemachten Erfahrungen Sinn und damit ihre Vorstellung von der Welt konstruiert.
Der Nikolaus spielt in der niederländischen Kultur traditionell eine viel größere Rolle als etwa in Deutschland (s. Hintergrundinformation: St. Nikolaus in den Niederlanden). Auch in Winkys Schule wird das Ereignis groß vorbereitet. Ihre erste Begegnung mit der Figur von „Sinterklaas“ und seinem Gehilfen dem „Zwarten Piet“ hat Winky, als sie in der Klasse Gesichter von dem einen oder dem anderen basteln sollen. Winky sitzt zuerst etwas hilflos unter den bereits eifrig arbeitenden Mitschülern. Ganz offensichtlich hat ihr die Lehrerin nicht erklärt, wer diese beiden Figuren eigentlich sind. Doch als sie Winky auffordert, nun einen der beiden zu basteln, geht Winky mit gewohnter Entschlossenheit ans Werk. Sie gestaltet ein Bildnis, in dem Elemente ihrer eigenen Kultur mit Versatzstücken der niederländischen, die sie sich abgeschaut hat, zusammenfließen. Es zeigt ein Gesicht mit gelber Hautfarbe und schwarzem Bart, das die traditionelle Mütze von St. Nikolaus ziert. Die Lehrerin weiß nicht, was sie davon halten soll. Ist das nun St. Nikolaus oder der „Schwarze Piet“? Es ist Maaike, die den Sinn des Bildnisses erfasst: Es handelt sich um einen chinesischer Nikolaus.
Von Maaike erfährt Winky mehr über die Gebräuche um St. Nikolaus und dass er die Wünsche der Kinder erfüllen würde. Und so wünscht sich Winky vom Nikolaus das ersehnte Pferd.
Die Nikolausbräuche werden in der Schule intensiv gepflegt: Die Kinder malen Bilder mit ihren Wünschen darauf, lernen Nikolauslieder, basteln „Schwarzer-Piet-Mützen“, um damit auf die Parade zu gehen und St. Nikolaus bei seiner Ankunft zu begrüßen. Alle Kinder glauben an den Nikolaus und so gibt es für Winky keinen Grund, an ihm zu zweifeln. Selbst Tante Cor und Onkel Piet nehmen den Nikolaus und Winkys Wunsch an ihn ernst und schlagen vor, ihr Bild direkt an den Nikolaus zu schicken. Es ist auch Ausdruck von Winkys Bescheidenheit, dass sie sich nicht sicher ist, ob sie St. Nikolaus wirklich um ein Pferd bitten kann. Das möchte sie gerne klären und macht sich mit gewohnter Entschlossenheit ans Werk, indem sie zuerst versucht, den „Schwarzen Piet“ in ihr Haus zu locken, und dann, als dies nicht klappt, den Nikolaus in Kaufhaus direkt fragt. Spätestens als der ihr versichert, dass ihr einziger Wunsch bestimmt in Erfüllung gehen wird, ist Winky sicher, das Pferd vom Nikolaus zu bekommen. Woher sollte sie auch wissen, dass hinter der eindrucksvollen Erscheinung von St. Nikolaus immer ein anderer Mensch steckt?
Winkys Vater – ihre Mutter weilt zu dieser Zeit bei der kranken Großmutter in China – bekommt von all dem nichts mit. Der kulturelle Brauch um St. Nikolaus ist ihm fremd. Er hat zwar sein Restaurant weihnachtlich dekoriert, aber das ist ein äußerliches Zugeständnis an die Gepflogenheiten im neuen Heimatland. Weihnachten oder Nikolaus haben für ihn keine tiefere Bedeutung. Er ist nicht damit aufgewachsen und kann sich wohl auch deshalb nicht vorstellen, wie sehr die wunderbare und magische Vorstellung von St. Nikolaus die Fantasie eines Kindes besetzen kann. In Familien, die mit diesem Brauchtum vertraut sind, übernehmen die Eltern die Funktion, die Erwartungen ihrer Kinder an den Nikolaus zu lenken und sie vor Enttäuschungen zu bewahren. Winkys Vater kann dies nicht leisten. Winky merkt sehr wohl, dass ihr Vater wenig über St. Nikolaus weiß und nicht an ihn glaubt. Sie hat sogar Verständnis dafür, denn in China gibt es den Nikolaus ja nicht. Aber jetzt leben sie in den Niederlanden. Ihr Wissen um die kulturellen Gebräuche in der neuen Heimat gibt ihr auch ein Gefühl der Stärke und der Überlegenheit gegenüber ihren Eltern. Erst am Tag vor dem Nikolausfest bemerken schließlich Tante Cor und Onkel Siem, dass Winky fest mit dem Pferd vom Nikolaus rechnet, und versuchen sie vorsichtig auf eine Enttäuschung vorzubereiten, ohne Winkys Glauben an St. Nikolaus zu zerstören. Doch dafür ist es jetzt zu spät. Immerhin hat Winky das Versprechen vom Nikolaus persönlich.
