zum Anfang des Inhalts
Bundesverband Jugend und Film e.V. - DVD-Edition - Durchblick Filme - www.durchblick-filme.de

Durchblick 4+  –  Wenn der Winter zu Ende geht ...  –  Filme und Bilderbuchkinos

4.4 Zum Bilderbuchkino „Winter-Wimmelbuch“

Bilderbuch „Winter-Wimmelbuch“ von Rotraut Susanne Berner
Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2003.

Hinweis zur Vorführung des Bilderbuchkinos

Aus technischen Gründen ist die Auflösung der Bilder auf der Videoebene begrenzt. Daher empfehlen wir, für die Projektion des Bilderbuchkinos einen Computer zu benutzen und das gleiche Bilderbuchkino auf der ROM-Ebene zu wählen („Zoom-Ansichten“). So konnten wir eine höhere Auflösung erzielen und zudem einige Zoom-Effekte einbauen.

Inhalt und Gestaltung

Der erste Band von Rotraut Susanne Berners Wimmelbuch-Reigen ist dem Winter gewidmet. In der Stadt und auf dem Land sind die Äste der Bäume kahl, die Wiesen grün-braun. Irgendwann beginnt es leise zu schneien. Weihnachtsdekorationen sind zu sehen. Ganz ohne Worte erzählt die Bilderbuchkünstlerin von Menschen, die dick eingemummelt unterwegs sind. Auf der letzten Seite des Buches, quasi dem Rückumschlag, finden sich Erwachsene und Kinder sowie einige Vierbeiner namentlich in einem einzigen Satz vorgestellt, der kurz darauf hinweist, was sie in diesem Buch unternehmen oder was ihnen passiert. Viele der Figuren tauchen in allen vier Jahreszeiten-Wimmelbüchern auf, manche nur in einem. Spannende Entdeckungen lassen sich überall machen, wenn wir uns die vielen kleinen Alltagsepisoden genauer anschauen.

Manche Geschichten beginnen auf der ersten Seite, manche erst in der Mitte und andere enden bereits auf der dritten Seite. Und wenn man gerade meint, man hätte alle Handlungsstränge gefunden, findet sich ein weiterer neuer Hauptdarsteller, der sich überwiegend – und das im wahrsten Sinne des Wortes – im Hintergrund hält: Der Motorradfahrer mit den grünen Stiefeln auf der gelben Maschine entpuppt sich nämlich als Weihnachtsmann. In vielen der Bilder geht es um Lene und ihren Vater Thomas, die eigentlich einen Zahnarzttermin haben, aber erst ihren Papagei einfangen müssen. Der setzt sich frech auf das Dach des Busses, während Thomas mit Lene auf dem Gepäckträger mühsam hinterher strampelt. Und eigentlich sind sie auch dafür verantwortlich, dass Susanne sich einen neuen Hut kaufen muss. Während Thomas beim Zahnarzt behandelt wird, schaut Lene, den Papagei im Arm haltend, neugierig aus dem Fenster. Und gerade, als Susanne unten vorbeispaziert, lässt der etwas fallen ...

Wunderbar gelingt es der Illustratorin, die verschiedenen Geschichten miteinander zu verbinden. Da findet sich beispielsweise die Episode von Oliver, der einen Schlitten für Linus kauft und ihn dann mit der Katze Monika ausprobiert. Letztere schleicht auf Samtpfoten durch fast alle Bilder – nur hier und da macht sie einmal Halt, vor einem Fischgeschäft oder in der Spielzeugabteilung. Auf ganz anderer „Mission“ war eigentlich Ina, die sich zum Schlittschuhfahren im Park verabredet hatte. Aber unterwegs findet sie die Schlüssel und das Portemonnaie von Manfred, dem Jogger, der seinen Verlust noch gar nicht bemerkt hatte und fröhlich Dehnübungen macht. Sieglinde wiederum hat wirklich Pech mit ihrem Auto, denn sie fährt, gerade aus der Werkstatt kommend, mit ihm direkt gegen das Bushaltestellenschild – vermutlich war es der Papagei, der sie abgelenkt hat. Am Unfallort werden einige der Hauptdarsteller ihrer Tiere wieder habhaft: Elke, die einen Tannenbaum kaufen will, fängt ihren Hund Lenzo wieder ein und Lene und Thomas gelingt es endlich, ihren entflogenen Papagei zu erhaschen. Dies ist nur ein kleiner Teil der Geschichten, die sich im Winterwimmelbuch abspielen und nur darauf warten, entdeckt zu werden.

