
Durchblick 4+ – Wenn der Winter zu Ende geht ... – Filme und Bilderbuchkinos
Bilderbuch „Der kleine Polarforscher“ von Sonja Bougaeva
Atlantis im Orell Füssli Verlag AG, Zürich 2009.
Weit und breit nur Schnee – mehr sieht der kleine Polarforscher nicht, als ihn der Helikopter bei seiner Hütte absetzt. Hier wird er nun vierzehn Tage mutterseelenallein verbringen, das Wetter beobachten und die Temperatur im gefrorenen See überprüfen. Zum Glück hat der Polarforscher genügend zu essen eingepackt: Konserven, Zwieback, Schokolade und Kekse. Täglich macht er nun Messungen und schaut nach dem Wetter. Doch eines Tages entdeckt er riesige Fußspuren vor der Hütte und bald merkt er, wie seine Vorräte zu Neige gehen. Jemand beklaut ihn heimlich, soviel steht fest. Der Polarforscher will das Rätsel lösen und versucht nachts wach zu bleiben, auch wenn er sich ein bisschen fürchtet. Aber der Schlaf übermannt ihn und am nächsten Tag hat er nur noch eine einzige Packung Kekse übrig. Jetzt hält er sich tapfer wach. Und tatsächlich huscht eine große Gestalt in seine Hütte und rennt gleich wieder davon, als er sich bemerkbar macht: es ist ein Eisbär! Der Polarforscher nimmt die Verfolgung auf und schließlich plumpsen Bär und Menschlein erschöpft in den Schnee. Der seltsame Eisbär trägt eine Decke um seinen Körper geschlungen und Plastiktüten an den Füßen. Es ist ihm peinlich, dass er den kleinen Polarforscher bestohlen hat. Traurig erzählt er ihm seine Geschichte: Er ist ein Zirkuseisbär aus Hamburg. Eines Tage sah er im Fernsehen einen Film über das Leben am Nordpol und erkannte sogar seine Großmutter unter den Eisbären. Begeistert beschloss er, hierher zu reisen. Doch ach – er kann sich weder an die Gepflogenheiten hier noch an die Kälte gewöhnen: Seine Großmutter futtert rohen Fisch und badet im Eisloch! Er bittet den kleinen Polarforscher, bei ihm bleiben zu dürfen. Der hat nichts dagegen – nur eben auch nichts mehr zu essen. Da holt der Eisbär eine Angel und schlägt vor, einen Fisch zu fangen und ihn gebraten zu verzehren. Acht Tage müssen die beiden neuen Freunde noch hier verweilen, dann wird sie der Helikopter abholen – und der Eisbär kann wieder zurück in den Zirkus, wo sich die Kinder schon auf ihn freuen.
Sonja Bougaeva erzählt aus der Perspektive des kleinen Polarforschers in Tagebuchform. Wunderbar komisch prallen die ernsthaften Aufzeichnungen auf die märchenhafte Weiterentwicklung der Geschichte. Zwischen die mysteriösen Erlebnisse mit dem verschwundenen Essen fügen sich rhythmisch immer wieder seine Messungen ein: „5. Tag – Temperatur im See plus 3 Grad“. Wenn sich der Dieb dann verblüffenderweise als ausgerissener Zirkuseisbär herausstellt, wird im gleichen pragmatischen Duktus weitererzählt. Auch wenn sie nun zu zweit sind: woher Essen nehmen im ewigen Eis? Die Lösung, nach Menschenart mit Hilfsmitteln einen Fisch zu fangen, um den dann gebraten zu verzehren, zeugt von subtilem Witz. Ebenso charmant, berührend und auch ulkig nehmen sich Sonja Bougaevas Zeichnungen aus. Sie macht Kälte und Nordlicht fassbar, fein kontrastiert zum warmen Licht in der Hütte. Nette Details wie die Schneebrille des kleinen Polarforschers, wenn er draußen seinen Aufgaben nachgeht, oder eben auch die Decke des Eisbären, amüsieren und treffen genau die Atmosphäre der Geschichte.
Sonja Bougaeva, geboren 1975 in Sankt Petersburg, studierte an der dortigen Staatlichen Kunstakademie Buchkunst und Malerei. Anschließend machte sie eine Ausbildung als Trickfilmanimatorin und arbeitete in einem Zeichentrickfilmstudio. Seit 1998 lebt sie in Hamburg, wo sie an der Fachhochschule für Gestaltung die Illustrationsklasse besuchte. Ihr Buch „Zwei Schwestern bekommen Besuch“ (nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2006, Sparte Bilderbuch) ist die erweiterte Version von Sonja Bougaevas Diplomarbeit aus dem Jahr 2004.
Auswahlbibliografie
„Barnie“, Atlantis im Orell Füssli Verlag 2006.
„Drei Freunde kommen durch die Welt“, Text: Ulrich Maske, Jumbo Neue Medien & Verlag, 2003.
„Es lebte einmal eine Igelfamilie in einem nicht besonders dunklen Wald“, Text: Andrej Usatschow, Herder Verlag 2008.
„Das große Gähnen“, Text: Monika Spang, Atlantis im Orell Füssli Verlag 2005.
„Käpt'n Lotta und der vieräugige Herrmann“, Text: Florentine Joop, Dressler Verlag 2007.
„Meine kleine Kitzelkatze“, Text: Ulrich Maske, Jumbo Neue Medien & Verlag 2002.
„Zwei Schwestern bekommen Besuch“, Atlantis im Orell Füssli Verlag 2005.
Hier bietet es sich an, mit Hilfe des Infobogens „Im ewigen Eis“ (s.u.) über die Arktis und die Antarktis zu sprechen. Was liegt wo? Was macht die Unterschiede aus? Welche Tiere leben am Nordpol, welche am Südpol? Was ist der Eisbär für ein Tier? Welche Forschungen werden im ewigen Eis betrieben?
Dann als spielerisches, märchenhaftes Gegenstück zur naturwissenschaftlich geprägten Einleitung das Bilderbuchkino vom „Kleinen Polarforscher“ mit zugeschaltetem Erzählertext im verdunkelten Zimmer, groß projiziert mit Beamer zeigen.
Anschließend fragen, was den Kindern an der Geschichte gefallen hat. Finden sie sie lustig, spannend oder beides? Wie leben Eisbären in der freien Wildbahn? Was lässt sich aus der Episode um die Großmutter des Eisbären schließen?
Bei einem zweiten Durchgang durchs Bilderbuchkino (ohne Erzählerstimme) einzelne Bilder nochmals genauer anschauen, zum Beispiel: 2, 3, 16, 19 und 21 (vgl. Textheft, s.u.). Vielleicht kennen die Kinder selbst Situationen, in denen sie sich völlig fremd gefühlt haben, obwohl sie sich vorher darauf (Reise, Ausflug etc.) gefreut hatten.
Gemeinsam überlegen, was der Eisbär und der kleine Polarforscher in der verbleibenden Woche wohl noch gemacht haben und wie es daheim weiterging mit ihrer Freundschaft.
Je nach Alter der Kinder kann, ausgehend vom immer knapper werdenden Lebensraum für Eisbären durch das Schmelzen des Eises, auch auf das Problem der Klimaveränderung eingegangen werden und was wir im Kleinen dagegen machen können (vgl. Infobogen 5.10).
Auf der ROM-Ebene dieser Durchblick-DVD
5. Hintergrundinformationen
6. Arbeitsmaterialien und weitere methodische Anregungen