„Winky will ein Pferd“ nimmt den kindlichen Glauben an St. Nikolaus ernst und entlarvt ihn auch am Ende nicht. Der Film findet eine Lösung, durch die nicht nur Winkys Wunsch doch noch in Erfüllung gehen kann, sondern auch ihre Eltern am Ende in das wunderbare Tun des Nikolaus einbezogen sind und so in Winkys Wahrnehmung seine Existenz anerkennen. Damit teilen Tochter und Eltern am Ende eine wichtige kulturelle Erfahrung. Winky erlebt zunächst die vermeintliche Erfüllung ihres Wunsches, wenn sie das Pferd des Nikolaus an ihr Fahrrad angebunden findet. Stolz und glücklich reitet sie damit nach Hause. Ihre Eltern sind sprachlos. Ihre Verwirrung steigert sich noch mehr, als St. Nikolaus persönlich bei ihnen vor der verriegelten Schuppentür auftaucht, hinter der sich Winky mit ihrem Pferd verschanzt hat. Diese Szene steckt bei aller Dramatik voller Komik, denn Onkel Siem, unkenntlich im St.-Nikolaus-Kostüm, fällt kein einziges Mal aus seiner Rolle und Winkys Eltern wissen nicht so recht, wie sie sich ihm gegenüber verhalten sollen. Die Situationskomik setzt sich in der nächsten Szene fort, wenn Nikolaus in seinem Habitus im Restaurant der Wongs sitzt und eine Tasse Kaffee nach der anderen trinkt. Währenddessen gelingt es Samir, Winky begreiflich zu machen, warum das Pferd nicht ihr gehört. Es ist kein Zufall, dass das ausgerechnet Samir schafft. Er teilt mit Winky die Erfahrung, als Kind in eine fremde Kultur gekommen zu sein. Sein Migrationshintergrund, den der Film bis zu diesem Punkt allein über seinen Namen und sein Aussehen transportiert hat, ermöglicht ihm ein tieferes Verständnis von Winkys Situation und er findet die richtigen Worte. Winky gibt dem Nikolaus sein Pferd zurück. Durch diese turbulente Erfahrung haben Winkys Eltern auch etwas dazu gelernt. Sie haben Verständnis entwickelt für die Sehnsucht ihrer Tochter nach einem Pferd und für die Bedeutung, die St. Nikolaus für sie hat. Deshalb gehen sie auf das Angebot von Onkel Siem, alias St. Nikolaus, ein und erlauben ihrer Tochter nun, dass sie sich um das Pferd kümmern darf.
„Winky will ein Pferd“ erzählt auch davon, wie Winky über ihre Familie hinaus Beziehungen aufbaut, die nicht nur ihr helfen, sich in der neuen Heimat zurecht zu finden, sondern letztlich auch ihren Eltern. Über Winkys Familie bietet der Film dem jungen Publikum eine interkulturelle Erfahrung an und gewährt Einblicke in das Leben einer chinesischen Einwandererfamilie. Das Klima in Winkys Elternhaus ist liebevoll. Gleichzeitig haben ihre Eltern neben der Arbeit im Restaurant wenig Zeit für ihre Tochter. Für westliche Augen ist es fast erstaunlich zu sehen, wie selbstverständlich Winky mithilft und bereits eigenständige Pflichten im Restaurant zu erfüllen hat. Winkys Eltern leben eher isoliert, pflegen keinen Kontakt zu ihrem niederländischen Umfeld. Ihnen scheint auch wenig bewusst, welche große kulturelle Anpassungsleistung ihre Tochter bewältigen muss. Umso wichtiger werden deshalb andere Menschen für Winky.