In schlichter Bildsprache gehalten, erleben wir in diesem Wimmelbuch fröhliche Momentaufnahmen aus dem Alltag. Dabei haben die kleinen „Randgeschehnisse“ ihren eigenen Reiz. Aufmerksamen Betrachtern werden diese nicht entgehen und genau zu dieser Gruppe gehören Kinder mit ihrer hingebungsvollen Entdeckerlust. Schon für die Jüngsten gibt es eine Menge zu entdecken, wie etwa die Krähe, die als aufmerksame Beobachterin von Bild zu Bild fliegt. Für größere Kinder sind andere Darstellungen fesselnder. Und je älter sie sind, desto mehr verstehen sie die Zusammenhänge, die dieses Buch so intensiv machen. Wie kleine Detektive können sie hier Spuren verfolgen und Zusammenhänge erschließen. Das „Wuseln“ in Rotraut Susanne Berners Winter-Wimmelbuch wirkt keinesfalls überladen und ist sinnig strukturiert. Das zeitlose Bilderbuch schult nicht nur die Beobachtungsgabe, sondern fördert vor allem die Sprachentwicklung bzw. die Kreativität. Die kolorierten Strichzeichnungen sind in eher reduzierten Farben gehalten. Die Bilderwelt besteht aus vielen, alltäglichen Details. Die Darsteller sind in klassischen und kindgerechten Zeichnungen dargestellt und vermitteln einen fröhlichen – oft allzu menschlichen Eindruck. Am Schluss sehen wir Susanne mit zwei Freunden im Café sitzen. Sie hat eine Narrenkappe als neue aparte Kopfbedeckung gewählt – und verweist so schon auf die Faschingszeit und damit auf das Ende des Winters.

Die Bilderbuchkünstlerin

Rotraut Susanne Berner wurde 1948 in Stuttgart geboren. Von 1971 bis 1975 studierte sie Graphik-Design an der Fachhochschule München. Anschließend war sie zwei Jahre in der Verlagswerbung tätig. Zwischen 1977 und 2002 arbeitete sie als freie Grafikerin in Heidelberg mit den Schwerpunkten Buchillustrationen und Buchumschlaggestaltungen für Kinder- und Erwachsenenbücher. Sie zählt international zu den bekanntesten Illustratorinnen. Mit Worten kann sie ebenfalls gut umgehen, wie ihre selbst getexteten Kinderbücher beweisen. Seit 2003 lebt und arbeitet Rotraut Susanne Berner wieder in München. 2006 erhielt sie den Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises für ihr Gesamtwerk an Illustrationen. Die Jury würdigte damit Berners künstlerisches Werk, mit dem sie „neue Maßstäbe der Illustration und Gestaltung“ gesetzt hat: „Sie ist eine Künstlerin, die hohe Ansprüche an ihre Arbeit stellt und niemals den bequemen Weg wählt. Mit ihren Einfällen hält sie die Welt in Bewegung; denn was sie zeichnet braucht wie auf wunderbare Weise keine Schwerkraft.“ Berner erntete 2007 mit ihrer Entscheidung Beachtung, ihr Werk nicht in den USA verlegen zu lassen, obwohl ihr hierdurch potenzieller Gewinn entging. Grund für diese Entscheidung waren Forderungen, die Darstellung von Nacktheit im Werk zu unterlassen. In den USA gelten zum Teil andere Vorstellungen von öffentlich sichtbarer Nacktheit. Berner hingegen empfand die Entscheidung, Nacktheit darzustellen als Ausdruck künstlerischer Freiheit, der sich Prüderie nicht unterzuordnen hat.

Auszeichnungen

1983 Celestino Piatti-Preis

1984 Deutscher Jugendliteraturpreis für Sonntagskind (mit Gudrun Mebs)

1996 Deutscher Jugendliteraturpreis für Als die Welt noch jung war (mit Jürg Schubiger)

1997 und 2001 Zilveren Penseel (Niederländischer Illustrationspreis) für Das Abenteuer und Die Prinzessin kommt um vier (mit Wolfdietrich Schnurre)

1998 Die besten 7 Bücher für junge Leser (Deutschlandfunk/Focus) für Nuni von Fritz Mühlenweg

1998 Deutscher Jugendliteraturpreis für Bloße Hände (mit Bart Moeyaert)

1999 Die besten 7 Bücher für junge Leser (Deutschlandfunk/Focus) für Dunkel war’s, der Mond schien helle

1999 Buch des Monats Dezember (Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur, Volkach) für Dunkel war’s, der Mond schien helle

2000 Schnabelsteherpreis für Die Prinzessin kommt um vier (mit Wolfdietrich Schnurre)

2000,2002,2004 Nominierung für die Hans-Christian-Andersen-Medaille

2000 LUCHS Mai für Die Prinzessin kommt um vier (mit Wolfdietrich Schnurre)

2001 Fällt aus dem Rahmen (Eselsohr) für Apfel, Nuss und Schneeballschlacht

2003 LUCHS Mai für Der beste Hund der Welt (mit Sharon Creech)

2003 Die besten 7 Bücher für junge Leser (Deutschlandfunk/Focus) für Winter-Wimmelbuch

2004 Buch des Monats Mai (Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur, Volkach) für Frühlings-Wimmelbuch

2006 Deutscher Jugendliteraturpreis für ihr Gesamtwerk

2009 Schwabinger Kunstpreis

Auswahlbibliografie

1993 Himmel, Hölle, Blindekuh (Text von Edmund Jacoby); Lola, der Bär (Text von Trude de Jong)

1994 Josefs Vater (Text von Toon Tellegen)

1995 Der Füsch (Text von Hanna Johansen)

1996 ABC - Die Katze lief im Schnee (Text und Illustration von Rotraut Susanne Berner)

1997 Der Zahlenteufel - Ein Kopfkissenbuch für alle, die Angst vor der Mathematik haben (Text von Hans Magnus Enzensberger)

