
Durchblick 4+ – Wenn der Winter zu Ende geht ... – Filme und Bilderbuchkinos
Heute Morgen hat mich der Helikopter hier abgesetzt. Es ist kalt, und ich bin ganz allein. Ab jetzt muss ich das Wetter beobachten und täglich die Wassertemperatur in dem zugefrorenen See messen. Zum Glück steht die Hütte, in der ich die nächsten Monate lebe, gleich daneben.
Die Messgeräte sind ausgepackt und die Kisten mit Essen auch. Der Helikopter bringt erst in zwei Wochen Nachschub. Aber die Vorräte würden für drei Leute reichen – ich habe so viel Konserven, Zwieback, Kekse und Schokolade. Da brauche ich mir keine Sorgen zu machen.
Temperatur im See +4°
Heute bin ich nur kurz hinausgegangen für die Messung. Den ganzen Tag tobte ein Sturm, und ich musste in der Hütte bleiben.
Ich hörte nur das Heulen des Windes. Aber dann hab ich noch etwas gehört: ein Geräusch, als ob jemand laut schnaufend um die Hütte stapft. Als ich aus dem Fenster sah, war da aber nichts. Hier ist doch niemand außer mir? Wahrscheinlich habe ich mir alles nur eingebildet.
Temperatur im See +5 °
Oh Schreck! Heute Morgen habe ich um die Hütte herum sehr merkwürdige Spuren entdeckt. Vor allem sehr große. Das konnte doch kein wildes Tier sein. Es sah aus, als hätte da jemand Schuhe getragen! Wer könnte das nur sein?
Noch etwas ist eigenartig: Meine Vorräte sind schon zur Hälfte weg. Habe ich so viel gegessen, ohne es zu merken? Das kann doch nicht sein.
Temperatur im See +4°
Es ist nach Mitternacht, und ich habe Angst!
Eben war etwas in meiner Hütte!
Ich habe nur gesehen, dass es riesig war, und habe lautes Schmatzen gehört.
Danach konnte ich nicht mehr einschlafen. Sehr unheimlich ...
Erst als es hell wurde, habe ich bemerkt, dass alle Kisten mit Marmelade verschwunden sind.
Es fällt mir schwer, ruhig zu bleiben und die Messungen zu machen.
Temperatur im See + 2°
Jetzt wird es ernst! Ich habe bald nichts mehr zu essen!
Ich habe die Gegend erkundet und nichts Auffälliges gefunden. Aber in der Hütte erwartete mich eine Überraschung. Der ganze Fußboden war übersät mit Krümeln. Alle Konserven, Brot und Schokolade sind weg. (Der Dosenöffner übrigens auch.)
Temperatur im See +3°
Gestern Abend habe ich beschlossen, den ungebetenen Gast auf frischer Tat zu ertappen. Habe viel Kaffee getrunken, um wach zu bleiben.
Aber ... ich bin doch eingeschlafen. Und jetzt ist nur noch ein Paket Kekse da. Ein Paket für acht Tage! Ich muss sparsam umgehen damit.
Habe Tee getrunken und einen halben Keks gegessen. Zum Glück habe ich in meiner Jackentasche noch ein Bonbon gefunden. Heute Nacht erwische ich den Dieb.
Heute ist so viel passiert!
Die ganze Nacht habe ich gewartet. Irgendwann hörte ich draußen Schritte.
Die Tür ging langsam auf, und jemand schnaufte laut.
Ein riesiger Schatten näherte sich dem Tisch. Schnell habe ich das Licht angemacht – und was sah ich?
EINEN EISBÄREN –
mit dem letzten Keks im Mund!
„Aha“, schrie ich, „jetzt hab ich dich!“
Aber der Bär rannte weg und ich hinterher. Bald waren wir beide außer Atem.
Der Bär ließ sich auf den Boden plumpsen und fing plötzlich an zu weinen. Ich muss schon sagen, wie ein normaler Bär sah er nicht aus. Er trug Plastiktüten an den Pfoten und ein Wolltuch um die Schulter.
„Es ist mir so peinlich, dass ich geklaut habe, aber ich bin in einer schwierigen Lage!“ – und der Bär erzählte mir seine Geschichte:
„Ich bin ein Zirkus-Eisbär aus Hamburg.
Eines Tages sah ich eine Fernsehsendung über den Nordpol.
Da bekam ich Sehnsucht nach dem echten Eisbärenleben.
Wie schön, dachte ich – der Schnee und die Kälte!
Und als ich dann im Film meine Oma wiedererkannte, war mir sofort klar: Nichts wie hin!“
„Nach einer stürmischen und gefährlichen Reise war ich endlich am Nordpol: Aber was für eine Enttäuschung!“
„Meine Oma verstand mich nicht. Sie machte nur GRRRR, badete im eisigen Wasser und fraß gierig rohen Fisch.
Da habe ich schnell begriffen: Dieses Leben ist nichts für mich. Doch zurück konnte ich nicht mehr, mein Floß war an einer Eisklippe zerschellt.
Wie froh war ich da, als ich deine Hütte entdeckte!“
Die Geschichte des Eisbären überraschte mich.
Doch dann sagte ich:
„Jetzt haben wir aber beide nichts mehr zu essen. Der Helikopter kommt erst in einer Woche!“
Der Eisbär schaute mich traurig an, dann sprang er auf und rannte los.
Wenig später war er wieder da mit seiner Angel.
„Wir können doch Fische fangen und braten. Darf ich nicht bei dir bleiben, bei Oma ist es sooo kalt ...“
Ich war einverstanden. Und so leben der Bär und ich zusammen. Aber nicht für immer. Wenn der Helikopter kommt, fliegt der Bär nach Hause – zurück zum Zirkus, denn die Kinder freuen sich schon auf ihn!
Temperatur im See +6°. Richtig warm!