
Von Beate Völcker
Der methodische Vorschlag umfasst eine etwas aufwändigere Einführung in den Film „Winky will ein Pferd“, die die Kinder auf unterschiedlichen sinnlichen Ebenen anspricht, sowie eine Abmoderation, die dem Filmerleben einen ersten Raum gibt.
Ziele
Das Ziel der Einführung besteht darin, den Kindern Winkys Ausgangssituation emotional erfahrbar zu machen und dadurch das Verständnis für Winkys Geschichte zu vertiefen. Winky kommt in ein Land, das ihr vollkommen fremd ist, und muss sich dort zurechtfinden. Diese Erfahrung will die Einführung, entsprechend dem jungen Alter der Zielgruppe, mit erlebnisorientierten Methoden zumindest ein Stück weit vermitteln.
-> Vorbereitung
Die Veranstaltung muss von mindestens zwei Personen betreut werden, die Lust am darstellenden Spiel mitbringen. Eine weitere Person wird die Rolle des Übersetzers übernehmen (s. weiter unten).
Vorbereitung von Raum, Musik, Eintrittskarten, An- und Abmoderation entsprechen den Vorschlägen im Folgenden.
Die Begleitpersonen der Kindergruppen sollten vorher über das Anliegen informiert werden.
-> Raum und Raumgestaltung
Idealerweise findet die Filmvorführung nicht in einem bekannten Raum (z.B. Klassenzimmer), sondern an einem anderen Veranstaltungsort statt. Dieser ist zusätzlich durch eine Raumgestaltung (beispielsweise mit großen Stoffbahnen) verfremdet, so dass eine Orientierung an Gewohntem (Fenster, Türen etc.) schwerer ist.
Auch der Vorführraum ist entsprechend gestaltet, im Stil grundsätzlich neutral, ein einzelner, wirkungsvoll platzierter chinesischer Lampion kann auf Winkys kulturellen Hintergrund hinweisen.
Der Raum ist nicht zu hell ausgeleuchtet.
Eine leise, fremdländisch klingende Musik (z.B. chinesische Instrumentalklänge) ist zu hören.
-> Ansprache des Publikums
Die Betreuer(innen) der Filmvorführung tragen einheitliche Kleidung (z.B. ganz in Weiß), die sie sofort erkennbar machen, sind aber nicht verkleidet.
Sie begrüßen die Kinder bereits im Eingangsbereich freundlich, ja suchen geradezu das Gespräch mit ihnen, das Entscheidende dabei: Sie sprechen mit den Kindern in einer Art Grammelot, einer Kunstsprache, die das Publikum nicht versteht.
(Grammelot stammt aus der Theatertradition und ist eine aus laut-poetischen Elementen bestehende theatralisch-komödiantische Kunstsprache. Sie wird etwa verwendet, um fremde Sprache oder Dialekte zu imitieren.)
Sie sollten dabei immer einen freundlichen Ton wahren. Die Kinder dürfen keine unangenehmen oder gar ängstlichen Gefühle entwickeln, es geht allein um die Erfahrung des Fremden, Nichtverständlichen.
Ganz wichtig: Die Betreuer(innen) dürfen nie aus ihrer Rolle fallen und etwa mit den Begleitpersonen Deutsch sprechen, um vielleicht Organisatorisches zu klären, denn das würde die Illusion zerstören. Für solche Fälle steht die weitere, neutral gekleidete Person aus dem Veranstalterteam als Übersetzer parat, die später noch eine wichtige Funktion übernehmen wird.
-> Besondere Eintrittskarte
Die Kinder erhalten von den Betreuern ihre Eintrittskarte: Ein schön gestaltetes postkartengroßes Stück Karton. Auf der einen Seite befindet sich ein fremdes Schriftzeichen (das chinesische Zeichen für Pferd). Die Rückseite bleibt frei. Hier können die Kinder nach der Filmveranstaltung ihren eigenen Wunsch aufmalen.
-> Anmoderation
Den Kindern wird – in der Kunstsprache – der Weg in den Vorführraum gewiesen. Haben alle ihre Plätze eingenommen, wird die Musik heruntergefahren und die Moderatorin/der Moderator begrüßt die Kinder - ebenfalls in der Kunstsprache.
Sie bzw. er versucht den Kindern zu sagen, dass sie auf etwas aufmerksam hören sollen. Das wird zusätzlich mimisch-gestisch zum Ausdruck gebracht.
Nun kommt der Übersetzer zum Zuge, der mit den Kindern im Zuschauerraum Platz genommen hat und nun die Rolle des Moderators übernehmen wird. Er geht nach vorne und bietet seine Hilfe an. Er kann beispielsweise sagen, dass er meint, die Kinder sollen auf ein Lied hören und versuchen, es zu verstehen. Die erste Person, die die Kunstsprache gesprochen hat, bleibt einfach vorne bei ihm stehen und lauscht nun ihm aufmerksam und freundlich.
Ein kurzes chinesisches Lied wird eingespielt. (Hierfür können Sie das Lied vom Abspann verwenden - es liegt auf der DVD auch als MP3-Datei vor)
Anhören:
Der Übersetzer kann auch einige Kinder direkt fragen.
Zu beiden Fragen sollen sich ruhig verschiedene Kinder äußern. Vielleicht taucht dabei auf die Erfahrung auf, in ein fremdes Land gereist zu sein und dort nichts verstanden zu haben.
Das Gespräch wird nun auf Winky, die Hauptfigur des Films, gelenkt.
Winky zieht aus einem sehr fernen Land nach Holland.
In Holland ist alles ganz fremd und anders als bei ihr daheim.
Auch dazu sollten sich die Kinder in Ruhe äußern können.
Anschließend wird die Aufmerksamkeit auf die Eintrittskarte gelenkt. Neben all den Wünschen, die die Kinder möglicherweise geäußert haben, hat Winky noch einen großen Wunsch. Der steht auf der Eintrittskarte. Was es ist, das wird der Film den Kindern verraten.
Damit treten der Übersetzer und der erste Moderator, der in der Kunstsprache gesprochen hat, ab.
-> Abmoderation
Der Übersetzer und der erste Moderator, der nur die Kunstsprache spricht, treten wieder auf. Das Gespräch mit den Kindern führt aber nur der Übersetzer.
Abschließend wird das Gespräch auf die eigenen Wünsche der Kinder gelenkt. Die Eintrittskarte, die sie bekommen haben, ist auch eine Wunschkarte. Darauf können die Kinder ihren größten Wunsch aufmalen. Wenn sie noch etwas in der Einrichtung/ im Kino verweilen wollen, dann sollten hier gemütliche Malecken vorbereitet sein oder die Kinder malen ihre Bilder im Kindergarten bzw. der Schule oder zu Hause.
Damit verabschieden sich der Übersetzer und auch die weiteren Begleitpersonen – diese natürlich in ihrer Kunstsprache.
Kopiervorlage Eintrittskarte: Das chinesische Zeichen für Pferd