Samir mit seiner lustigen und immer freundlichen Art wird von Anfang an ein Verbündeter Winkys. Er verrät ihr Geheimnis um Saartje nicht den Eltern. Gegen Ende der Geschichte, wenn Winky den Schuppen in einen Stall umfunktioniert, beschafft er zusätzliches Stroh. Umgekehrt weiß Winky von Samir und Sofie, der Tochter des Nachbarn. Zwischen diesen beiden entwickelt sich eine Liebesbeziehung, die der Film prägnant in wenigen Momenten miterzählt. Winky spielt schon mal die Liebesbotin und transportiert einen Brief. Und auch sie behält Samirs Geheimnis für sich. Der wesentlich ältere Samir kann gleichaltrige Freunde natürlich nicht ersetzen, aber er übernimmt trotzdem eine wichtige Funktion für Winky. Weil er Winkys Erfahrung selbst schon durchlebt hat, als Kind in ein fremdes Land zu kommen, kann er besonderes Verständnis für sie entwickeln. Samir hilft auch Winkys Vater. Er, der sich mit den Gepflogenheiten des Landes besser auskennt, erklärt ihm, wie wichtig eine gute Restaurantbesprechung in der Zeitung für ihn wäre, und erkennt den zuständigen Kritiker sofort, als der endlich ins Restaurant kommt. So kann sich Winkys Vater ganz besondere Mühe geben und das mit Erfolg. Die gute Besprechung bringt endlich viele Gäste in das zuvor oft schlecht besuchte Lokal. Auch diesen kleinen Handlungsstrang flicht der Film mühelos und leicht in die Erzählung ein.
In Maaike findet Winky eine weitere wichtige Bezugsperson. Mit ihr teilt sie das einschneidende Erlebnis von Saartjes Tod und später dann die Vorbereitungen auf die Begegnung mit dem Nikolaus. Maaike wird eine richtig gute Freundin für Winky. Die allmähliche Entwicklung ihrer Beziehung zeigt sich in vielen Szenen ganz nebenbei: Irgendwann sitzt in der Schule Maaike neben Winky. Wenn Joris die neue Mitschülerin wieder einmal ärgern zu müssen meint, bekommt er es jetzt auch mit Maaike zu tun. Maaike hofft mit Winky, dass sie ein Pferd vom Nikolaus erhalten wird. Umgekehrt vergisst Winky ihre Freundin nicht einmal, als sie zu ihrem großen Kummer das Pferd des Nikolaus zurückgeben muss. Sie tut dies auch, weil sie nicht will, dass der Nikolaus ohne Pferd den anderen Kindern ihre Geschenke nicht bringen kann, und bittet ihn nachdrücklich, die Barbie-Puppe für Maaike nicht zu vergessen.
Eine ganz besondere Bedeutung gewinnen schließlich Tante Cor und Onkel Siem. Das freundliche und kinderliebe Ehepaar wird zu Ersatzgroßeltern für Winky, deren eigene Großmutter in China zurückgeblieben ist. Zunächst verbindet sie die gemeinsame Zuneigung zu Saartje. Doch Tante Cor und Onkel Siem schließen Winky schnell in ihr Herz. Wie es häufig in der Großelterngeneration geschieht, stehen die beiden älteren Menschen gelassener im Leben und haben mehr Zeit für das Kind als die Eltern, die stark von ihrer Berufstätigkeit beansprucht sind. Sie bringen viel Verständnis für Winky und ihre Situation auf und erkennen, was das Mädchen leistet. Gerne möchten sie ihr helfen, sie auf ihren Hof einladen und ihr Reitunterricht geben. Doch anfangs stellen sich Winkys Eltern quer. Unabhängig davon fühlen Tante Cor und Onkel Siem sich gefordert, als das Missverständnis mit dem Pferd des Nikolaus geschieht. Denn sie haben Winky in ihrem Glauben an St. Nikolaus bestärkt und nicht zuletzt spielt Onkel Siem selbst den Nikolaus. So auch in der Szene in der Schule, in der man ihm sein Unbehagen sehr wohl anmerkt, als er Winky das Geschenk mit dem Stoffhund gibt. Sie finden – und gewinnen für ihren Plan nun auch Winkys Eltern – eine Lösung, die Winkys Wunsch wahr werden lässt, ohne ihren Glauben an den schönen Nikolaus-Brauch zu zerstören.
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