1998 Bist du schon wach? (Text von Hanna Johansen); Leise rieselt der Schnee - Ein Liederbuch für die Weihnachtszeit mit Bildern von Rotraut Susanne Berner, Quint Buchholz, Axel Scheffler und Binette Schroeder

2000 Wenn ich mir etwas wünschen könnte (Text von Franz Hohler)

2001 Guten Morgen, Karlchen! (Text und Illustrationen von Rotraut Susanne Berner); Gute Nacht Karlchen! (Text und Illustrationen von Rotraut Susanne Berner)

2002 Wo ist Karlchen! (Text und Illustrationen von Rotraut Susanne Berner); Der fliegende Hut (Text und Illustrationen von Rotraut Susanne Berner)

2003 Karlchen geht einkaufen (Text und Illustrationen von Rotraut Susanne Berner); Winter-Wimmelbuch; Karlchen-Geschichten (Text und Illustrationen von Rotraut Susanne Berner)

2004 Frühlings-Wimmelbuch; Das Abenteuer (Text und Illustrationen von Rotraut Susanne Berner)

2005 Ach nein! – Und wenn schon! (Text und Illustrationen von Rotraut Susanne Berner), Sommer-Wimmelbuch, Herbst-Wimmelbuch

2006 Karlchen vor, noch ein Tor! (Text und Illustrationen von Rotraut Susanne Berner)

2008 Nacht-Wimmelbuch (Text und Illustrationen von Rotraut Susanne Berner)

Ein Schwesterchen für Karlchen (Text und Illustrationen von Rotraut Susanne Berner)

Methodische Tipps

Da einige Kinder vielleicht schon eines der beliebten „Wimmelbücher“ von Rotraut Susanne Berner kennen, andere aber nicht, bietet es sich an, zu Beginn des Bilderbuchkinos die Figuren kurz durchzugehen. Dann begeben sich alle gemeinsam auf Entdeckungstour. Die einzelnen Bilder, mit Beamer im verdunkelten Raum groß projiziert, möglichst lange stehen lassen und die Kinder ermuntern zu erzählen, was sie alles sehen. Um welche Jahreszeit handelt es sich? Woran kann man das erkennen? Woran im Freien, woran im Haus? Tauchen auf der nächsten Seite Menschen oder Tiere auf, die wir schon gesehen haben? Was haben sie vorher gemacht, was treiben sie an dieser Stelle?

In einem zweiten Durchgang kann man die Kinder in zwei oder drei Gruppen aufteilen und sie bitten, sich jetzt besonders auf bestimmte Figuren (zum Beispiel den Papagei, oder das Mädchen Ina auf dem Weg in den Park oder den Jogger Manfred) zu konzentrieren. Anschließend wird zusammengetragen, was den jeweiligen Protagonisten widerfahren ist. Welche Figur würdest du gerne sein?

Die Geschichten bestimmter Figuren können gemeinsam weiter gesponnen beziehungsweise mit Hintergrund angefüllt werden. Etwa von Lene und ihrem Vater Thomas: Lebt sie allein mit ihrem Papa? Wie sind die beiden wohl zu dem Papagei gekommen? Kennt Lene die anderen Kinder im Buch?

Die Episoden zwischen den Episoden erzählen: Wo wollte Petra wohl hin, die im Bus lesend vollkommen das Aussteigen vergessen hat? Was macht der Mann mit der Gans unter dem Arm? Warum ist Sieglinde gegen das Bushaltestellenschild gefahren?

Gemeinsames Entwerfen kurzer Szenen, die dann als Minitheaterstücke gespielt werden.

Welche Tiere finden sich in dem Bilderbuchkino? Alle sammeln, der/die Erzieher/in bzw. Lehrer/in notiert sie und anschließend überlegt jedes Kind, welches Tier es malen will.

Weiteres Material, das sich zur Aufarbeitung dieses Mediums eignet

Auf der ROM-Ebene dieser Durchblick-DVD:

 

5. Hintergrundinformationen

6. Arbeitsmaterialien und weitere methodische Anregungen

7. Bildergalerie

8. Zusatzmaterialien

 

Zum Ausdrucken:

Download dieser Seite im PDF-Format - Rechte Maustaste: Ziel speichern ... PDF-Dokument